14.07.2019 - 10:11 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Das Maschinengewehr des Kabaretts

Martin Frank zündet ein Feuerwerk an Gags. Das Oberviechtacher Publikum lacht sich kaputt. Die Freunde der Kunst haben mit Frank das große Los gezogen.

Kabarettist Martin Frank erwies sich als Entertainer erster Güte und gönnte dem Oberviechtacher Publikum kaum Verschnaufpausen.
von Udo WeißProfil

"Selten so gelacht." Diese Aussage darf als großes Lob an den Kabarettisten Martin Frank gewertet werden. Immer wieder hörte man beim Auftritt von Frank in der Dreifachturnhalle des Ortenburg-Gymnasiums diesen Satz. Mit dem Senkrechtstarter ist es den "Freunden der Kunst" gelungen, einen ausgezeichneten Vertreter der Kabarettszene nach Oberviechtach zu bringen.

Mit einem "Warming up", das seinesgleichen sucht, begann der gebürtige Niederbayer sein Programm "Es kommt, wie's kommt". Frank wollte zu Beginn ausloten,, ob er "humortechnisch auf gleicher Länge mit dem Publikum liegt". "Sind Sie der Bürgermeister" fragte er Klaus Habl im Publikum. "Nein, der Eisenbarth", war die prompte Antwort Habls. Frank begrüßte ihn sowie weitere Gäste mit Handschlag. Nach seinem Warmlaufen folgte der "offizielle" Bühnenauftritt, begleitet von der Wassermusik von Georg Friedrich Händel und tosendem Applaus. Schließlich legte der 27-Jährige, der auf dem elterlichen Bauernhof mit der Oma aufgewachsen ist, richtig los. Vom ersten Augenblick an feuerte er wortgewandt Gags sowie seine Ansichten über Leute, bayrische Lebensweisen und die Welt im Allgemeinen wie ein Kanonenfeuer ab - ohne Punkt und Komma. Er wollte Opernsänger werden, aber im Mozarteum habe man ihn wegen fehlender Emotionen abgelehnt. Kein Wunder, ist Niederbayern doch "das Land der angeborenen Emotionslosigkeit".

"Schleimen" könne er auch nicht. Heute müsse man auch noch Smalltalk beherrschen, um erfolgreich zu sein. Eine Sinnkrise sei, wenn man sein Leben infrage stellt - also wenn man verheiratet ist, sagte Frank. Seine teils bissigen, aber stets lustigen Aussagen, die er in einem unglaublichen Redeschwall wie aus einem Maschinengewehr abfeuerte, entstammen dem Zeitgeist. Während er beim Brunch ein Brot mit Erdbeermarmelade seiner Oma isst, würden andere Avocadocreme und Quinoasamen bevorzugen, erklärte der Kabarettist. Für den "Obatzdn" gebe es bereits ein Reinheitsgebot, denn er sei vom Aussterben bedroht.

Einen Gag nach dem anderen feuerte Martin Frank. Dem Publikum gefiel’s. Sogar zum Mitschunkeln konnte er es animieren.

Publikum schunkelt

Wenn sich das Publikum vor Lachen bog und kreischte, folgte sofort die Ermahnung: "Seid's nicht so albern, das ist eine Kulturveranstaltung!" Darf man sich ohne Bachelor überhaupt aus dem Haus trauen, frage Frank. Er habe nicht studiert, nach seiner Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten sei er Standesbeamter geworden. Für die wichtigen Dinge brauche man kein Studium, denn "wenn man als Depp studiert, bleibt man ein Depp". Auf jeden Fall sei ihm der Sohn von zwei Arbeitern lieber als zwei Hochbegabte, die glauben, eine Hilti sei ein indonesisches Reisgericht. Trotz seines "massiven Sprachfehlers", dem bairischen Dialekt, sei er jedoch an der Schauspielschule München aufgenommen worden, verriet Frank. Geschickt baute er seine gut ausgebildete Stimme ins Programm ein und schmetterte klassische Melodien. Mit "Dunkelrote Rosen" brachte er das Publikum sogar zum Schunkeln. Immer wieder ließ er Sozialkritik einfließen, als er etwa die Leistung von Pflegekräften beschrieb oder die Wohnungssuche in München als "Witz des Jahrtausends" bezeichnete. "25 Quadratmeter kosten 1000 Euro, das ist bei uns in Hutthurm bei Passau gerade mal der Windfang", so der Kommentar des Nachwuchstalents.

Tosender Applaus

Nach mehr als zwei Stunden wurde der sympathische Kabarettist, der außer Mikrofon, seiner ausgebildeten Stimme und großer Leidenschaft für klassische Musik nichts braucht, um seine Zuschauer köstlich zu unterhalten, mit tosendem Applaus verabschiedet. Im Anschluss ließ er sich fotografieren und gab Autogramme.

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