26.02.2021 - 15:48 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Frühlingsblumen gegen den Corona-Blues

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75 Tage blieb die Ladentüre zu: Jetzt rüsten sich Gärtnereien, Gartencenter und Blumenläden auch im Landkreis Schwandorf für die Öffnung am 1. März. Die Pflanztische und Regale füllen sich mit Salatpflanzen, Kräutern und Frühlingsblumen.

Blumenkörbe, Salatpflanzen und Schnittlauch: Bei der Gärtnerei Baumer in Oberviechtach räumt Martin Urban mit seinen Kolleginnen gerade die Pflanztische ein.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Der Vorfrühling hat begonnen. Mit dem Erwachen der Natur hat auch die Politik ein Einsehen und macht dem Lockdown schrittweise ein Ende. Am Montag, 1. März, dürfen Gärtnereien öffnen. Seit Anfang der Woche herrscht deshalb zum Beispiel in der Gärtnerei Baumer in Oberviechtach emsiges Treiben. Während im Lockdown überwiegend die Floristik für das Angebot "Click & Collect" gefragt war, sind jetzt alle Mitarbeiter zurück und räumen die Pflanztische mit frischer Ware voll: Kopfsalat- und Pflücksalatpflänzchen, Bärlauch, Kräuter, Schnittlauch, Tulpen, Narzissen und Hyazinthen. Die Bellis (Gänseblümchen) können noch gut ein paar Tage vertragen.

"Wenn man mit lebendigen Produkten von Knall auf Fall zusperren muss, ist das nicht einfach", sagt Robert Baumer. Er freut sich, dass es ab Montag wieder anläuft, aber er schränkt auch ein: "Wir haben im Januar und Februar Pflanzen im Wert von mehreren 10 000 Euro vernichtet." Dazu gehörte beispielsweise ein Großteil des Zimmerpflanzensortiments: "Orchideen behalten ihren Top-Zustand nicht durchs Rumstehen." Aber auch das Blühende im Kalthaus, was in normalen Wintern gekauft wird, wie Christrosen oder Alpenveilchen, fanden keine Abnehmer mehr.

Schon allerhöchste Zeit

Bei den zum Verkauf stehenden Frühjahrsblühern kam den Gärtnereien der frostige Winter zu Hilfe. "Wir hatten durch die kalten Temperaturen keinen Druck", stellt Baumer fest. "Der Kunde will Frische." Aufgrund der frühlingshaften Temperaturen habe er großzügig Gemüsepflanzen bestellt. Für den Eröffnungstermin wünscht er sich genauso wie seine Kollegen viele Kunden: "Wir haben Platz genug sowie ein Hygienekonzept und es gibt keinen Mangel an Ware. Wir sind im Grundsatz Grundversorger, denn Pflanzen sind Lebensmittel." In der gesamten Branche könne man es nicht verstehen, "dass es unser Sortiment fast durchgängig woanders zu kaufen gibt".

"Der 1. März hat unbedingt sein müssen. Sonst wäre es fatal geworden", sagt Sandra Irrgang von der Gärtnerei Irrgang in Schwandorf. Für Tulpen oder Primeln sei es allerhöchste Zeit, die Menschen zu erfreuen. Nach den Worten der Schwandorferin, die auch im Verband engagiert ist, hätte dieser den Lockdown nicht mehr länger geschluckt, sondern Klage eingereicht, wenn nicht geöffnet worden wäre. Da bei Irrgang selber produziert wird, wäre es auch bald in den Gewächshäusern eng geworden. Andere Blumensorten drängen nach. In letzter Konsequenz hätten die Frühblüher entsorgt werden müssen, wie im Dezember und Januar ein Teil der Orchideen oder Christrosen. Der Abhol- und Lieferservice "lief besser als erwartet, war aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein." Sie kann den Lockdown für die Branche nicht ganz nachvollziehen, denn es gebe in Gärtnereien hohe, gut gelüftete Räume. Nach wie vor hält es Sandra Irrgang für einen Fehler der Politik, dass der Lebensmitteleinzelhandel Pflanzen, Schuhe, Bücher oder zum Valentinstag vermehrt Schnittblumen verkaufen durfte.

Wirtschaftlich schwieriger

Die Valentinsträuße in Supermärkten sind auch Michael Prifling, Garten & Floristik Prifling in Schmidgaden, missfallen. "Man kann sich alles schön reden", sagt er zum "Click & Collect". Das System wird natürlich ab Montag eingestellt. Die Öffnung komme genau richtig. Weitere zwei bis drei Wochen geschlossene Türen hätte für Frühlingsblumen das Ende bedeutet. "Bei diesem Wetter wachsen sie ganz anders." Vorbereitet ist für die Kunden alles. "Wir haben ja Zeit gehabt", sagt Michael Prifling.

Bei Schnittblumen, so nennt er ein Beispiel, sei die Nachfrage gesunken, schon voriges Jahr an Ostern, an Allerheiligen und besonders an Weihnachten. Auch im Segment Trauerfloristik seien die Defizite "wegen der Beerdigungen im kleinen Kreis" da. Parallel dazu seien die Einkaufspreise gestiegen. "Das wird schwierig in nächster Zeit". Der Schmidgadener hofft, dass sich viele Kunden für die offenen Räume einer Gärtnerei entscheiden.

"Das sind Lebewesen"

Erich Ritschel freut sich auf Montag. Für den Gärtnermeister aus Nabburg war besonders die Zeit bis 15. Januar, als nur geliefert werden durfte, heikel. Mit der Abholstation sei es einfacher geworden, zumal Januar und Februar nicht die umsatzstärksten Monate seien. Das Abholen auf Vertrauensbasis - die Kunden geben das Geld in eine Box - habe 150-prozentig funktioniert. "Die Leute haben viel Trinkgeld gegeben." Allerdings fehle der Erlebniseinkauf, beziehungsweise der Impulskauf. "Es werden acht Salat- und vier Kohlrabipflanzen bestellt. Kommt der Kunde in den Laden, nimmt er vielleicht auch noch Lollo Rosso oder Primeln mit." Das ist ab Montag wieder der Fall. Die Gewächshäuser sind voll mit Salat- und Gemüsepflanzen, Kräutern und Frühlingsblumen. Von der Zeit her, gehe es noch. Es sei erst Anfang März. Erich Ritschel, in dessen Gärtnerei viele Pflanzen selbst gezogen werden, hätte es bei weiterer Schließung nicht übers Herz gebracht, Pflanzen wegzuwerfen: "Ich hätte sie verschenkt, entweder an Plätze gestellt, damit sich die Leute bedienen können oder ins Altenheim gefahren. Das sind Pflanzen, das sind Lebewesen."

Stimmungstief im Lockdown

München

"Wir haben Platz genug sowie ein Hygienekonzept, und es gibt keinen Mangel an Ware."

Robert Baumer

Blumen kündigen in den Gärtnereien den Frühling an.
Ab Montag sind die Verkaufsflächen wieder offen. Abholstation und Lieferservice sind - wie hier in der Gärtnerei Ritschel - wieder passé.
Service:

Diese Geschäfte öffnen am 1. März

  • Friseure und körpernahe Dienstleistungen, wie Nagelstudio oder Fußpflege
  • Gärtnereien und Baumärkte
  • Blumenläden
  • Musikschulen im Einzelunterricht

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