16.07.2021 - 11:26 Uhr
OberviechtachOberpfalz

"Glücksfall für Oberviechtach": Max Zinnbauers Forschungen gewürdigt

Seit über 30 Jahren wälzt er Akten zur Oberviechtacher Geschichte. „Ich war besessen von der Archivarbeit!“, gesteht Maximilian Zinnbauer, als er im Rathaus seine beiden neuesten Werke vorstellt.

Nach der Präsentation der beiden neuen Quellenbände trafen sich die Teilnehmer der Buchvorstellung mit Max Zinnbauer und seiner Gattin Ellen (Bildmitte) zusammen mit Bürgermeister Rudolf Teplitzky (rechts) auf der Rathaustreppe.
von Georg LangProfil

„Das Lebenswerk, das Sie uns übergeben haben, ist ein Glücksfall für uns!“, lobte Bürgermeister Rudolf Teplitzky das Engagement von Maximilian Zinnbauer. Dieser war zusammen mit seiner Gattin Ellen und dem Mitarbeiter Wolfgang Klein nach Oberviechtach gekommen, um im Rathaussaal die Bände 18 und 19 „Amtsinhaber im Pflegamt Murach“ der sogenannten „Blauen Reihe“ vorzustellen. Zinnbauer erforscht seit mehr als drei Jahrzehnten die Geschichte von Haus Murach und Oberviechtach auf der Basis einer profunden Archivarbeit insbesondere im Hauptstaatsarchiv München. Zur Realisierung seines „Lebenswerks“ hat Zinnbauer auch eigene Mittel von beträchtlicher Höhe eingebracht.

„Transkription und Edition von Maximilian Josef Zinnbauer für die Stadt Oberviechtach“ heißt es im Untertitel der voluminösen Bände mit dem Titel „Die Pfleger, Pflegverwalter, Amtsrichter, Gerichtsschreiber und Ungelter im Pflegamt Murach von 1623 bis 1810“. Die besondere Leistung all dieser Quellenbände liegt darin, dass auf einer Seite die Urkunde im Original als Faksimile abgedruckt ist und unmittelbar daneben auf der nächsten Seite die Übertragung (Transkription) in die heutige Schrift erfolgt. Durch diese Publikationsform eignen sich die Bücher über den wissenschaftlichen Wert hinaus auch zur Lektüre für den interessierten Laien. Sie können aber auch Grundlage für Magister- und Doktorarbeiten sein.

Das Ende des Pflegamtes Murach bedeutete eine Zäsur

Oberviechtach

Die Oberviechtacher Orts- und Regionalgeschichte wird hier in einer Weise aufbereitet, die ihresgleichen sucht. Der hohe wissenschaftliche Wert wurde Maximilian Zinnbauer immer wieder von Fachleuten bestätigt, die er in seine Forschungsarbeit einbezog, beispielsweise Professor Dr. Peter Schmid und Dr. Emma Mages, der Bearbeiterin des Historischen Atlas von Oberviechtach.

Bei der Präsentation der beiden neuesten Bände im Rathaussaal bedankte sich Zinnbauer auch bei seinen aktuellen Mitarbeitern vor Ort, Christa Zapf, Wolfgang Ruhland, Willibald Wirnshofer, Paul Wallinger, Wolfgang Waldherr und Reiner Reisinger. Der in Germering wohnende Forscher, dessen Vorfahren einst in Nunzenried lebten, blendete auch auf den Beginn seiner archivalischen Aktivitäten vor mehr als 30 Jahren zurück, als er im Geschichtslehrer Georg Lang einen ersten Ansprechpartner in Oberviechtach gefunden hatte. Dieser hätte ihm seinerzeit den Tipp zu den Quellenpublikationen gegeben.

Die inhaltliche Präsentation der beiden neuen Quellenbände gestaltete sich für die Zuhörer zu einer interessanten Geschichtserzählung. Das Gerangel um das Amt des Pflegers auf Haus Murach ist nicht frei von Intrigen und Verleumdungen. Vielfach ist nicht einmal der Amtsinhaber selbst vor Ort, sondern nur ein Pflegverwalter. So einer ist Johann Georg Klement Ehrnlechner von Lehenberg. In seiner Erzählung bricht Max Zinnbauer eine Lanze für den seit 24 Jahren tätigen Pflegverwalter, der das in der Oberpfalz als minderwertig bekannte Pflegamt Obermurach in die Gewinnzone gebracht hat. Mit seiner straffen Verwaltung macht er sich zwar bei den Oberviechtacher Bürgern und den Bauern unbeliebt, aber ihm gelingt es, die Jahresbesoldung von 260 Gulden auf 1600 Gulden zu steigern.

Dieser Erfolg weckt Begehrlichkeiten bei Baron Friedrich Kasimir von Sazenhof, der den benachbarten Landsitz Fuchsberg besitzt. Die Familie von Sazenhof ist bankrott, verfügt aber über Beziehungen zum Kurfürstlichen Hof. Zinnbauers Quellensammlung macht auch deutlich, wie penibel damals schon, im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts, Rechtsstreitigkeiten abgehandelt wurden.

Hintergrund:

Das Pflegamt Obermurach

  • Aufgaben: Im Pflegamt wurden im Auftrag des Landesherrn Funktionen der Verwaltung, der Steuererhebung und der Gerichtsbarkeit ausgeübt. Auch militärische Aufgaben konnten anfallen.
  • Zuständigkeit: Das Zuständigkeitsgebiet des Pflegamts entsprach der einstigen Grafschaft Murach. Die Wurzeln gehen auf das 13. Jahrhundert zurück.
  • Ende:1803 erfolgte die Auflösung des Pflegamts und des Gerichts auf Haus Murach und die Angliederung dieses Bezirks an Neunburg vorm Wald. 1840 bekam Oberviechtach aber wieder ein eigenes Landgericht und 1900 ein eigenes Bezirksamt.

„Es war keine Arbeit, sondern mein Hobby.“



Maximilian Zinnbauer

Maximilian Zinnbauer

Das Pflegamt auf Haus Murach bestimmte über Jahrhunderte die Geschicke der Menschen in der Region. Daran erinnert die Figur des Amtsschreibers im Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseum.
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