08.07.2021 - 13:49 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Museumsverein Oberviechtach steht ohne Führung da

Jahrelang machte sich der Museumsverein Oberviechtach für einen Zwischenbau zwischen Museum und Archiv stark. Die Ablehnung der Stadtratsgremien hat für Frustration und Resignation gesorgt. Die Neuwahl in der Hauptversammlung scheitert.

Wilfried Neuber (links) erklärt bei einer Museumsführung anhand eines Modells und des Merianstichs den Aufbau des Marktes Oberviechtach und seiner Befestigung mit Mauer, Türmen und Graben. Wie es beim Museumsverein weitergeht, steht nach einer erfolglosen Neuwahl in den Sternen.
von Georg LangProfil

Mit einer stattlichen Bilanz wartete Wilfried Neuber bei der Jahresversammlung des Museumsvereins auf. Der Rückblick bezog sich coronabedingt auf einen Zeitraum von zwei Jahren. Eine Überraschung gab es für die 32 anwesenden Mitglieder beim Tagesordnungspunkt "Neuwahlen", als der Wahlausschuss unter Leitung von Bürgermeister Rudolf Teplitzky vergeblich nach Kandidaten für die Leitungsämter suchte. Die Mitglieder der bestehenden Vorstandschaft kandidierten nicht mehr, bleiben aber bis zur Anberaumung einer weiteren Mitgliederversammlung im Amt. Sollte auch bei dem Termin in etwa zwei Wochen keine Vorstandschaft zustande kommen, droht dem Museumsverein die Auflösung.

Den Verbindungsbau zum Museum hatte der Oberviechtacher Stadtrat im November 2020 abgeleht

Oberviechtach

Der Rückblick von Wilfried Neuber brachte die tiefe Enttäuschung von ihm und seinem Vorstandsteam über den nicht zustande gekommenen Zwischenbau zwischen Museum und Archiv zum Ausdruck. Auch 2020 habe es noch vier Besprechungen mit der Stadt gegeben, wo im Interesse der Barrierefreiheit, der Vernetzung von Museum und Archiv und der Organisation von Veranstaltungen das Ziel eines Zwischenbaus angestrebt wurde. „Wir haben als Bürger zu respektieren, was die von uns gewählte Vertretung beschließt, verstehen kann und muss man das nicht.“

Neubers Frustration und Resignation war in seinen Ausführungen spürbar, zumal der Verein mit seinem Vermögen von über 111 000 Euro sich kraftvoll an der Finanzierung des gewünschten Zwischenbaus beteiligt hätte. Der Vorsitzende machte auch klar, dass der Verein in den zurückliegenden Jahren namhafte Beträge in die Ausstattung des Hauses investierte. „Alle Beteiligten können durchaus stolz sein, der 2004 gegründete Museumsverein ist eine Erfolgsgeschichte“, resümiert Neuber und blendet sowohl auf den ehrenamtlichen Museumbetrieb als auch auf die Weiterentwicklung der Einrichtung. Der Verein zählt zurzeit 153 Mitglieder.

Zahlreiche Veranstaltungen im Jahr 2019 noch vor der Pandemie dokumentieren das breite kulturelle und gesellschaftliche Angebot des Museums: Workshop Filzen, Kunsthandwerkermarkt, Marktmühltag, Vorträge, Ausstellungen, Lesungen, Filmabend und zahlreiche museumspädagogische Angebote zählen dazu. Die Veranstaltungen und der ausschließliche Museumsbesuch bringen 5652 Besucher in das Haus.

Wilfried Neuber dankte seinem Vorstandsteam und allen Mitarbeitern, aber auch dem Beisitzergremium. Sein besonderer Dank galt Erika Odemer, aber auch der Familie Foißner, die seit 54 Jahren für „Engagement im Museum“ steht. Neubers Stellvertreterin Rita Foißner dankte ihrerseits dem scheidenden Vorsitzenden für seinen „Dienst an unserer Heimat“ und für sein „ausgleichendes Wirken“ innerhalb des Museumsteams. Beim Gedenken zu Beginn der Veranstaltung war unter anderem an Karl-Heinz Foißner erinnert worden, der von 1988 bis 2017 nahezu drei Jahrzehnte das Museum geleitet hatte. Bürgermeister Rudolf Teplitzky würdigte Neubers jahrzehntelange engagierte Museumsarbeit und dankte im Namen der Stadt. Die Veranstaltung endete aber mit der nicht geklärten Nachfolge bei der Vereinsführung.

Er sei schon überrascht gewesen, dass sich niemand gefunden habe, der den Museumsverein weiterführen wolle, so Bürgermeister Rudolf Teplitzky gegenüber Oberpfalz-Medien. Das Museum sei "wichtiger Kulturgeber für Oberviechtach", in den vergangenen Jahren sei hier viel geleistet worden. Er hoffe, dass es beim zweiten Anlauf gelinge, die Nachfolge zu regeln. "Das Ehrenamt ist wichtig für uns", so Teplitzky, es wäre schlimm, wenn sich der Verein auflösen müsste.

Das Museum werde es jedenfalls auch weiterhin geben. Ohne aktiven Verein müsste die Stadt beim Betrieb mehr in die Bresche springen. Erfreulich sei es jedenfalls, dass die Goldwäscher, Museumsführer und das Kassenpersonal weitermachten. Auch er – Teplitzky gehört als Bürgermeister der Vorstandschaft an – werde sein Amt weiter wahrnehmen.

In einem Video stellt "Doktor Eisenbarth" persönlich die Ausstellung im Museum vor

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Bericht über den Einzug des Stadtarchivs im neuen Gebäude

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„Mein jahrzehntelanges Engagement endet mit dieser bitteren Enttäuschung."

Wilfried Neuber, Vorsitzender des Museumsvereins

Wilfried Neuber, Vorsitzender des Museumsvereins

Bürgermeister Rudolf Teplitzky (links am Rednerpult) fand als Vorsitzender des Wahlausschusses keine Interessenten für eine Nachfolge in der Führungsriege des Museumsvereins (von links Wilfried Neuber, Rosi Zithier, Siegfried Bräuer, Ludwig Schießl).
Hintergrund:

Das Museums als Wissensvermittler

  • Hoher Stellenwert: Das Thema "Museumspädagogik", das von Siegfried Bräuer und Janette Ring betreut wird, nimmt in der Arbeit des Oberviechtacher Museums einen hohen Stellenwert ein.
  • Mit Schulen und Vereinen: Siegfried Bräuer verwies in seinem Bericht in der Jahresversammlung auf eine ausgeprägte Zusammenarbeit mit Schulen. Es wurde aber Chancen der Kooperation innerhalb des "Netzwerks Museums" gebildet, etwas mit dem Festspielverein oder der Internet-Plattform "Museum bildet".
  • Kein Stillstand in Pandemie: In der "Zeit des Innehaltens" arbeitete Bräuer sieben Lernmodule aus, die Lehrkräften und Erziehern den Weg zur Museumsarbeit ebnen sollen. Hierbei ist auch eine zukunftsorientierte Digitalisierung mit der Prämisse der Eigenaktivität der Jugendlichen mit einbezogen.

 

 

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