05.01.2021 - 17:34 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Segen der Sternsinger kommt virtuell oder in Tüten

In der Corona-Pandemie schlagen die Sternsinger im Dekanat Neunburg-Oberviechtach neue Wege ein. Die üblichen Besuche in den Häusern sind wegen der Einschränkungen nicht möglich. Und so wird der Segen verpackt oder im Internet präsentiert.

von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Unter dem Motto "Heller denn je" steht die Hilfsaktion "Sternsinger" in diesem Jahr. Zwar verhindert das Coronavirus den Besuch der Sternsinger in den Häusern, doch so manche Pfarrei hat sich kreative Lösungen überlegt, um den Segen zu den Gläubigen zu bringen. Und das Dreikönigswasser gibt's heuer schon in Fläschchen abgefüllt. Eine Übersicht aus dem Dekanat Neunburg-Oberviechtach:

Oberviechtach

Auf Abstand und Hygiene war die Dreikönigsweihe in der Stadtpfarrkirche Oberviechtach angelegt. Das Weihwasser, das in normalen Zeiten in einem feierlichen Akt gesegnet wird, war bereits in kleine Fläschchen abgefüllt, so dass die Besucher im Abstand zum Altarraum schritten und sich dann ein Fläschchen holten. Mit dem Weihwasser wird zu Hause die Wohnung besprengt. Viele Bauern wenden den religiösen Brauch aber auch bei Stall und Wirtschaftsgebäuden an. Weihrauch, Kohle und Kreide konnten an anderer Stelle in verpackter Form gegen einen kleinen Obolus einem Korb entnommen werden. Auch die Banderole mit der Aufschrift „20 + C + M + B + 21“ lag hier zum Mitnehmen bereit.

Die Anbringung dieses Aufklebers hat bereits in den vergangenen Jahren, als die Sternsinger ins Haus kamen, Einzug gehalten. Die traditionelle Form ist aber die Beschriftung der Haustüre mit der geweihten Kreide. Das Kürzel bedeutet „Christus segne dieses Haus“, führte Stadtpfarrer Alfons Kaufmann bei der diesjährigen Dreikönigsweihe aus. Die volkstümliche Variante stellt jedoch mit den drei Buchstaben einen Bezug zu den heiligen Drei Königen her: Caspar, Melchior und Balthasar. Pfarrer Kaufmann eröffnete den Gottesdienst mit einem Paulusbrief: „Gott hat uns gerettet aufgrund seines Erbarmens!“ Das Wasser im Weihwasserkessel, der ganzjährig in der Kirche bereitsteht, wurde dann „mit der Kraft des Heiligen Geistes“ gesegnet. (lg)

In Neustadt/WN standen die Sternsinger vor der Stadthalle

Neustadt an der Waldnaab

Schönsee

1433 Dreikönigs-Päckchen landeten in den vergangenen Tagen in den Briefkästen der Bewohner in der Pfarreiengemeinschaft Schönsee-Weiding. Bei einem Wortgottesdienst in der Pfarrkirche St. Wenzeslaus wurde den Besuchern mit einem Film Situationen aus dem Leben von Kindern in der Ukraine vorgeführt, es ist heuer das Beispielland der Aktion. Pfarrer Wolfgang Dietz segnete die vor dem Altar aufgestellten Komplett-Päckchen, die jeweils den Aufkleber "20*C+M+B*21", Kreide und Weihrauch sowie ein Spendentütchen enthielten. Wenn auch heuer die Segenswünsche für das neue Jahr nicht persönlich überbracht werden konnten, hoffen Pfarrer Dietz, Gemeindereferent Christian Glaser und die (ausgebremsten) Sternsinger um Unterstützung der Aktion. Immerhin konnten im vergangenen Jahr 7441 Euro gesammelt und für Hilfsmaßnahmen weitergeleitet werden. (mmj)

Teunz

In der Pfarrei Teunz hat sich aus der Aktion "Sternsingen" eine große Jugendaktion entwickelt, an der sich normalerweise bis zu 70 Kinder beteiligen. Bei den aktuell geltenden Infektionsschutzmaßnahmen ist diese Aktion nicht denkbar. In Teunz fanden die Menschen trotzdem einen Gruß der Sternsinger an der Haustür, die Verantwortlichen der Pfarrei um Pfarrer Herbert Rösl hatten sich eine kontaktlose Variante überlegt. Unter Leitung von Christiane Hammer wurden kleine Päckchen gepackt, darin enthalten sind eine kleine Kohle und Weihrauch, sowie eine Kreide und ein Aufkleber für die Haustüren. In einem Anschreiben von Pfarrer Herbert Rösl findet sich neben einer Gebrauchsanleitung auch ein Vorschlag für eine kurze Segensfeier in der Familie. Ein kleiner Umschlag für die Spende an die Sternsinger-Aktion rundete das Paket ab. Die Ministranten haben die Päckchen ausgeteilt und an die Türen gehängt.

Es war für die Kinder und Jugendlichen eine Selbstverständlichkeit diesen kleinen Dienst zu übernehmen, auch wenn er nicht mit Süßigkeiten entlohnt wird. Stolz waren sie in den vergangenen Jahren auch immer auf die sehr erfolgreiche Spendensammlung und so bleibt zu hoffen, dass der kleine Umschlag nicht in Vergessenheit gerät. Beim Gottesdienstbesuch oder bei einem Winterspaziergang kann er in der Kirche in die aufgestellte Spendenbox geworfen werden. (tkr)

Niedermurach

In der Pfarrei Niedermurach war geplant, „Sternsingertüten“ an die Haustüren der Bewohner zu bringen. Aus gegebenem Anlass wurde jedoch – entgegen der Ankündigung im Pfarrbrief – auf diese Aktion verzichtet. Vielmehr werden die Tütrn in der Pfarrkirche Sankt Martin neben der Krippe bereitgestellt und können von den Pfarrangehörigen nach den Gottesdiensten oder bei einem Kirchenbesuch mit nach Hause genommen werden. Enthalten sind ein geweihtes Räucherpäckchen mit Kreide, Kohle und Weihrauch, ein Segensaufkleber für die Haustüre sowie eine Spendentüte. Personen, die nicht in der Lage sind, die „Sternsingertüten“ in der Kirche abzuholen, können sich diese bringen lassen. Anmeldung dazu bei Mesnerin Renate Pflug unter Telefon 1225.

Auch wenn in diesem Jahr die Sternsinger nicht als Segenbringer und Spendensammler vorstellig werden können, sollte das Kindermissionswerk, das weltweit Hilfsprojekte unterstützt, nicht in Vergessenheit geraten. Spenden können mit der beigelegten Tüte in der Kirche in eine dafür bereitgestellte Box gegeben werden. Jede Spende wird von den Projektpartnern auch als Ausdruck christlicher Verbundenheit und Solidarität gesehen. (boj)

Winklarn

Kontaktlos lautete auch die Devise in der Pfarreiengemeinschaft Winklarn-Thanstein bei der Verteilung der Kuverts mit einem Hausgebet zum Fest Erscheinung des Herrn, einem Flyer der Aktion und eine Spendentüte. Dreikönigsweihwasser, gesegnete Kreide, Weihrauch und Aufkleber mit dem Segensspruch können die Gläubigen im Gotteshaus selber abholen. In ihren Prunkgewändern nahmen die Ministranten in Winklarn am Gottesdienst teil. In seiner Predigt stellte Pfarrer Eugen Wismeth das Hilfsprojekt Ukraine vor. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Situation arbeiten bisweilen beide Elternteile im Westen um den Unterhalt der Familie zu sichern. Die Kinder bleiben bei den Großeltern oder bei Verwandten und sehen Vater und Mutter oft Monate nicht. Die Geistliche ermunterte auch heuer die Sternsingeraktion zu unterstützen. In rund 100 Ländern werden mit den Spenden vor allem Kinderprojekte unterstützt, damit auch die Kleinsten in Würde leben können. (amö)

Neunburg vorm Wald

Einen virtuellen Weg zu den Gläubigen haben sich die Sternsinger in der Neunburger Pfarrei Sankt Josef gesucht. Für den Youtube-Kanal der Pfarrei produzierten die Ministranten ein eigenes Video. Darin marschiert eine Gruppe Sternsinger durch die Altstadt, macht Halt am Pfarrhaus und sagt dort ihr Sprüchlein auf. Die Oberministranten Tobias Böhm und Katharina Jonas sowie Pastoralreferentin Susanne Albang und Stadtpfarrer Stefan Wagner weisen auf die besonderen Umstände in diesem Jahr hin, bitten um Spenden und rufen zum Besuch der Gottesdienste rund um den Dreikönigstag auf. In den Tagen zuvor waren Ehrenamtliche unterwegs, um über 2500 gesegnete Türaufkleber mit dem Segenswunsch "20*C+M+B*21" an die Häuser im Stadtgebiet zu verteilen. (mp)

Tiefenbach

In Tiefenbach lud als Pfarrer Albert Hölzl am Dreikönigstag zum Segen im Freien ein. Bei leichtem Schneefall versammelten sich etwa 30 Gläubige am Kirchplatz vor der Pfarrkirche Sankt Vitus. Als Sternsinger hatten Franziska Mauerer, Lilli Erhardt, Leni Reitinger und Tabea Scherr die bunten Gewänder angezogen und brachten ihren Segensgruß in bekannter Reimform dar. Pfarrer Hölzl weihte das Dreikönigswasser, das in mitgebrachten Gefäßen mit nach Hause genommen werden konnte. Aber auch Weihrauchpäckchen lagen parat. Im Vorfeld hatten bereits alle Haushalte die dazugehörenden Texte und den Segensspruch für die Türen erhalten. (nis)

Link zum Online-Besuch der Neunburger Sternsinger

Hintergrund:

Weihrauchduft und längere Tage

Der frühere Oberviechtacher Kreisheimatpfleger Hubert Teplitzky (1985 bis 2013 im Amt) hat verschiedene Aspekte zusammengetragen, die mit dem Dreikönigstag verbunden sind.

  • In Haus und Landwirtschaft: Pflicht des Hausvorstandes oder des Bauern war es, Wohnung und Stall mit geweihtem Dreikönigswasser zu besprengen und mit Weihrauch gründlich auszuräuchern, damit Unglück und Krankheit vermieden wurden.
  • Dreikönigssalz: Dem Volksglauben nach soll das geweihte Dreikönigssalz Heilkraft besitzen. Verwischt mit Weihwasser wurde es zu einem dicken Brei vermengt, daraus eine Scheibe mit einem Loch in der Mitte geformt, und getrocknet. Die Scheibe wurde mit einem bunten Band befestigt in den Herrgottswinkel gehängt. Eine Prise des geweihten Salzes wurde beim Ausbuttern auch ins Butterfass gegeben. Auch kalbendem Kühen oder kranken Tieren wurde es verabreicht.
  • Die drei Könige: Über die "Hauptakteure" des Dreikönigstages werden verschiedene Deutungen abgeleitet, deren Symbolgehalt vielfach nicht mehr bewusst ist. So sollen die drei Weisen oder Magier die Menschenrassen Afrikas, Asiens und Europas verkörpern und für drei Zeitalter in der Geschichte der Menschheit stehen.
  • Letzte Rauhnacht: Mit dem Dreikönigstag soll auch die Zeit der dunklen Nächte und der "Wilden Jagd" vorbei sein. Die Nacht auf Dreikönig ist die letzte der insgesamt zwölf Rauhnächte. Überlieferungen besagen, dass an diesen Tagen unter anderem keine Wäsche an die Leine gehängt werden soll - damit sich Geister und Hexen nicht darin verfangen.
  • Tage werden länger: Es heißt, dass der Tag um Dreikönig "um einen Hirschensprung" wächst, es also wieder etwas heller wird. "Weihnacht um 'n Muckenschritt, Neujahr um n' Hahnatritt, Dreikönig um n' Hirschensprung, Lichtmess um a ganze Stund", lautet dazu ein überlieferter Spruch.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.