20.08.2019 - 15:21 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Noch keine Pächter in Sicht

"Bitte sind sie nett zu unserem Personal. Es ist schwieriger, gute Mitarbeiter zu bekommen als Gäste": Über diesen Hinweis in einem Lokal können Vermieter und Gastronomen eher nicht lachen. Soldatenheim und "MP 12" passen in dieses Bild.

Zwei Jahre dauerte der Umbau des Soldatenheims und noch einmal eineinhalb Jahre die Suche nach einem Pächter. Im Januar 2017 konnte mit einer neuen Mannschaft endlich eröffnet werden. Doch der Wirt warf zum Jahresende 2018 das Handtuch. Die Suche nach einem Nachfolger blieb bisher ohne Erfolg.
von Georg Köppl Kontakt Profil

"Die Dr.-Max- und Margret-Schwarz-Stiftung, zivilrechtlich vertreten durch die Stadt Oberviechtach, sucht zum nächstmöglichen Termin einen neuen Mieter für die Immobilie Marktplatz 12": Seit dem 23. Mai 2018 gibt es diese Stellenanzeige. Gebracht hat sie bis dato nichts. Dabei bietet das "Eisenbarth's" baulich und optisch gute Konditionen. Im Jahre 2007 grundlegend erneuert und für die Bedürfnisse einer gehobenen gastronomischen Nutzung umgebaut, liegt es günstig im Zentrum der Altstadt und der vorgelagerte Marktplatz lässt sich gut für die Außenbewirtschaftung nutzen.

Dass sich hier eine Gastronomie auch publikumsträchtig umsetzen lässt, hat zuletzt die Familie Hanauer bewiesen, die mit einem attraktiven Angebot einen beliebten Treffpunkt für jung und alt und für viele Gäste auf dem Marktplatz geschaffen hat. Als Hildegard, Alexandra und Gerd Hanauer dann die Chance nutzten, zum 1. Dezember 2017 in Nabburg das "Dali" zu übernehmen, waren die Tage des "MP 12" gezählt. Am 24. 2018 März war das Lokal zum letzten Mal geöffnet, seither "bereichert" es die Leerstände. Die ehrliche Absicht, weiterhin auch in Oberviechtach zu bleiben, habe sich aus verschiedenen Gründen zerschlagen. Ein gewichtiger Faktor war, dass es einfach an ausreichenden Fachkräften fehlte.

Kaum Personal zu finden

Heuer im Frühjahr hatte es einmal den Anschein, als wäre ein neuer Pächter für das "MP 12" gefunden. Als es "ernst" wurde, hat sich das Ganze allerdings wieder zerschlagen. "Es will fast niemand mehr in der Gastronomie arbeiten", resümiert Bürgermeister Heinz Weigl und bedauert, dass sich für das Lokal kein Pächter finden lässt. Und das, obwohl neben den äußerlichen Konditionen dem Vernehmen nach auch die finanziellen "passen". "Vielleicht kommen konjunkturell wieder andere Zeiten, in denen die Leute auch wieder lieber in der Gastronomie arbeiten", hofft der Bürgermeister.

"Angestellte zu finden und zu halten ist derzeit die größte Herausforderung", haben laut einem Bericht des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) fast 70 Prozent seiner Mitglieder angegeben. Das führe dazu, dass Betriebe keinen Pächter mehr finden und zu Betriebsschließungen und -beeinträchtigungen. Zuweilen auch zu Existenznöten durch fehlende Köche, Kellner und Bedienungen. Köche nähmen lieber einen Job in einer Kantine an als in einem Restaurant, da eine Kantine planbarer und stressfreier sei. Hinzu kämen unattraktive Arbeitszeiten mit nicht vorhersehbaren Spitzenbelastungen vor allem auch abends und an den Wochenenden.

Christian Wolf, Bezirksgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA), weiß um die Problematik: "Der Personalmangel brennt vielen auf den Nägeln. Rund 70 Prozent aller Betriebe in Gastronomie und Hotellerie haben Probleme, offene Stellen zu besetzen".

Ein weiterer Leerstand, der dem schwindenden gastronomischen Anspruch der 5 000-Einwohner-Stadt Oberviechtach weht tut, ist das Soldatenheim "Emil-Kemmer-Haus". Dafür zuständig ist die "Katholische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung" (KAS) mit Sitz in Berlin. Die Suche nach einem Nachfolger für den bisherigen Pächter läuft bereits seit November 2018. Der hat zum Jahresende 2018 das Handtuch geworfen und seither stehen die Gäste vor verschlossenen Türen.

"Das Emil-Kemmer-Haus ist als Soldatenheim eine Begegnungsstätte für die Soldatinnen und Soldaten des Standorts und der Zivilbevölkerung. Gesucht wird ein Gastro-Profi oder ein Paar mit Affinität zur frischen regionalen bayerischen Küche, serviceorientiert mit Blick für das Wesentliche. Erfahrungen im a-la-carte-, Bankett- und Veranstaltungsmanagement sind erwünscht", heißt es in der Anzeige. Sogar eine Pächterwohnung ist vorhanden.

Ausschreibung läuft noch

"Die Ausschreibung ist noch aktuell und läuft weiter", ließ ein Sprecher der "Katholischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung" (KAS) auf Anfrage von Oberpfalz-Medien wissen. Dem Vernehmen nach gebe es auch Bewerbungen. Wie lange das Verfahren noch offen ist und wann es zu einer Entscheidung kommt, sei derzeit nicht absehbar.

Das "MP 12" liegt direkt im Zentrum der Altstadt und auf dem Marktplatz kann auch bewirtet werden. Trotzdem steht die Gastronomie seit 25. März 2018 leer. Niemand will die Nachfolge der Familie Hanauer antreten, die im Dezember 2017 ins "Dali" nach Nabburg gewechselt ist.

Der Personalmangel brennt vielen auf den Nägeln. Rund 70 Prozent aller Betriebe in Gastronomie und Hotellerie haben Probleme, offene Stellen zu besetzen.

DEHOGA-Bezirksgeschäftsführer Christian Wolf

DEHOGA-Bezirksgeschäftsführer Christian Wolf

"Katholische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung" (KAS) ist TRäger des Soldatenheims:

"Wir haben natürlich auch als Stadt ein großes Interesse daran, dass der Betrieb weiterläuft", sagt Bürgermeister Heinz Weigl. Allerdings liegt dies nicht im Zuständigkeitsbereich der Stadt. Der Träger des Hauses ist die "Katholische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung" (KAS) mit Sitz in Berlin.

Die KAS ist übrigens ein gemeinnütziger katholischer Verein, der sich seit 1956 in der außerdienstlichen Freizeitbetreuung der Soldaten der Bundeswehr engagiert. Soldatenheime sind in der Regel Restaurants mit Freizeiteinrichtungen und Treffpunkte für Bundeswehrangehörige und Zivilbevölkerung. Mittlerweile existieren in ganz Deutschland nur noch sechs derartige Einrichtungen. Das Soldatenheim "Emil-Kemmer-Haus" Oberviechtach wurde im Dezember 1966 eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. In den Jahren zwischen 1995 und 2005 gab die KAS insgesamt 1,3 Millionen Euro für Unterhalts- und Verschönerungsmaßnahmen aus. Eine Komplettsanierung und Modernisierung des gesamten Objekts mit einem Kostenaufwand von über 2,8 Millionen Euro folgte in den Jahren 2014 und 2015. Die Eröffnung war für April 2015 gedacht. Doch nach dem Rückzug des Pächters Thomas Gundlach sollte es noch weitere eineinhalb Jahre dauern, bis ein Nachfolger gefunden war. Beim Neujahrsempfang von Stadt und Panzergrenadierbataillon 122 wurde im Januar 2017 die Wiedereröffnung unter Geschäftsführer Michael Stovicek und seinem Küchenchef Frantisek Adamek gefeiert.

Damals ahnte wohl niemand, dass diese "Ära" bereits zum Jahresende 2018 schon wieder vorbei sein sollte. Übrigens: Die Stadthalle in Roding-Haus Ostmark wird als Soldatenheim ebenfalls von der KAS betreut. In der Nachfolge des bisherigen Pächterehepaar suchte die KAS dort seit Herbst 2018 nach einem neuen Gastro-Profi. Hier konnte nun Ende Juli ein Pachtvertrag mit einer neuen Pächterin unterzeichnet werden. Pachtbeginn ist zum 1. September, der "Regelbetrieb" soll zum 17. Oktober starten. (kö)

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