14.02.2021 - 11:15 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Nikolai Welnhofer aus Oberviechtach hält dem Tanzsport trotz Corona die Stange

Rumba auf dem Teppichboden, Jive in der Duschkabine. Tanzsport und Corona, das ist kein gutes Paar. Nikolai Welnhofer aus Oberviechtach aber gibt nicht auf und trainiert auch online.

Intensiv hat Nikolai Welnhofer im vergangenen Jahr mit Tanzpartnerin Polly Pilz für die Bayerische Meisterschaft trainiert, jetzt gibt es ein Training nur online.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Der Oberviechtacher Tänzer Nikolai Welnhofer hatte vor einem Jahr gerade erst eine neue Partnerin für die nächste Serie an Turnieren gefunden, als Corona die Pläne durcheinanderwirbelte. "Die Deutsche Meisterschaft konnte unter Auflagen noch stattfinden," berichtet der 33-Jährige, der nicht nur in der Faschingssaison das Tanzbein schwingt, "die Bayerische Meisterschaft sollte eine Woche später über die Bühne gehen, wegen Corona musste sie aber abgesagt werden." Seither liegen alle Träume von einem Meistertitel oder einem Aufstieg in die nächste Tanzsport-Klasse auf Eis.

"Die Motivation ist im Keller, aber ich gebe nicht auf", sagt der Oberviechtacher, der schon als Jugendlicher mit spöttischen Kommentaren zu seinem Hobby fertigwerden musste. Dafür durfte er dann beim Faschingsball in der Heimatstadt die attraktivsten Frauen im Arm halten. Um im Tanzsport weiterzukommen, muss der 33-Jährige aber inzwischen in die Ferne schweifen. Auf dem Weg zu möglichst größter Präzision fährt er regelmäßig 200 Kilometer zum Training in der B-Klasse "Latein" nach München – wenn nicht gerade eine Pandemie jeglichen Kontakt blockiert.

"Die Strecke nehme ich in Kauf, weil mir das Tanzen einfach Spaß macht, weil hier mein Herz liegt", sagt Welnhofer, der sich schon lange den lateinamerikanischen Tänzen verschrieben hat. In den vergangenen Jahren hatte er mit Coletta Braun beim TC Blau-Gold Regensburg trainiert, bis ein beruflicher Wechsel das Aus für diese Partnerschaft brachte. Der Vermessungstechniker ließ sich dadurch nicht entmutigen und landete beim TTC München, wo bis vor einigen Wochen Polly Pilz mit ihm die Feinheiten für Rumba oder Cha-Cha-Cha proben konnte.

Voller Ehrgeiz hatte sich das neue Paar aufs Parkett gestürzt und zusätzlich zu den bewährten Tipps von Trainer Rudi Gabron auch noch den Rat von Profitänzerin Oxana Lebedew eingeholt, die als Star bei der Tanzshow "Let's dance" dabei war. Doch jetzt sind alle Sportstätten dicht. "Wir dürfen in keine Halle", bedauert der 33-Jährige, dessen Gruppentraining nun via Bildschirm stattfindet. "Unser Trainer redet dabei praktisch mit der Wand, er sieht uns gar nicht", bedauert Welnhofer. In Socken steht er in seinem Arbeitszimmer in Oberviechtach auf dem Teppichboden und versucht, die Bewegungsabläufe auf dem Monitor nachzuahmen, die der Trainer vorstellt. "Gottseidank habe ich keinen Hochflor-Teppich", scherzt Welnhofer. Nach der Online-Trainingseinheit bleibt noch Zeit für ein paar Fragen, doch am Solo-Tanz führt kein Weg vorbei. Die Lust auf tänzerische Bewegung könne so zumindest "im reduzierten Rahmen befriedigt werden", meint der Trainer Gabron: "Jedes Training ist besser als kein Training."

Und so ging Tanzen ohne Corona

"Da kommt man auf die verrücktesten Ideen", gesteht Nikolai Welnhofer, der schon mal beim Einkaufen im Supermarkt eine Drehung in die übliche Choreografie einbaut oder in der engen Duschkabine in seiner Wohnung einen Jive hinlegt. "Gerade für diesen Tanz sind beengte Verhältnisse beim Üben gar nicht so schlecht", hat er festgestellt. Im Kampf gegen trostlose Aussichten motivieren sich die Tänzer gegenseitig mit Videos. "Da braucht man viel Phantasie, aber man wird durch die Pandemie auch kreativ und lässt sich etwas einfallen." Doch auch ihm ist klar: "Die Kondition leidet, dass lässt sich nicht durch ein Lauftraining auffangen."

"Mehr als im ersten Lockdown im Frühjahr kann ich bei den Tänzern eine schwindende Motivation feststellen", sagt Trainer Gabron fest und begründet das mit fehlenden Perspektiven. Theoretisch stünde jetzt für das Paar Welnhofer /Pilz Ostern ein Turnier in Berlin auf dem Plan, dann käme im Mai "Hessen tanzt", und dann? Die Hoffnung, bald wieder seinen Lieblingstanz "Paso doble" vorzuführen, hat der 33-jährige Oberviechtacher noch nicht aufgegeben. Und nur zu gern würde er der Jury zeigen, wie er "mehr Volumen" in eine Rumba bringt. Wie soll das gehen? Um das zu demonstrieren, steht der Tänzer mitten im Gespräch mit Oberpfalz-Medien mal kurz auf, breitet die Arme zum Vergleich eine Spur breiter aus für die unsichtbare Partnerin und lässt den Hüftschwung noch ein wenig intensiver ausfallen.

"Jedes Training ist besser als kein Training."

Tanztrainer Rudi Grabon

Tanztrainer Rudi Grabon

Hintergrund:

Turniertanz mit Hüftschwung

Wer im Tanzsport ganz nach oben will, kann dies über eine Reihe von Turnieren erreichen. Was die Tänze betrifft, gibt es ganz klare Vorgaben.

  • Lateinamerikanische Tänze (Kurzform "Latein"): Dazu gehören folgende fünf Gesellschafts- und Turniertänze: Samba, Cha-Cha-Cha, Rumba, Paso Doble und Jive. Zusammen mit den Standardtänzen bilden sie einen Großteil des Welttanzprogramms.
  • Turniertanz: Der Wettkampf ist in verschiedene Altersgruppen und Leistungsklassen unterteilt. Jedes Paar beginnt in der D-Klasse, in der nur Cha-Cha-Cha, Rumba und Jive getanzt werden. Nach und nach kann ein Paar Aufstiegspunkte sammeln und in der jeweiligen Altersgruppe über die C-, B- und A-Klasse in die Sonderklasse (S-Klasse), die höchste Amateurtanzsportklasse, aufrücken. Organisatorische Einheit ist der Deutsche Tanzsportverband.
  • Technik: Bei lateinamerikanischen Tänzen geht es vor allem um die Kommunikation zwischen den Partnern. Schnelle Drehungen und ein Wechsel zwischen ruhigeren und flotteren Bewegungen sind charakteristisch. Im Gegensatz zu den Standardtänzen mit sehr enger Grundhaltung, stehen die Partner weiter auseinander. Bis auf den Paso Doble gibt es bei alle lateinamerikanischen Tänzen deutliche Hüftbewegungen.
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