14.01.2021 - 18:57 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Oberviechtacher Ukrainehilfe durch Pandemie ausgebremst

Die Corona-Pandemie hat sämtliche Pläne des Vereins "Humanitäre Hilfe für die Ukraine aus Bayern" über den Haufen geworfen. Weder im Frühjahr noch im Herbst war ein Hilfstransport möglich. Ins Land hätten die Güter ohnehin nicht gedurft.

Rückblick ins Jahr 2019, als die Transporte der Ukrainehilfe noch ohne weiteres möglich waren. Unter Aufsicht des Vorsitzenden Anton Grauvogl (rechts) beladen Helfer den Lkw für den nächsten Konvoi nach Rivne.
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Die Hilfsbereitschaft aus der Oberpfalz ist im vergangenen Jahr durch die Pandemie ausgebremst worden. "Es ist alles ins Wasser gefallen, es ist nichts gegangen", schildert Anton Grauvogl, Vorsitzender des Vereins "Humanitäre Hilfe für die Ukraine aus Bayern", gegenüber Oberpfalz-Medien. Kein Hilfstransport konnte auf die 1700 Kilometer lange Reise in die Stadt Rivne geschickt werden.

Vor einem Jahr noch hatten Grauvogl und seine Mitstreiter der "Ukrainehilfe", wie der Verein auch genannt wird, hoffnungsvoll in die Zukunft geblickt. Die Jahreshauptversammlung Mitte Januar 2019 drehte sich zum Großteil um die Vorbereitung des nächsten Hilfstransports, der für Ende April/Anfang Mai geplant war. Hilfsgüter hätten unter anderem an ein Waisenhaus, eine Entbindungsstation und mehrere Krankenhäuser verteilt werden sollen.

Bericht über den letzten Hilfstransport in die Ukraine

Schönsee

Doch dann stoppte das Coronavirus sämtliche Aktivitäten. Aus dem für das Frühjahr geplanten Transport wurde nichts, und eine für Herbst anvisierte Hilfslieferung bremsten der Zoll und die Regierung in der Ukraine aus. "Es ist aktuell nicht erlaubt, Hilfsgüter ins Land einzuführen", beschreibt Anton Grauvogl die Situation. Bei den Gütern handelt es sich zum Großteil um medizinisches Gerät – "und in der Ukraine hatten sie Angst, dass die Krankenhaus-Artikel mit dem Coronavirus kontaminiert sein könnten".

Dolmetscherin Elena Petriv, mit der die Ukrainehilfe seit 30 Jahren zusammenarbeitet, habe sich wochenlang bemüht, um eine Einfuhrerlaubnis zu erhalten – jedoch ohne Erfolg. "Der Transport bis zur Grenze wäre wohl kein Problem gewesen", glaubt Grauvogl, doch in Rivne hätte der Zoll den Lkw nicht bearbeitet und abgefertigt. "Der hätte samt Ladung stehen bleiben müssen, und das hätten wir uns finanziell nicht leisten können." Diesem Risiko wollte sich der Verein nicht aussetzen.

Ein neuer Versuch für einen Hilfstransport war heuer im Februar oder März angedacht. Allerdings habe die Dolmetscherin berichtet, dass die Rate an Corona-Infektionen in der Ukraine nach wie vor sehr hoch sei und eine Lieferung nicht möglich mache. Auch Elena Petriv und ihr Mann hatten sich mit dem Virus infiziert – "sie haben es aber mittlerweile überstanden", weiß Anton Grauvogl.

"Unsere Lager sind gesteckt voll mit Hilfsgütern."

Anton Grauvogl, Vorsitzender der Ukrainehilfe

Anton Grauvogl, Vorsitzender der Ukrainehilfe

Nun hoffen die Mitglieder des Hilfsvereins, dass sich die Lage in der Ukraine soweit stabilisiert, dass der Hilfstransport im April oder Mai rollen kann. Dann soll sogar mit zwei Lkw gefahren werden, denn "unsere Lager sind gesteckt voll mit Hilfsgütern", erzählt der Vorsitzende. Mittlerweile mussten bereits zusätzliche Räumlichkeiten in Cham angemietet werden. Einen weiteren Lagerraum hat auch die Firma Irlbacher Blickpunkt Glas aus Schönsee dem Verein zur Verfügung gestellt. Das Unternehmen lässt dem Verein schon seit Jahren unentgeltlich Hilfsgüter in einer Halle einlagern. "Für diese Unterstützung sind wir sehr dankbar", bringt es Anton Grauvogl zum Ausdruck.

Der Lagerbestand an Hilfsgütern umfasst vor allem medizinisches Equipment: Über 35 Krankenbetten, Ultraschallgeräte, Gehhilfen, Rollatoren und Rollatoren sowie Ultraschallgeräte zählt der Vorsitzende auf. Aber auch Kleidung, Kindersachen und Spielzeug werden die Helfer beim nächsten Transport mitbringen können. Die Ausrüstung stellten die Krankenhäuser aus Oberviechtach und Roding, die Rummelsberg-Kliniken in Altdorf sowie Arztpraxen aus der Region zur Verfügung. Damit sollen beim nächstmöglichen Hilfskonvoi drei Krankenhäuser, eine Sozialstation und ein Kinderheim ausgerüstet werden.

Tonnenweise Hilfsgüter haben die Aktivisten der "Humanitären Hilfe für die Ukraine aus Bayern" bei ihren Fahrten im Gepäck. Das Foto entstand beim Ausladen vor einem Obdachlosenheim in Rivne.
Hintergrund:

Ukrainehilfe brechen Einnahmen weg

  • Keine Aktionen: Weder der Verkaufsstand beim Großen Frauentag in Stadlern noch die Beteiligung beim Seefest in Schönsee war den Mitgliedern der Ukrainehilfe im Vorjahr möglich. Beide Veranstaltungen waren der Pandemie zum Opfer gefallen und abgesagt worden.
  • Finanzieller Grundstock: Die Einnahme aus diesen Aktionen bildeten stets die finanzielle Basis für den Hilfstransport in die Ukraine. 2019 war auf diesem Wege eine Summe von 3600 Euro zusammengekommen.
  • Verbleibende Einnahmen: Lediglich die Mitgliedsbeiträge brachten laut Aussage des Vorsitzenden Anton Grauvogl im Vorjahr Geld in die Vereinskasse.
  • Spenden willkommen: Unterstützt werden kann die Arbeit der Ukrainehilfe mit Spenden. Bankverbindung: Sparkasse im Landkreis Schwandorf; Iban: DE98 750 510 400 290 428 036

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