04.09.2020 - 18:30 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Entdeckungsreisen zu Flurdenkmälern im Altlandkreis Oberviechtach

Marterln, Glockentürme, Nebenkirchen: Über 700 Flur- und Kleindenkmäler sind im Altlandkreis Oberviechtach registriert. Eine Entdeckungstour ist bei vier Wanderungen möglich, die der frühere Heimatpfleger konzipiert hat.

Hunderte von Flur- und Kleindenkmälern, Dorfkapellen und Totenbrettern sind im Gebiet des Altlandkreises Oberviechtach verzeichnet. Aus diesem Fundus hat sich der frühere Kreisheimatpfleger Hubert Teplitzky verschiedene Wanderungen überlegt. Auch die schmucke Dorfkapelle in Mitterlangau bildet ein Etappenziel.
von Christof FröhlichProfil

Es ist schon ein paar Jahre her, dass Hubert Teplitzky aus Obermurach seine Wanderweg-Führer aufgelegt hat, die zu Flur- und Kleindenkmälern rund um Oberviechtach führen. Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen (mehr Freizeit durch Kurzarbeit, Ausgangsbeschränkungen) haben sie erneut in den Fokus gerückt. Nachdem Wandern und ausgedehnte Spaziergänge im Trend liegen, bietet sich auch eine Tour zu derlei Kleinoden am Wegesrand an.

Insgesamt vier solcher Wanderrouten hat Hubert Teplitzky, der fast 30 Jahre (1985 bis 2013) Kreisheimatpfleger für den Bereich des Altlandkreises Oberviechtach war, in aufwändiger Kleinarbeit erstellt. Wer sich dort auf den Weg macht, entdeckt Flurkreuze (Marterln), Gedenksteine und Denkmäler der näheren Umgebung, findet Kapellen und schmucke Gotteshäuser sowie Glockentürme in den Dörfern.

Die Touren, die "Denkmal-Wanderweg" oder "Marterl- und Denkmalweg" heißen, rücken verschiedene Relikte der Volksfrömmigkeit in den Fokus, an denen im Alltag meist achtlos vorbeigegangen oder -gefahren wird. So geleitet ein Rundwanderweg zu verschiedenen Flur- und Kleindenkmälern, eine andere Tour rückt Kapellen und Nebenkirchen der Stadtpfarrei Oberviechtach in den Mittelpunkt. In seinen Heftchen wartet Hubert Teplitzky außerdem mit viel Hintergrundwissen zu den einzelnen Denkmälern auf, informiert über die Geschichte oder die künstlerische Ausstattung. So geraten diese Wanderungen nicht nur erholsam, sondern auch kurzweilig und lehrreich.

Auch ein bayerischer Minister ist beim Wandern in der Region unterwegs

Neunburg vorm Wald

Bei der Herausgabe seiner Wanderführer konnte Teplitzky, mittlerweile 87 Jahre alt, auf einen großen Fundus an Wissen über die Region zurückgreifen. Seine Erfahrungen hat er durch Eigeninitiative gewonnen sowie durch Mitgliedschaften im Bayerischen Landesverein für Heimatpflege, im Oberpfälzer Waldverein, im Oberpfälzer Volksliedkreis, im Arbeitskreis für Kleindenkmalforschung Oberpfalz oder im Heimatkundlichen Arbeitskreis Oberviechtach.

In seiner Tätigkeit als Kreisheimatpfleger war es ein besonderes Anliegen Teplitzkys, die Flur- und Kleindenkmäler in seinem Bereich zu erfassen. Rund 700 davon hat er im Altlandkreis Oberviechtach dokumentiert – vom Kreuz aus Holz oder Stein bis hin zum Kriegerdenkmal. Teplitzky hat sich über Jahre hinweg auf ihre Spur geheftet, ihre Geschichte erkundet, sie fotografiert, zum Teil auch aufgemessen und schriftlich erfasst. "Denkmal-Forschung ist eigentlich eine Lebensaufgabe", sagte er vor einigen Jahren im Gespräch mit einem NT-Redakteur.

Wenn es nötig war, legte Hubert Teplitzky auch selbst mit Hand an, wenn bei Kontrollfahrten ein Objekt von Gestrüpp umwuchert war, und schnitt es wieder frei. Fielen ihm Beschädigungen auf, informierte er den jeweiligen Eigentümer und stand bei Reparatur, Renovierung oder Sanierung beratend zur Seite. Damit kam Hubert Teplitzky einer Aufgabe nach, die schon 1948 in Artikel 141 der Bayerischen Verfassung verankert worden war. Dort heißt es: „Staat, Gemeinden und Körperschaften des öffentlichen Rechts haben die Aufgabe, die Denkmäler der Kunst, der Geschichte und der Natur sowie die Landschaft zu schützen und zu pflegen, herabgewürdigte Denkmäler der Kunst und der Geschichte möglichst ihrer früheren Bestimmung wieder zuzuführen“.

Hintergrund:

Unterwegs zu Totenbrettern und Glockentürmen

Zwei der von Hubert Teplitzky konzipierten Wanderungen auf den Spuren der Denkmäler hat auch die Tourist-Information Oberviechtach in ihr Wegeverzeichnis aufgenommen.

  • Marterl- und Denkmalweg Nr. 1
    Start und Ziel: Parkstadl in der Klostergasse in Oberviechtach; ein weißes Feld mit schwarzem Kreuz markiert diesen 14 Kilometer langen Rundwanderweg.
    Unterwegs begegnet der Wanderer Weg- und Feldkreuzen, Marterln, Kapellen und Totenbrettern – "stumme Zeugen der alten meist bäuerlichen und christlichen Kultur des Oberviechtacher Landes", so die Tourist-Information.
  • Marterl- und Denkmalweg Nr. 4
    Start: ehemaliges Post in Oberviechtach, Zum Bahnhof; der Weg ist 15 Kilometer lang und ist durch einen schwarzen Bildstock auf weißem Grund gekennzeichnet.
    Unterwegs erwarten den Wanderer nicht nur Kapellen, Glockentürme, Flur- und Dorfkreuze, sondern auch einzigartige Fernblicke.
Hubert Teplitzky, der fast 30 Jahre Heimatpfleger im Altlandkreis Oberviechtach war, zeigt die Flyer mit den von ihm konzipierten Wanderungen zu Flur- und Kleindenkmälern der Region. In Corona-Zeiten sind diese speziellen Wanderführer wieder ins Licht der Öffentlichkeit gerückt.
Als Heimatpfleger war Huber Teplitzky unermüdlich unterwegs, um die verschiedenen Flur- und Denkmälern zu erfassen. Hier nimmt er die Daten eines Marterls auf.
Ebenfalls ein Etappenziel der Wanderungen ist das ehemalige Dorfkreuz von Obermurach, das mittlerweile außerhalb des Ortes aufgestellt worden ist.

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