23.01.2019 - 16:01 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Über Licht und Schatten der neuen Medienwelt

In Sachen Kommunikation und Bildung eröffnet der Wandel in der Medienwelt vielfältige Chancen. Wie sieht es aber bei der Verrohung im Umgang miteinander und mit dem Werteverfall aus? Eine Podiumsdiskussion beleuchtet verschiedene Aspekte.

Schulleiter Ludwig Pfeiffer (links) bedankt sich zusammen mit Studiendirektorin Christine Paschen (rechts) bei den Diskussionspartnern und den Moderatorinnen des informativen und unterhaltsamen Gesprächsabends. Die Podiumsdiskussion zum Wandel in der Medienwelt hat die Abiturmesse "Academicus Live" eröffnet.
von Georg LangProfil

"Mediengestalter" und "Medienkonsumenten" standen sich bei der Podiumsdiskussion von "Academicus Live" am Ortenburg-Gymnasium gegenüber. Für den Impulsvortrag dieser schon zur Tradition gewordenen Auftaktveranstaltung der Abiturmesse konnte die Programmbereichsleiterin "Politik und Wirtschaft" beim Bayerischen Rundfunk, Andrea Kister, gewonnen werden. Vor 40 Jahren hatte sie am OGO ihr Abitur abgelegt. Sie stellte die neuen Medien mit all ihren Chancen bei Kommunikation und Bildung vor, ging aber auch auf die daraus resultierende Verantwortung für die Gesellschaft ein. Mit Phyllis Gilch (Referentin des Uni-Präsidenten von Bayreuth) und Lena Rückerl (Jahrgangsstufensprecherin am OGO) präsentierten sich eine ehemalige und jetzige Schülerin des OGO als versiertes Moderatorinnen-Duo.

Hochkarätig besetztes Podium

Neben Andrea Kister vertrat noch der stellvertretende Chefredakteur der Oberpfalz-Medien, Kai Gohlke, die Seite der "Medienschaffenden", während der Leitende Oberstudiendirektor Franz Xaver Huber (Ministerialbeauftragter für die Gymnasien der Oberpfalz) und der Direktor des Amtsgerichts Regensburg, Dr. Clemens Prokop (Ehrenpräsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes), zusammen mit dem Publikum das Lager der Medienkonsumenten repräsentierten. Zu den Gästen in der voll besetzten Sporthalle, die von Studiendirektorin Christine Paschen begrüßt wurden, zählten Landrat Thomas Ebeling, mehrere Bürgermeister der Schulregion sowie Vertreter der Mitveranstalter IHK, Arbeitsagentur Schwandorf und der Landratsämter Schwandorf und Cham.

Die Vermittlung von Medienkompetenz ist eine Aufgabe der Schulen und der gesamten Gesellschaft.

Andrea Kister, Programmbereichsleiterin beim Bayerischen Rundfunk

Internet und Handy leiteten die Umgestaltung der Medienwelt ein, so Andrea Kister, die sofort auf die Auswirkungen auf Printmedien, Funk und Fernsehen blendete, letzteres insbesondere betroffen durch die Streaming-Dienste, wo Filme "on demand" (auf Anforderung) abgerufen werden können. Die Auswirkungen betreffen auch die journalistische Ausbildung mit neuen Formaten wie "News-WG" beim Bayerischen Rundfunk, die sich an den Bedürfnissen jugendlicher Mediennutzer orientieren. Medien wie Facebook, Twitter und Instagram ermöglichen den Konsumenten eine Unabhängigkeit von den traditionellen Medien, wie es beispielsweise US-Präsident Donald Trump praktiziere.

Abhängig von Facebook und Google

"Wie sehen Sie die Entwicklung auf dem Mediensektor?", fragte die Moderatorin Phyllis Gilch aufbauend auf den Impulsvortrag, wobei Kai Gohlke die neue Form der "direkten Rückmeldungen" ansprach, während früher die Journalisten nur "Sender" gewesen seien. "Die Ohnmacht gegenüber Facebook nimmt die Faszination teilweise zurück", lautete das Fazit von Richter Clemens Prokop. "Wenn wir nicht bei Facebook wären, würden wir viele Menschen nicht erreichen!", gestand Andrea Kister die "Abhängigkeit" vieler Menschen und Institutionen von Facebook und Google ein. "Falsche Meldungen gab es schon immer!", war die einhellige Meldung der Diskussionsteilnehmer, "der Unterschied ist die schnelle Verbreitung und die Gefahr des Mobbings", beklagte Franz Xaver Huber.

Der Artikel zur Abimesse:

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"Jugendliche wünschen sich prägnante Push-Meldungen!", meinte eine Diskussionsteilnehmerin aus dem Publikum zu einem neuen Themenkomplex. "Doch zwei Sätze unter ,Breaking News' reichen für eine Information nicht aus!", waren sich die Gesprächspartner auf dem Podium einig. Andere Themen griff Franz Xaver Huber mit der Verbindung der schulischen Digitalisierung mit Werteerziehung zu Toleranz und Rücksichtnahme oder der "Gefährdung der Demokratie" noch auf.

Mit Medien kritisch umgehen

"Die Schule hinkt der Entwicklung hinterher!", meinte Kai Gohlke Hinblick auf die schulische Digitalisierung und prangerte in diesem Zusammenhang das Handy-Verbot an Schulen an, das aber Franz Xaver Huber relativierte. Andrea Kister sprach sich für neue Formate für Jugendliche aus "mit prägnanten Informationen ohne professorale Sprache". Allerdings meinte Richter Prokop, dass "die Reduzierung auf Schlagwortmeldungen dem Leben nicht gerecht wird". "Nutzt die modernen Medien, aber geht kritisch damit um!", so der Aufruf von Franz Xaver Huber an die Schüler.

Dankesworte und Präsente gab es am Schluss von Schulleiter Ludwig Pfeiffer für alle Mitwirkenden auf und hinter der Bühne, die zum Gelingen des Gesprächsabends zu einem äußerst aktuellen Thema beigetragen hatten. Musikalisch umrahmte die Big Band unter Leitung von Andreas Lehmann den Abend, die auch ein Lieblingsstück von Landrat Ebeling in ihr Programm eingebaut hatte.

Auch "Don´t stop believin'" gehört zum Repertoire der OGO-Big-Band unter Leitung von Andreas Lehmann, die damit bei der musikalischen Gestaltung auch ein Lieblingsstück des Landrats zu Gehör gebracht hat.
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