Eine Erfassung möglichst aller Marterl und Kleindenkmäler im Altlandkreis Oberviechtach ist das Ziel von Kreisheimatpfleger Ludwig Berger. Aus diesem Anlass trafen sich Interessierte und Personen, die bei der Pflege von Kleindenkmälern schon Erfahrung haben, im Kulturzentrum in der Marktsmühle.
In einem ersten Schritt sollen sämtliche Marterl im Zuständigkeitsgebiet des Kreisheimatpflegers (Altlandkreis) erfasst werden. Der Standort, das Motiv und die Besitzverhältnisse (öffentlich/privat) sollen aufgenommen werden. Ludwig Berger machte eingangs deutlich, dass sein Vorgänger im Amt, Hubert Teplitzky, mit der Erarbeitung von vier Marterlwanderwegen schon wertvolle Vorarbeit geleistet habe. Bezirksheimatpfleger Tobias Appl begrüßt die Oberviechtacher Initiative. Im Vorfeld der gesamten Aktion hatte sich Ludwig Berger auf die Suche gemacht und hierbei unter Hinzuziehung von Ortskundigen mitunter „versteckte Marterl“ – manchmal verschüttet und unter Gestrüpp – entdeckt.
Der Vorsitzende des Oberpfälzer Waldvereins (OWV), Günther Flierl, verwies auf die Aktivitäten seiner Vereinigung auf dem Gebiet der Pflege von Kleindenkmälern. In der Marktgemeinde Winklarn existiert bereits eine ausführlichen Erfassung von Kleindenkmälern, die sich in einem von Annemarie Mösbauer vorgestellten Buch von 2004 niederschlägt. Die Winklarner Lehrerin hat an dieser Publikation mit detaillierten Angaben selbst mitgearbeitet. Bürgermeisterin Sonja Meier lobte die gesamte Initiative im Interesse einer „erhaltenswerten Kultur“.
Lisbeth Balk ging auf die Marterlpflege seitens des örtlichen Oberpfälzer Waldvereins im Raum Schönsee ein und nannte ganz konkret die Betreuung des Magdalenenkreuzwegs. Günther Zithier präsentierte in der Folge Bilder von 90 Marterln, die Ludwig Berger und Günther Flierl schon im Vorfeld erfasst hatten. Hierbei wurden aus dem Gaisthaler Raum überraschenderweise Objekte mit einem deutlichen Muschelrelief gezeigt, wobei ein Bezug zu einem Jakobsweg vermutet wurde. Ziel der gesamten Aktion sei aber insbesondere das Aufspüren von bisher nicht bekannten Kleindenkmälern, so Ludwig Berger. Oftmals seien beim Straßen- und Wegebau oder auch bei der Flurbereinigung Kleindenkmäler an einen neuen Standort gekommen. Günther Flierl nannte hierfür konkrete Beispiele.
Bei der angepeilten Erhaltung der Kleindenkmäler wird es auch um Finanzierungsmöglichkeiten gehen. Hierfür besteht noch Klärungsbedarf bei künftigen Zusammenkünften des Gremiums, das aber als eine „offene Runde anzusehen ist“, wie der Kreisheimatpfleger betonte. Weitere Mitarbeiter sind also willkommen.
„Marterl“ sind eigentlich Kreuze und Bildstöcke, die bei einem Unfall errichtet wurden oder wenn jemand durch ein Verbrechen zu Tode gekommen ist. Vielfach wird der Begriff aber auch als Synonym für Kleindenkmale allgemein benutzt. Die Arbeitsgruppe will alle Formen der Weg-, Flur-, Dorf- und Hofkreuze erfassen. Aber auch Bildstöcke, Sühnekreuze, Kreuzwege, Kreuzigungsgruppen, Totenbretter, Gedenksteine und Kapellen werden in die Erhebung mit einbezogen. (lg)














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