22.09.2021 - 16:09 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Die Stadt Oberviechtach pachtet das Soldatenheim

Gerüchte gab es schon länger, nun ist es offiziell raus: Die Stadt pachtet das Emil-Kemmer-Haus, um den Begegnungsort für Soldaten und Bürger wieder zu aktivieren. Den Schlüssel hat Bürgermeister Rudolf Teplitzky am 21. September erhalten.

Noch ist der Parkplatz am Emil-Kemmer-Haus in Oberviechtach verwaist und auch der Fahnenmast am Eingang unbestückt. Das kann sich bald ändern.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Auf diese Information in der Stadtratssitzung am Dienstagabend hatten viele gewartet: Der Leerstand im Emil-Kemmer-Haus ist vorbei. „Der Pachtvertrag ist unterschrieben und ich habe heute den Schlüssel erhalten“, sagte Bürgermeister Rudolf Teplitzky. Eineinhalb Jahre lang sei er an der Thematik dran gewesen.

„Die Stadt pachtet das Emil-Kemmer-Haus und möchte damit den wertvollen Begegnungsort für Soldaten und Bürger wieder herstellen“, stellte Teplitzky fest. Details seien jedoch noch in Klärung. Bei der Belebung des Hauses könne die Stadt auf ein Partner-Netzwerk zählen. Hier zählte er unter anderem das Panzergrenadierbataillon 122, den Verein „Goldmacher Oberviechtach“, 120 Vereine im Stadtgebiet, 4 Schulen und ein Catering-Netzwerk auf. Der „Treffpunkt Bistro“ soll wöchentlich an vier Tagen geöffnet haben (mit Kegeln, Spiele). Dazu komme eine temporäre Öffnung für Veranstaltungen wie Neujahrsempfang, Theater, Kabarett, Lesungen, Konzerte, Seminar, Vorträge und Podiumsdiskussionen, Bürger-Dialogabende und Workshops.

Pächtersuche geht weiter

„Sobald ein privater Pächter übernehmen kann, tritt die Stadt zurück“, betonte der Bürgermeister, der sich weiterhin auf die Suche machen will. In der Vergangenheit habe er sechs Gespräche mit Interessenten geführt. Wie er bekanntgab, hatte er von der Katholischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (KAS) schon länger die Zusage, dass die Stadt ab September ins Haus dürfe, falls dies in der Corona-Pandemie für einen geregelten Schulunterricht nötig geworden wäre: „Das war unser Plan B zum Schulanfang.“

Notquartier für Schulklassen

Schon im November 2020 hatte Teplitzky öffentlich angedacht, das Emil-Kemmer-Haus als Notquartier für Schulklassen anzubieten, falls die Corona-Ampel auf Rot steht. "Wir könnten drei bis fünf Klassenzimmer reinbringen", so der Bürgermeister. Nachdem er zunächst selbst als Ansprechpartner für die Belange des Hauses zur Verfügung steht, will er diese Aufgabe in Kürze an Margit Boch vom Stadtmarketing übergeben. Private Feiern seien derzeit allerdings nicht möglich.

Ein Blick zurück: Der Erhalt des Soldatenheimes stand nach der Bundeswehr-Strukturreform auf wackeligen Beinen. Doch einige Punkte, wie Wirtschaftlichkeit und gute Einbindung der Soldaten ins zivile Leben, hatten den Ausschlag dafür gegeben, dass die Begegnungsstätte - als eine von nur sechs in ganz Deutschland - erhalten blieb. 2015 wurde die Sanierung von Saal, Küche und Konferenzräumen für rund 2,83 Millionen Euro abgeschlossen. Diese brachte die Barrierefreiheit (Aufzug ins Obergeschoss) ins Haus sowie eine Zweit-Gastronomie ins Erdgeschoss. Hier ist jetzt bald wieder "Treffpunkt Bistro" angesagt. Gute Aussichten, dass das Jubiläum "55 Jahre Soldatenheim Oberviechtach" im Dezember 2021 gefeiert werden kann.

Im Herbst 2018 bahnte sich der Leerstand im Emil-Kemmer-Haus an

Oberviechtach

Im Stadtrat wurde 2020 eine Schulklassen-Belegung im Emil-Kemmer-Haus angedacht

Oberviechtach
Hintergrund:

Die wechselvolle Geschichte des Emil-Kemmer-Hauses in Oberviechtach

  • Die Katholische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (KAS) ist Träger des Soldatenfreizeitheims (auch Emil-Kemmer-Haus genannt). Der gemeinnützige katholische Verein engagiert sich seit 1956 in der außerdienstlichen Freizeitbetreuung der Soldaten der Deutschen Bundeswehr.
  • Das Emil-Kemmer-Haus wurde am 9. Dezember 1966 mit dem Heimleiter-Ehepaar David und Manfreda Plecher eröffnet. 1986 übernahmen Dirk und Hanni Gronemeyer, in deren Amtszeit die Umwandlung des Angestellten- in ein Pächterverhältnis fiel. 2005 folgte dann Pächter Thomas Gundlach.
  • Von 1995 bis 2005 hat die KAS über 1,3 Millionen Euro für Verschönerungsmaßnahmen ausgegeben.
  • 2011 prüfte das Verteidigungsministerium den Bedarf an Soldatenfreizeitheimen. Oberviechtach überlebte als eines von nur sechs Heimen bundesweit. Eine Sanierung wurde beschlossen.
  • Die Komplett-Sanierung für 2,83 Millionen Euro wurde im Sommer 2015 abgeschlossen. Thomas Gundlach kündigte und die Suche nach einem neuen Pächter begann. Erst am 24. Oktober 2016 übernahm Michael Stovicek, der sich zum 31. Dezember 2018 wieder zurückzog. Seither steht das Haus leer.
  • Die Stadt Oberviechtach pachtet das Emil-Kemmer-Haus. Am 21. September 2021 erhält Rudolf Teplitzky den Schlüssel von der KAS überreicht. Die Stadt will sich aber sofort zurückziehen, sobald ein privater Pächter übernehmen kann.
  • Als Partner-Netzwerk stehen der Stadt unter anderem das Panzergrenadierbataillon 122, 120 Vereine (darunter die "Goldmacher Oberviechtach"), 4 Schulen und ein Catering-Netzwerk zur Seite.
  • Angedacht ist eine temporäre Öffnung für Veranstaltungen (wie Neujahrsempfang, Theater, Konzerte, Seminar, Bürger-Dialogabende). Der "Treffpunkt Bistro" im Untergeschoss soll wöchentlich an vier Tagen Anlaufstelle für Bürger und Soldaten sein.
  • Ansprechpartner sind Bürgermeister Rudolf Teplitzky und Margit Boch vom Stadtmarketing.

"Sobald ein privater Pächter übernehmen kann, tritt die Stadt zurück."

Bürgermeister Rudolf Teplitzky

Bürgermeister Rudolf Teplitzky

 

 

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