02.07.2021 - 14:03 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Zwanzig Umzugskartons pro Tag: Oberviechtacher Stadtarchiv füllt sich

Nichts hält länger als ein Provisorium. Diese Redewendung trifft auch auf das Oberviechtacher Stadtarchiv zu. Doch mittlerweile läuft der Einzug in den Neubau. Archivarin Christa Zapf freut sich über eine tatkräftige Unterstützung.

Christa Zapf sortiert und beschriftet im neuen Archivbüro die Fotos bedeutender Persönlichkeiten der Stadtgeschichte.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

So ziemlich die letzte Fuhre aus dem provisorischen Archiv-Depot im ehemaligen Telekomgebäude an der Nunzenrieder Straße ist mit der "Pflasterzoll-Kasse bis 1918" im Neubau angekommen. Archivarin Christa Zapf strahlt über das ganze Gesicht. Und sie ist voll des Lobes über die "fleißigen Buben vom Bauhof". Sie meint damit Manfred Ebnet und Hans Elsner, welche in den zurückliegenden Wochen Regale und Schränke aufbauten und auch den Transport unzähliger Umzugskartons und Kisten stemmten. "Alleine hätte ich das nicht geschafft", meint die zierliche Stadträtin, die seit 2007 offiziell als Archivarin bestellt ist, aber schon ihrem Vorgänger Fritz Schießl zuarbeitete.

Im 2013/14 vorübergehend eingerichteten Ausweichquartier fanden die Archivunterlagen vor den Abbrucharbeiten vom "Haus der Bäuerin" einen beengten - und auch im Hinblick auf die klimatischen Verhältnisse wenig günstigen Platz. Dies wurde umso deutlicher, als sich der Neubau im Mühlweg über Jahre hinzog. Doch seit dem Frühjahr füllen sich nun die Rollregale und Schränke. Christa Zapf säubert die Unterlagen mit Besen und Lappen, bevor sie diese in die Umzugskartons räumt und rund 20 pro Tag für das Bauhof-Team bereitstellt. Im Neubau unterstützen Hubwagen und Aufzug beim Transport auf Ebene zwei oder drei.

Platz auf 500 laufenden Metern

Neben den Unterlagen ist auch Christa Zapf im neuen Stadtarchiv angekommen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Bürostuhl und PC noch immer fehlen. So pendelt sie nach wie vor zwischen Rathaus und Archiv und freut sich, dass die Arbeit gut vorangeht. "Über den Plan fürs Einräumen hab ich nächtelang gegrübelt", gibt sie lachend zu. Doch jetzt präsentiert sie freudestrahlend, wie sich die Regale und Schränke füllen.

Das Archivgut kann auf 500 laufenden Metern ordnungsgemäß untergebracht und für nachfolgende Generationen erhalten werden. Während die kommunalen Akten im praktischen Rollregal-System stehen, sind die offenen Regale gegenüber als "heimatkundliche Abteilung" überschrieben. Hier findet beispielsweise die Heimatzeitung eine Platz: In je einem Karton lagert ein halbes Jahr der "Grenz-Warte". Im Karteikasten finden sich Sterbebilder ab dem Jahr 1885. Einige Meter nehmen die Bezirksamtsblätter ab 1863 ein, beginnend vom Bezirksamt Neunburg über das Bezirksamt Oberviechtach (ab 1901), das Amtsblatt für den Landkreis Oberviechtach sowie nachfolgend für den Landkreis Schwandorf sowie auch für den Regierungsbezirk Oberpfalz.

Auch die bayerischen Verordnungsblätter in gebunden Büchern musste Christa Zapf vor dem Umzug erst gut reinigen: Zuerst hat sie mit einem Besen die Spinnweben entfernt und dann die Exponate mit einem Lappen gereinigt. "Ich hab jeden Tag Hände voller Dreck und Speck", sagt sie achselzuckend. Auf dem Tisch liegt auch eine spezielle Staubmaske, die sie beim Ausräumen des Depots aufsetzt.

Auch Schule und Rathauskeller

Als nächstes folgt der Umzug der im Rathauskeller gelagerten Akten. In den Sommerferien will Christa Zapf das Archiv der Doktor-Eisenbarth-Schule übernehmen. "Es macht Spaß", meint sie angesichts einem Stapel Fotos von Oberviechtacher Persönlichkeiten, die schon auf dem neuen Schreibtisch darauf warten sortiert und beschriftet zu werden. Langsam kommt sie der Idealvorstellung eines ordentlich geführten Archivs näher. Dann kann sie sich auch wieder ihrer eigentlichen Aufgabe widmen: Ein Karton alter Urkunden aus dem 17. und 18. Jahrhundert wartet darauf, umgeschrieben zu werden. Sie freut sich darauf, wenn ab Herbst auch der geräumige Pädagogikraum mit Medienwand und Sitzgelegenheiten, der sich mittels Raumteiler an das Archiv-Büro anschließt, fertig ist. Dann können Besuchergruppen und Schulklassen in die Stadtgeschichte eintauchen und sich auf eine spannende Reise in die Vergangenheit einlassen. Für die Bürger gibt es das Angebot, nach telefonischer Anmeldung in den Unterlagen zu blättern.

Übrigens: Anfang April fand die kirchliche Segnung des Neubaus im kleinen Kreis statt. Sobald es die Corona-Pandemie zulässt, soll es einen "Tag der offenen Tür" geben.

So sah es im ausgelagerten Stadtarchiv Oberviechtach aus

Oberviechtach

Die kirchliche Segnung des Stadtarchivs Oberviechtach

Oberviechtach

"Über den Plan fürs Einräumen hab ich nächtelang gegrübelt."

Archivarin Christa Zapf

 

 

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