14.03.2021 - 16:37 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Regionaler Einkauf im Hofladen boomt

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Kartoffeln aus Chile oder doch lieber regionales Gemüse? In der Corona-Pandemie boomen Bioprodukte und Hofläden, da immer mehr Wert auf die Herkunft der Lebensmittel gelegt wird. Dies bemerken auch Anbieter in Oberviechtach und Schönsee.

In der Backstube zieht Emma Grosser die vorbereiteten Küchel dünn aus. Nachdem in der Corona-Pandemie keine Märkte stattfinden, ist die Produktion von Schmalzgebäck deutlich zurückgegangen.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

„Die Leute haben Lust darauf“, sagt Katharina Grundler (30), als sie das Sortiment ihres Hofladens auf dem elterlichen Bauernhof in Laub (Gemeinde Schönsee) vorstellt. Auch wenn derzeit keine Märkte stattfinden, duftet es von der angrenzenden Backstube verführerisch herüber. Mutter Emma Grosser bäckt gerade Küchel nach Vorbestellung. Vater Baptist ist Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft „land&gut“. Hier haben sich vor rund 25 Jahren Anbieter aus dem Schönseer Land zusammengeschlossen, um ihre Produkte gemeinsam regional zu vermarkten. Mittlerweile zählt der Verein 34 Mitglieder, die bis aus den Nachbarlandkreisen Neustadt/WN und Cham sowie aus der Gegend um Nabburg kommen. „Frisch und aus der Region“ lautet das Motto. Alles wird dabei weitestgehend selbst produziert oder verarbeitet, häufig auch mit Lebensmitteln aus dem eigenen Garten, aus Wald und Flur.

„An den Gewürzen merkt man, dass die Leute mehr kochen“, stellt Maria Höcherl vom Oberviechtacher Hofladen des Biobetriebs Rossmann fest. Und sie freut sich, dass viele Menschen immer mehr auf regionale und nachhaltige Ernährung achten. Diese Beobachtung unterstreicht auch eine Pressemeldung zur weltgrößten Naturkostmesse „Biofach“ in Nürnberg, die heuer im Februar nur virtuell stattfinden konnte: „Da ist eine andere Wertschätzung entstanden“, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) zur Eröffnung, „die Corona-Pandemie hat die Bewegung hin zu mehr Bio verstärkt“.

„Meine Mutter ist oft Stunden in der Hecke.“

Katharina Grundler

25 Jahre Direktvermarktung

Das kann auch Katharina Grundler bestätigen. Im Flyer von „land&gut“ heißt es: „Die Leute entwickeln immer mehr ein Bewusstsein für Eigenarbeit und Heimatprodukte.“ Doch während die Herstellung meist kein Problem sei, erfordere die Direktvermarktung eine gute Logistik. Aber nach knapp 25 Jahren hat sich die Erzeugergemeinschaft durch gezieltes Marketing und Qualität einen Namen über die Ortsgrenzen hinaus gemacht.

Liköre, Marmeladen und Geschenkkörbe sind neben Küchel, Rohrnudeln und Schmierkuchen die Hauptprodukte der Familie Grosser, die natürlich auch auf Freilandhühner setzt.“ Die Lieblingsmarmelade der Tochter ist „Waldheidelbeere“. Katharina Grundler schwärmt auch vom Aroma der Waldhimbeeren und ergänzt: „Meine Mutter ist oft Stunden in der Hecke.“ Die junge Konditorin managt den Hofladen und kann hier auch auf Unterstützung ihres Mannes rechnen, der Fleisch- und Wurstwaren vom Wildschwein, Reh und Hirsch beisteuert.

Schon seit Kindertagen ist Katharina mit ihrer Mutter auf dem Oberpfälzer Bauernmarkt vertreten. „Wir sind ein Team“, ergänzt diese. 2020 fiel alles, vom Frühlings- bis zum Weihnachtsmarkt aus. Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie sind auch für heuer noch keine Termine fix. Doch die „land&gut“-Verkaufsschiene über Hofläden oder Regional-Theken läuft gut. Und Emma Grosser freut sich über telefonische Bestellungen bis aus Schwandorf vom treuen Kundenstamm. Ihr Erfolgsgeheimnis: „Was man mit dem Herzen macht, wird gut.“ In Rekordzeit zieht sie die vorbereiteten Küchel dünn aus und lässt sie ins heiße Fett gleiten. „Die sind heute nicht so groß wie für den Markt“, erklärt sie beiläufig.

Verbraucher, die unabhängiger von globalen Lieferstrukturen werden wollen, die Wert auf eine bessere Ökobilanz legen und wissen möchten, wo ihre Lebensmittel herkommen, finden im Bioland-Hofladen Rossmann in Oberviechtach ein umfangreiches Angebot. Auch hier ist mittlerweile die Tochter die Ladenchefin. „Die Nachfrage ist viel besser geworden. Für uns hat sich Corona positiv ausgewirkt“, sagt Maria Höcherl. Und sie ergänzt: „Ich habe den Eindruck, dass sich die Leute gesünder ernähren wollen und insgesamt mehr auf die Gesundheit achten.“

"Die Nachfrage ist viel besser geworden. Für uns hat sich Corona positiv ausgewirkt."

Maria Höcherl vom Hofladen Rossmann

Zu Hause statt im Restaurant

Dazu komme die Tatsache, dass die Restaurants geschlossen haben und die Familien durchs Home-Office viel mehr Zeit zu Hause verbringen: "Die Leute probieren verstärkt neue Rezepte aus und kochen ausgewogene Menüs." Der kleine Laden hält ein umfangreiches Sortiment von Gemüse, über Getreideprodukte bis zu Fleisch und Käse bereit. "Unsere Kunden sind ganz geduldig und warten gerne im Hof, bis sie rein dürfen", freut sich Höcherl, die auf eine strikte Einhaltung des Hygienekonzepts achtet. Sie schiebt einen Korb mit Brokkoli in die Stellage und berichtet, dass aktuell die Nachfrage auch nach Bio-Zitronen, Ingwer und Shiitake-Pilzen sehr hoch ist.

In der Corona-Pandemie boomt die Bio-Branche

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Hintergrund:

Regional und saisonal: Lebensmittel ab Hof

  • Die Erzeugergemeinschaft "land&gut" besteht seit 25 Jahren und zählt aktuell 34 Vereinsmitglieder aus dem Schönseer Land und darüber hinaus, die ihre Produkte gemeinsam vermarkten. Vorsitzender ist Baptist Grosser aus Laub bei Schönsee.
  • Der Laden auf dem Bioland-Hof Rossmann in Oberviechtach hat an drei Tagen in der Woche geöffnet. Außerdem werden Führungen auf dem Bauernhof angeboten.
Maria Höcherl, Inhaberin des Hofladens auf dem elterlichen Bauernhof in Oberviechtach, hat Brokkoli und anderes Wintergemüse im Angebot.
Blick in den Hofladen der Familie Grosser in Laub bei Schönsee. Hier werden auch Produkte von „land&gut“-Vereinsmitgliedern angeboten.

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