30.07.2020 - 14:58 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Trauernde nicht alleine lassen: Verstärkung für Hospiz-Koordination

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"Manchmal braucht man nur eine Hand zum Halten", heißt es im Flyer der Hospizinitiative der Caritas. Auch Koordinatorin Manuela Singer-Bartos freut sich über eine Stellvertreterin. Denn Corona erschwert vieles.

Hospiz-Koordinatorin Manuela Singer-Bartos (links) begrüßt ihre neue Stellvertreterin Sonja Dirscherl vor der Caritas-Sozialstation Oberviechtach.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Die Hospizinitiative der Caritas für den Landkreis Schwandorf ist nicht mehr wegzudenken. Schwerkranke und Trauernde erfahren seit 21 Jahren wertvolle Hilfe. Ansprechpartnerin in Oberviechtach und Nittenau ist Manuela Singer-Bartos aus Schönsee. Aktuell koordiniert sie 20 Sterbebegleitungen und 15 Trauerbegleitungen der 87 ehrenamtlichen Hospizbegleiter. 23 Fälle wurden 2020 abgeschlossen. „In der häuslichen Umgebung läuft es jetzt nach drei relativ ruhigen Monaten wieder an“, erklärt die Leiterin. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie fielen die Einsätze in den Krankenhäusern komplett weg, und auch die Altenheime „sind noch sehr zurückhaltend und fragen eher reine Sterbebegleitungen an“.

Ohne Abschied

Als „total traurig“, bezeichnet sie die Situation, dass zu Beginn der Krise Praxisbegleitungen ohne Abschied beendet werden mussten. Sehr wichtig waren deshalb die zwei Treffen der Ehrenamtlichen, die im Juli in Oberviechtach und Nittenau stattfanden, sowie eine Supervision mit Hygieneauflagen im Freien. Manuela Singer-Bartos ist stolz auf ihre Truppe: „Trotz Corona ist die Bereitschaft da, zu begleiten.“

In der häuslichen Umgebung läuft es jetzt nach drei relativ ruhigen Monaten wieder an.

Manuela Bartos-Singer, Hospiz-Koordinatorin

Beim Gespräch mit Oberpfalz-Medien in der Caritas-Sozialstation Oberviechtach stellt sie ihre Stellvertreterin Sonja Dirscherl aus Beratzhausen vor. Diese ist seit 1. Juli dabei und hat bereits Erstgespräche mit palliativer Beratung geführt: „Wir schauen, welcher Patient passt mit welchem Ehrenamtlichen zusammen.“ Als Krankenschwester sei sie schon seit der Ausbildung in den Bereichen Onkologie und Palliativ beschäftigt. Jetzt freut sich die Koordinationsfachkraft auf den Austausch mit den Ehrenamtlichen: „Sie sind das Herzstück unserer Arbeit.“

Beim Jubiläum 2019 rührt die Hospizinitiative mit einem Filmbeitrag zu Tränen:

Oberviechtach

"Es ist nicht einfach in diesen Zeiten", fügt Manuela Singer-Bartos an. So musste der ab September 2020 geplante Hospizbegleiterkurs für Interessierte abgesagt werden. Ebenso der jährliche Gedenkgottesdienst für Trauernde, der im März zum neunten Mal in der Stadtpfarrkirche Oberviechtach stattgefunden hätte. Auch die Aktionswoche in der Grundschule Schönsee "Hospiz macht Schule" fiel flach. Verschoben werden musste die Gründung einer Kinder-Trauergruppe in Nittenau. Mittlerweile wieder aufgenommen wurde die monatliche Hospiz-Sprechstunde in der Caritas-Sozialstation Oberviechtach. Neu ist ein Trauerspaziergang am 21. November in Nittenau (Leitung: Christine Meseth-Voß). Im Plan steht auch der Hospiztag für Ehrenamtliche im November in Nittenau als kleines Dankeschön. "Die Coronakrise stellt für alle Menschen eine Herausforderung dar. Vielen Trauernden fehlt in dieser Zeit der Isolation aber ein offenes Ohr", betont Manuela Singer-Bartos. Sie berichtet von Angehörigen, die sich nicht ausreichend von ihren Verstorbenen verabschieden konnten.

Hausbesuche verboten

Am 23. März ging aufgrund der Ausgangsbeschränkung eine Mitteilung des Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege ein: "Als wichtigste Konsequenz für ambulante Hospizdienste ergibt sich daraus ein Verbot der Arbeit der ehrenamtlichen Hospizbegleiter in der direkten persönlichen Sterbebegleitung." Da Treffen nun nicht mehr möglich waren, richtete die Hospizinitiative der Caritas für den Landkreis Schwandorf Telefonsprechstunden ein. Auch wenn die Hausbesuche jetzt wieder möglich sind, steht die ehrenamtliche Mitarbeiterin Christine Meseth-Voß noch immer montags und donnerstags, von 9 Uhr bis 10 Uhr unter der Telefonnummer 0171/3762928 für Fragen rund um Tod und Trauer oder bei Problemen durch den Coronavirus zur Verfügung.

Im Pool der Ehrenamtlichen gibt es auch fünf Kinder-Hospizbegleiter. Hier läuft aktuell der erste Einsatz bei einer Familie mit einem schwerkranken Kind im Alter von knapp drei Jahren. "Hut ab vor dieser Arbeit", sagt Sonja Dirscherl und Manuela Singer-Bartos ergänzt: "Unsere Ehrenamtlichen setzen sich hin und halten das aus." Die Begleitungen dauern von wenigen Stunden bis zu etlichen Jahren. Die Schweigepflicht sei dabei selbstverständlich. Auch "Schnell-Einsätze" nach Notfallanrufen sind möglich. Der Wunsch der beiden Koordinatorinnen ist aber, dass sich die Kranken oder Angehörigen frühzeitig melden. "Denn es ist so wertvoll, dass wir den Wunsch erfüllen können, wenn jemand zu Hause sterben möchte."

Info:

Hintergrund

21 Jahre Hospizinitiative

1999 gründet Wilhelm Nees die Hospizinitiative der Caritas für den Landkreis Schwandorf (Leitung: Ingeborg Tijssen und Birgit Kramer). 2003 übernahm Zenta Ruml die Koordination. 2016 gab sie die Leitung an Birgit Wölker ab. Stellvertreterin Manuela Singer-Bartos rückte 2018 an die Spitze und hat jetzt nach zwei Jahren Vakanz mit Sonja Dirscherl wieder eine Unterstützung.

  • Kontakt
    Gespräche und Beratungen können auch zu Hause stattfinden. Kontakt telefonisch (09436/3 009 313 ) oder Internet (hospiz[at]caritas-sad[dot]de). Erreichbar unter: www.caritas-sad.de
  • Sprechstunde in Sozialstation
    Wieder aufgenommen wurde die monatliche Sprechstunde in der Caritas-Sozialstation Oberviechtach (Nunzenrieder Straße 14). Das Koordinationsbüro ist bei der Sozialstation in Nittenau-Bruck angesiedelt.
  • Telefon-Sprechstunde
    Seit Beginn der Coronakrise steht die ehrenamtliche Mitarbeiterin Christine Meseth-Voß montags und donnerstags, von 9 Uhr bis 10 Uhr unter der Telefonnummer 0171/3762928 für Fragen rund um Tod und Trauer oder bei Problemen durch den Virus zur Verfügung.
  • Begleitung
    Die 87 ehrenamtlichen Hospizbegleiter sind da für Sterbende und unheilbar kranke Menschen sowie für deren Angehörige zu Hause, im Pflegeheim, im Krankenhaus oder im Behindertenheim. Unterstützung erfolgt durch Gespräche und Sitzwachen.

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