12.08.2019 - 12:11 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Auf den Spuren der Goldgräber am Forellenbach

Wer bei der Überschrift an den Wilden Westen denkt, liegt völlig falsch. Denn das Goldfieber war einst auch im Oberviechtacher Land verbreitet. Und auch heute noch bietet das Goldwaschen in Gütting einen besonderen Reiz für Jung und Alt.

Auf der Suche nach Gold schwenkt Karlheinz Pieper (rechts) die mit Sand und Kies gefüllte Waschpfanne. Gespannt verfolgen die Teilnehmer den Vorgang des Auswaschens der Sedimente.
von Georg LangProfil

„Hab ich da schon was gefunden?“, wendet sich eine Frau an Karlheinz Pieper, der die knapp 30 angemeldeten Goldwäscher am Forellenbach eingewiesen hat. Was in der Waschpfanne so verführerisch glänzt, ist aber das berühmte Katzengold. Dass es aber in dem Waldgebiet in der Langau echtes Gold gibt, haben vor Jahren die verschiedenen Probebohrungen bewiesen, doch ein groß angelegter ökonomischer Abbau ist nicht rentabel.

„Gott sei Dank!“, meint der Goldführer Karlheinz Pieper, „sonst wäre es vorbei mit der unberührten Natur!“ Diese genießen die Goldwäscher an diesem Nachmittag bei herrlichem Sonnenschein und freuen sich, als sie nach dem Fußmarsch von der Infostation bei Mitterlangau endlich den schattigen Wald von Gütting erreichen, wo sie sich über die langgezogenen Erdwälle und Gräben wundern, von denen das gesamte Gelände durchzogen ist. „Das sind die Reste aus der Goldgräberzeit!“, erzählt Karlheinz Pieper, während die Teilnehmer den Fußweg über diese wellige Hügellandschaft meistern.

Informationen zur Gold-Vergangenheit der Region

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Dann kommt die Gruppe am Waschplatz an, an dem der Forellenbach mit seinem seichten Bett von ein bis zwei Metern Breite zur Goldsuche einlädt. Der Stadtwald mit seinen stattlichen Fichten spendet Schatten, während die Goldgräber ihre mitgebrachten Gummistiefel auspacken und sich dann an einem geheimnisvollen grünen Metallbehälter drängen. Karlheinz Pieper hat zwischenzeitlich die beiden Vorhängeschlösser geöffnet und den Deckel dieses „Schneewittchensargs“ aufgeklappt. Der Metallcontainer hat tatsächlich die Form eines Sargs, aber es kommt keine Leiche zum Vorschein, sondern er ist bis oben hin gefüllt mit den Goldwäscherutensilien, die hier deponiert sind.

Waschpfanne, Sieb, Schaufel und seit kurzem auch Lupen werden an die Teilnehmer ausgegeben, wobei es die zahlreich vertretenen Buben und Mädchen kaum erwarten können, selbst im Bachbett aktiv zu werden. Zuvor zeigt aber Karlheinz Pieper, wie man mit dem aus dem Forellenbach geschaufelten rötlichen Kies und Sand verfährt. Für die Kinder ist das Ganze eine abenteuerliche Angelegenheit, aber selbst viele erwachsene Teilnehmer sind mit Eifer bei der Sache und hoffen auf das berühmte Nugget, das in der Waschpfanne auftauchen könnte.

Dass diese Hoffnung nicht unberechtigt ist, haben sie vor der Fahrt in die Langau im Museum erfahren, dessen Goldabteilung jedes Mal Ausgangspunkt für die Wanderung ist. Im Museum erfahren die Teilnehmer, dass in der Langau bereits vor 700 Jahren Gold abgebaut wurde. In einer Vitrine werden auch kleine Goldklümpchen präsentiert, die in der Gegenwart von dem Experten Walter Pusl herausgefiltert wurden. Während bei der Gewinnung des Berggolds das Gestein in einem Pochwerk zertrümmert wurde, gewann man das Seifengold in den Sedimenten der Bäche und Flüsse. Letztere Methode wird auch bei den Goldwanderungen angewendet. Egal, ob sich ein Erfolg einstellt oder nicht, am Schluss des Ausflugs nimmt jeder Teilnehmer mit Stolz sein Goldwäscher-Diplom mit nach Hause.

Die Waschschüsseln werden eifrig geschwenkt. Vielleicht findet sich in den Sedimenten des Forellenbachs ja ein Goldflinserl.
Die Infostation bei Unterlangau ist Ausgangspunkt für die Wanderung zum Waschplatz am Forellenbach.
Auf zum Goldwaschen:

Wer sich auf die Spuren der alten Oberviechtacher Goldgräber begeben will, hat hierzu noch zu folgenden Terminen Gelegenheit: 16. August, 14 Uhr, 17. August, 10 Uhr; 24. August, 14 Uhr; 27. August., 14 Uhr; 7. September, 14 Uhr; 14. September, 10 Uhr. Ausgangspunkt ist jeweils das Museum in Oberviechtach. Vorherige Anmeldung erfolgt bei der Gäste-Information im Rathaus über tourismus[at]oberviechtach[dot]de (Telefon 09671/30716). Erwachsene zahlen vier Euro, Kinder ab vier Jahren zwei Euro. Gruppenführungen ab acht Personen sind auch außerhalb der festen Termine möglich. Weitere Goldführer neben Karlheinz Pieper sind Günther Zithier, Erhard Wagner und Ludwig Berger. (lg)

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