31.08.2021 - 16:08 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Eine Stadt wird zum barocken Spielplatz

Barockes Flair in Oberviechtach schafft das Projekt "Stadt.Spiel.Platz": Es lädt ein zum interaktiven Theaterbesuch an mehreren Schauplätzen. Das neu entwickelte Konzept klärt spielerisch über regionale Geschichte auf.

Die Szene "Die Wunderheilung" zeigt Dr. Eisenbarth während seiner berühmten Starstich-Operation.
von Michael SchützProfil

Die Vorbereitungen auf das Projekt "Stadt.Spiel.Platz" gehen in die heiße Phase. In gut zwei Wochen wird der Stadtkern Oberviechtachs zur großen Freiluftbühne. Dann tummeln sich Gaukler, Spielmänner, ein Pfarrer und ein Doktor hinter dem Rathaus und vor der Kirche der Eisenbarth-Stadt.

An ein reguläres Festspiel in Oberviechtach war auch in diesem Jahr nicht zu denken. Bürgermeister Rudolf Teplitzky reagierte und setzte sich mit der Vorstandschaft und Regie-Team des Festspielvereins zusammen, um über Lösungen nachzudenken. In enger Zusammenarbeit zwischen der Stadt Oberviechtach und dem Festspielverein sollte ein Weg gefunden werden, einem größeren Publikum wieder kulturelle Unterhaltung zu bieten. Aber auch den Schauspielern und allen anderen Beteiligten wollte man die Möglichkeit geben, sich wieder kreativ ausleben zu können.

Vier Regisseure, sechs Szenen

Seit Anfang des Jahres arbeiteten die Mitwirkenden des Festspielvereins Oberviechtach mit Vorsitzender Bianca Reil an der Realisierung des Projekts. Bei der Organisation des Programms, das heuer Premiere feiert, begeht der Festspielverein neue Wege: Die Leitung unter einem Regisseur ist aufgehoben. Die Verantwortung für die Texte und Inszenierungen wurde geteilt. Mit Bianca Reil, Sandro Bauer, Stefan Eiser und Florian Waldherr arbeiten vier Spielleiter in kleinen Gruppen an jeweils sechs unterschiedlichen Szenen. Zu aller erst mussten Drehbücher geschrieben werden. Erste Proben fanden dann Online statt. Lockerungen im Mai ermöglichten das Üben in Präsenz. Sogleich nutzte man die Gelegenheit und zeichnete alle geplanten Szenen auf, um für mögliche Einschränkungen mit ausreichend Videomaterial gewappnet zu sein. Daraus entstand zudem ein Trailer für das Event.

"Das Konzept soll den Zuschauern ein neues und kreatives Theatererlebnis bieten. Es soll zudem abwandelbar und flexibel sein", so die Vorsitzende. In abwechslungsreichen Kurz-Theaterszenen werden auf sechs Bühnen verschiedene Geschichten rund um die Eisenbarthstadt und ihren Namensgeber aufgeführt. An den zwei Spielplätzen - die Kirche und das Rathaus - werden jeweils drei Aufführungen inszeniert. Vor der Kirche spielen sich drei Geschichten zur Person Doktor Eisenbarth ab. Los geht´s mit seiner Taufe, welche nachweislich in Oberviechtach stattfand. Natürlich darf auch der Starstich nicht fehlen. Diese Augenoperation geht auf den bekannten Wunderheiler zurück. Das Kapitel schließt sich mit einer Aufführung des Puppentheaters. Spielerisch wird das Lied "Ich bin der Doktor Eisenbarth" für die Besucher dargestellt.

Drei "Stadtgeschichten"

Im Anschluss ziehen die Besucher samt Gaukler und Spielmannszug weiter zum Rathaus. Auf ihren bereits reservierten Sitzplätzen lernen sie dann Ausgewähltes rund um die Geschichte der Stadt Oberviechtach kennen. Von einer bedrohlichen Wolfsplage über den Pfarrer, der einen ganzen Aufstand anführte, bis hin zum kleinen Goldrausch in der Region - das Kapitel "Stadtgeschichten" vermittelt viel Wissenswertes.

Die beiden Schauplätze sind gleich gestaltet. Vor der Kirche beziehungsweise hinter dem Rathaus nehmen die Besucher in der Mitte platz. Um sie herum stehen drei Bühnen in dreieckiger Anordnung. Auf jeder wird jeweils eine Szene von etwa 15 Minuten aufgeführt. Die gesamte Aufführung dauert knapp zwei Stunden. Insgesamt wirken knapp 100 Engagierte an dem Projekt mit. Darunter finden sich heuer auch zahlreiche Kinder.

Ein Konzept, das ganz einfach mit neuen Geschichten vergrößert werden kann - das war unter anderem das Ziel des Vereins. Dadurch könne man auf Anfragen nach kleineren Aufführungen besser reagieren und auch "sozusagen auf Tour gehen", erklärt Reil. "Stadt. Spiel. Platz." soll das traditionelle Eisenbarth-Festspiel nicht ablösen. Vielmehr ist geplant, das neue Format im regelmäßigen Wechsel mit dem Festspiel aufzuführen und weiter auszubauen. Bürgermeister und Festspielleitung sehen darin viel Potential, es auch nach der Pandemie zu einem festen Bestandteil des Oberviechtacher Kulturkalenders werden zu lassen. Die Stadt als Veranstalter sowie der Festspielverein freuen sich auf die Aufführungen am letzten Wochenende der Sommerferien. "Erfahrungsgemäß spielt auch das Wetter in dieser Woche immer mit", scherzt die hauptberufliche Lehrerin Bianca Reil.

Hintergrund:

Das Event "Stadt.Spiel.Platz"

  • Am Samstag und Sonntag, 11. und 12. September, präsentiert der Festspielverein Oberviechtach sein neues Konzept "Stadt.Spiel.Platz".
  • Die Vorstellungen beginnen an beiden Tagen jeweils um 13 Uhr, 15 Uhr und 17 Uhr.
  • Tickets müssen im Voraus selbst bestellt werden. Eine Karte kostet 15 Euro. Jugendliche bis 16 Jahre erhalten den ermäßigten Preis von 10 Euro.
  • Weitere Infos unter www.oberviechtach.de und www.doktor-eisenbarth.de

"Das Konzept soll den Zuschauern ein neues und kreatives Theatererlebnis bieten."

Bianca Reil, Vorsitzende des Festspielvereins Oberviechtach

Bianca Reil, Vorsitzende des Festspielvereins Oberviechtach

Bianca Reil präsentiert Kostüme des diesjährigen Programms. Bekannt sollte den Oberviechtachern vor allem das Rote sein.
Mit Hilfe seines Phantasicum medicinale führt Dr. Eisenbarth kuriose Heilungen durch.

 

 

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