21.04.2021 - 17:53 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Neue Sichtachse an der Oberviechtacher Stadteinfahrt

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Jetzt ist es soweit: Die Bagger knabbern das ehemalige AOK-Gebäude Stück für Stück weg. Es entsteht dabei nicht nur eine neue Sichtachse bei der Stadteinfahrt, sondern auch Platz für den geplanten Staatsstraßen-Kreisverkehr

Die Tage des AOK-Hauses an der Kreuzung der Staatsstraßen 2159/2398 und der Straße „Am Schießanger“ sind gezählt. Am Mittwoch knabberte der Bagger bereits einiges weg. Für einen Kreisverkehr an dieser Stelle läuft aktuell ein Bebauungsplanverfahren der Stadt.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Fast sieben Jahre lang war das ehemalige AOK-Gebäude nach Umzug der Gesundheitskasse im Juli 2014 ein Leerstand. Nun fällt das einstige stolze Haus dem Bagger zum Opfer. Und auch das Sgraffito am Giebel, welches an Pfarrer von Miller erinnert, verschwindet in dieser Form.

Die Angebote von Abbruchunternehmen lagen bereits im Oktober 2020 im Rathaus vor. Eigentlich sollte die Maßnahme auch noch im Vorjahr über die Bühne gehen, aber der frühe Wintereinbruch war ein Grund für die Verzögerung. Doch jetzt hat das Abbruchunternehmen Achhammer Position bezogen. Nach der Sparkasse und einem Leerstand in der Schönseer Straße geht es jetzt mit voller Power beim Anwesen "Am Schießanger 1" weiter. In wenigen Tagen wird hier nur noch ein Steinhaufen an das Haus erinnern und sich am Treffpunkt der beiden Staatsstraßen 2398 und 2159 eine komplett neue Sichtachse ergeben. Die Ein- und Ausfahrt über die Straße "Am Schießanger" zum neuen Baugebiet "Wohnen an der alten Weberei" sowie dem Alten- und Pflegeheim profitiert von den besseren Sichtverhältnissen. Falls das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach den geplanten Kreisverkehr verwirklicht, können sich alle Verkehrsteilnehmer über mehr Sicherheit freuen.

Stadt kauft Gebäude

Seit vielen Jahren strebt die Stadt Oberviechtach eine Verbesserung der Verkehrssituation an dieser Stelle an. Als sich die AOK-Gesundheitskasse dazu entschied, in den Stiftungsneubau am Marktplatz zu ziehen, sprach sich der Stadtrat mit Bürgermeister Heinz Weigl im Jahr 2014 dazu aus, den künftigen Leerstand zu erwerben und abzureißen. Vom Straßenbauamt Amberg liegt die Zusage vor, beim Bau des Kreisverkehrs die Kosten des Abbruchs zu übernehmen. Diese Straßenbaumaßnahme wollte das Staatliche Straßenbauamt Amberg-Sulzbach eigentlich schon ab 2015 verwirklichen. Doch Grundstücksangelegenheiten verzögerten das Vorhaben immer wieder. Im Sommer 2018 ließ sich das Staatliche Bauamt die Entfernung von drei Bergahorn, einer Roteiche und eines Ahornbaums vom städtischen Bauausschuss genehmigen. 2019 leitete die Stadt ein Bebauungsplanverfahren ein, welches noch läuft.

Mit dem beschlossenen Abbruch stand auch das Aus für das Sgraffito an der Giebelfassade fest, was immer wieder zu Diskussionen führte. Nachdem ein Erhalt zu kostspielig wäre, wird davon ein "Foto-Denkmal" angefertigt. Kreisheimatpfleger Ludwig Berger freut sich, dass zusammen mit Bürgermeister Rudolf Teplitzky eine Lösung gefunden werden konnte, diesen Teil der Stadtgeschichte für die Nachwelt zu erhalten. Dafür wurde die Fassade fotografiert und vermessen.

Artikel über das Sgraffito am ehemaligen AOK-Haus in Oberviechtach

Oberviechtach

Bekannter Oberviechtacher

Das Sgraffito entstand im Jahr 1956 als sogenannte Putz-Kratz-Technik auf mehreren übereinanderliegenden Schichten an der Giebelseite. Mittlerweile sind die Farben zwar verblasst, doch ein Blickfang ist die dargestellte Szene noch immer. Im Mittelpunkt steht Florian Sigismund Maximilian von Miller, 15 Jahre lang Pfarrherr in Oberviechtach und Anführer der Oberpfälzer Rebellen im sogenannten Bauernaufstand im Jahr 1705/06. Das Sgraffito zeigt ihn an der Spitze des aufbegehrenden Volkes.

Der Abbruch startete am 20. April.
Hintergrund:

Der lange Weg zum Kreisverkehr

  • 2014: Die Stadt erwirbt das AOK-Gebäude an der Einmündung der Staatsstraße 2398 in die 2159 als ersten Schritt in Richtung Kreisverkehr. Im Februar 2015 prüft der Planungsausschuss des Staatlichen Bauamts Amberg-Sulzbach die Errichtung eines Kreisverkehrs. Grundstücksgespräche laufen an.
  • Sommer 2018: Der Bauausschuss der Stadt genehmigt den Antrag des Staatlichen Bauamtes Amberg-Sulzbach auf Entfernung von drei Bergahorn, einer Roteiche und eines Ahornbaums. Der Erwerb von benötigten Flächen gestaltet sich schwierig.
  • Die Stadt nimmt das Heft in die Hand und stellt im September 2019 einstimmig einen Bebauungsplan auf. Im Frühjahr 2021 startet die erste Beteiligungsrunde.
  • Im Oktober 2020 liegen erste Angebote von Abbruchunternehmen im Rathaus vor. Die Bagger rücken am 20. April 2021 an.
  • Vom Sgraffito aus dem Jahr 1956 über den Bauernaufstand mit Pfarrer von Miller wird ein "Foto-Denkmal" angefertigt. Dieses wird künftig an den Anführer der Oberpfälzer Rebellen beim "Bauernaufstand" im Jahr 1705/06 erinnern.

 

 

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