12.11.2020 - 09:16 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Tiefbauprojekte verschlingen viel Geld

Die Probebohrung für eine neue Quelle im Oberviechtacher Hochholz wird ohne Erfolg abgebrochen. Investitionen in die Wasserversorgung beschäftigen den Stadtrat für den Ortsteil Lind. Weitere Tiefbaumaßnahmen stehen in der Warteschleife.

Im Ortsteil Lind steht der Austausch der brüchigen Wasserleitungsrohre aus Asbestzement an. Auch der rund zwei Kilometer lange Zulauf muss neu verlegt werden. Eine erste Kostenschätzung liegt bei rund 743 000 Euro.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Leider erfolglos", lautete die Auskunft von Bürgermeister Rudolf J. Teplitzky auf der jüngsten Stadtratssitzung zur Erschließung neuer Wasservorkommen. Am 8. September 2020 wurde die Firma Tafelmeier mit dem Abteufen von Versuchsbohrungen im Bereich Hochholz beauftragt. Insgesamt wurden laut Stefan Pronold vom städtischen Bauamt vier Versuchsbohrungen an Stellen, die vom Sachverständigenbüro Andres & Raum anhand der Geologie und Topographie festgelegt worden waren, vorgenommen.

Wasseraustritt zu gering

"An zwei Bohrungen wurde ein Pumpversuch durchgeführt, bei den beiden anderen wurde darauf aufgrund des geringen Wasseraustritts verzichtet", informierte Pronold. Die festgestellten Schüttungen von circa 0,3 und 0,6 Liter pro Sekunde seien jedoch in Anbetracht der Erschließungskosten als "höchstwahrscheinlich nicht wirtschaftlich anzusehen". Im noch nicht vorliegenden Abschlussbericht erwartet sich die Stadt eine Empfehlung für das weitere Vorgehen zur Sicherung der Wasserversorgung. "Eventuell müssen wir weitere Bohrungen veranlassen", ergänzte der Bürgermeister.

In einem nächsten Tagesordnungspunkt ging es um die Erneuerung der Wasserleitung in der Ortschaft Lind mit Zuleitung. Dipl. Ingenieur Stefan Pronold stellte den Bauvorentwurf für eine Investition in Höhe von rund 743 000 Euro sowie die Historie vor. Derzeit wird Lind von der Wasseraufbereitungsanlage in Wildeppenried versorgt. Der Zulauf erfolgt über Gartenried, Pirkhof und Werneröd. Der frühere Hochbehälter am "Geißruck" wurde 2004/2005 aufgelöst und die Wasserleitung bis kurz vor Ziegelhäusl erneuert. Ab hier blieb die Wasserleitung bestehen und wurde auch nicht mit der Kanalisation in Lind auf Vordermann gebracht. Wie Pronold ausführte, liegen die Asbestzementleitungen größtenteils in Privatgrund ohne die notwendigen Dienstbarkeiten.

Kritisch sei die Tatsache, dass die Ortschaft am Ende des Versorgungsgebiets liegt und bei kurzfristiger Entnahme größerer Mengen aus dem Leitungsnetz (Löschwasser) es teilweise zum Strömungsabriss komme. Das führe zu Druckstößen auf die alten, starren Leitungen. "Wir hatten hier in den letzten Jahren öfters Rohrbrüche", informierte der Experte. Bereits im März 2020 vergab der Stadtrat deshalb den Auftrag für einen Vorentwurf.

Dieser lag nun vom Ingenieurbüro Weiß aus Neunburg für die Leistungsphasen eins und zwei vor. Für 2200 Meter zu erneuernde Wasserleitung im Straßengrund der beiden Staatsstraßen 2160 und 2159 beläuft sich die Kostenschätzung auf 734 000 Euro. Die Stadträte beschlossen einstimmig die von der Verwaltung vorgeschlagene Vorgehensweise mit Ausschreibung der weiteren Leistungsphasen und Baugrunduntersuchung. Nach Vorliegen der Kostenberechnung wird noch einmal beraten.

Vollausbau der Industriestraße

Eine weitere Tiefbaumaßnahme mit einem geschätzten Kostenvolumen von rund 645 000 Euro steht für die Industriestraße (Bauzentrum Herzog bis Lindner Fensterbau) an. Auch hierzu wurde der Auftrag für einen Bauvorentwurf im Frühjahr vergeben, zusätzlich einer hydraulischen Kanalberechnung. "Diese ergab eine Überlastung des Kanals bis zu 76 Prozent", informierte Stefan Pronold das Gremium. Sein Vorschlag: Der Mischwasserkanal müsste von DN 300 auf DN 400 vergrößert werden und dabei eventuell auf ein Trennsystem umgestellt werden. Dies müsste jedoch zunächst mit den Anliegern besprochen werden. Außerdem weist der aktuelle Straßenaufbau Löcher und Risse auf und müsste mindestens 65 Zentimeter betragen. "Ein Vollausbau der Industriestraße ist höchstwahrscheinlich unumgänglich", erklärte Pronold. Ratsam sei es, auch die 45 Jahre alte Wasserleitung gleich mit auszutauschen. Die Stadträte genehmigten die Vorgehensweise einstimmig. Nach Vorlage der Kostenberechnung wird noch einmal beraten.

Teurer als geplant

Bürgermeister Rudolf J. Teplitzky legte dem Gremium eine Übersicht über die veranschlagten Kosten (ohne RzWAS-Fördermittel) für ausgewählte Tiefbaumaßnahmen in der Finanzplanung 2020 bis 2023 vor: Industriestraße (Finanzplanung 366 000 Euro/Plan heute 645 000 Euro); Lind (458 000 Euro/743 000 Euro); Straße "Dreifaltigkeit" (585 000 Euro/offen); Teunzer Straße (450 000 Euro/offen); Hochbehälter Roßhaupt (1,3 Millionen Euro/1,25 Millionen Euro); Wasserwerk Galgenberg (2,2 Millionen Euro/4,053 Millionen Euro). "Das sind nicht alle, sondern nur die geplanten Maßnahmen, denn es kommen noch mehr", gab CSU/CWG/JU-Fraktionssprecher Alexander Ried zu verstehen. Und er stellte klar: "Es wird die nächsten Jahre nicht einfacher. Wir müssen anfangen, damit wir in die Förderung reinkommen."

Das sah Thomas Teich, Sprecher der PWG/JW-Fraktion ähnlich: "Wir müssen in die Infrastruktur investieren und wollten die Zahlen nur sehen, damit wir wissen, wo wir stehen." Zur Nachfrage von Barbara Ruhland bezüglich weiterer Maßnahmen erklärte der Bürgermeister: "Wir müssen Kanal und Wasser immer auch in Verbindung mit dem Breitbandausbau sehen."

Näheres zum Haushalt 2020 der Stadt Oberviechtach

Oberviechtach
In der Industriestraße kündigt sich ein Vollausbau mit Erneuerung von Wasserleitung und Kanal an. Die Kostenschätzung liegt bei rund 645.000 Euro.
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