31.10.2020 - 10:00 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Die Wanderschaft von zwei Heiligen aus der Oberviechtacher Pfarrkirche

In den beiden Seitenaltären der Oberviechtacher Stadtpfarrkirche befinden sich die Gebeine zweier Heiliger aus der Frühzeit des Christentums. Ihr Weg in diese Ruhestätte mutet abenteuerlich an.

Im Marienalter der Oberviechtacher Pfarrkirche ruht der heilige Fortunatus hinter Glas. Der Palmwedel in seinem Arm weist ihn als Märtyrer aus.
von Georg LangProfil

Als 2014 auf dem Oberviechtacher Marktplatz „Der Brandner Kasper“ inszeniert wurde, da stellte Regisseur Martin Zimmermann einen besonderen Ortsbezug her. In der Handlung um den gewitzten Brandner, der den Tod überlistet, tauchten auch zwei Heilige auf, die in der ursprünglichen Fassung der Komödie nicht in Erscheinung treten. Mit dem heiligen Fortunatus und dem eiligen Basilius wurde das Stück phantasievoll um zwei Figuren erweitert, deren Reliquien in den beiden Seitenaltären der Oberviechtacher Stadtpfarrkirche ruhen.

Verheerender Brand

Die Geschichte um diese beiden „heiligen Leiber“ wirkt stellenweise geradezu abenteuerlich. Eine Schlüsselrolle kommt einem Brand zu, bei dem 1773 fast ganz Oberviechtach in Schutt und Asche fiel. Ausgangspunkt der Feuersbrunst war die Karfreitagsgasse und von da breiteten sich die Flammen über die Nabburger Straße auch auf die Kirche und den Pfarrhof aus. Der Kirchturm wurde nur teilweise zerstört, das ist heute noch an dessen Mauerwerk abzulesen. In der Folgezeit wurden Kirche und Pfarrhof wiederaufgebaut, aber die Ausgestaltung des Gotteshauses zog sich noch viele Jahre hin.

Im Oberviechtacher Umland gibt es in den Dörfern noch viele Glockentürme

Oberviechtach

Hierzu nutzte 1803 der Oberviechtacher Pfarrer Dr. Johannes Härdtl die Gunst der Stunde, als im Zuge der Säkularisation bei der staatlich verordneten Auflösung der Klöster Bayerns oftmals deren sakrale Ausstattung versteigert wurde. Zur Versteigerungsmasse des Amberger Franziskanerklosters gehörte auch die Reliquie des heiligen Fortunatus, die im St.-Anna-Altar ruhte. Eigentlich hatte eine jüdische Familie den Gesamtbestand ersteigert. Die Erwerber waren aber bereit, aus Pietätsgründen die Gebeine des Heiligen an eine christliche Kirche abzugeben. Als ein Meldereiter aus Amberg Pfarrer Härdtl dieses Angebot überbrachte, musste sich der Oberviechtacher Geistliche sofort entscheiden und der Reiter kehrte noch am selben Tag mit der Kaufzusage in die Vilsstadt zurück.

Im Pfarrerstadl eingelagert

Der Glasschrein des rechten Seitenaltars beherbergt die Reliquien von Bischof Basilius, der unter Kaiser Diokletian für seine christliche Überzeugung in den Tod ging. Man darf aber diesen Märtyrer nicht mit Basilius dem Großen (Bischof von Caesarea) verwechseln. Die Gebeine im rechten Seitenaltar erwarb Pfarrer Härdtl ebenfalls im Zuge der Säkularisation 1807 aus dem niederbayerischen Zisterzienserkloster Gotteszell.

Bei der Erweiterung der Oberviechtacher Stadtpfarrkirche wurden die Reliquien 1963 in Kisten verpackt im Pfarrerstadl eingelagert. Als die Bauarbeiten an der Kirche beendet waren, sah man keine Veranlassung die Gebeine umgehend an den angestammten Platz zurückzubringen, zumal eine Restaurierung der Körper dringend erforderlich schien. Die leeren Glasschreine der Seitenaltäre waren in der Folgezeit mit Tüchern verhängt. In dieser Zeit setzten sich Konrad Schießl, der vor der Priesterweihe stand, und Pfarrgemeinderat Reinhold Malzer für eine fachmännische Restaurierung ein, die 1979 im Kloster Michelfeld bei Auerbach in Angriff genommen wurde. Die Arbeiten der Neueinkleidung der Heiligen und der Reinigung des Filigranschmucks zogen sich hin.

Im Gästezimmer

Als die Sanierung des Klosters anstand, mussten die Heiligen nach Oberviechtach zurückkehren. Doch hier sah man spontan keinen Platz für die Unterbringung. So nahm sie Reinhold Malzer, der auch die Restaurierung mit Spenden unterstützt hatte, in seinem Souterrain-Gästezimmer auf. „Sie waren dann jahrelang Gast bei mir“, erzählt Malzer schmunzelnd. Die Situation änderte sich, als mit Pfarrer Berthold Helgert ein für sakrale Kunst aufgeschlossener Stadtpfarrer nach Oberviechtach kam. Dieser staunte nicht schlecht, als er anlässlich eines Abendessens bei der Familie Malzer auch die Gäste im Souterrain kennenlernen durfte. Im Zuge einer umfassenden Erneuerung der Stadtpfarrkirche kamen dann die beiden Heiligen wieder an ihre angestammten Plätze zurück.

Die Reliquie des heiligen Basilius kam 1807 aus der niederbayerischen Zisterzienserabtei Gotteszell nach Oberviechtach.
Der Abtransport der Reliquien ins Kloster Michelfeld erfolgte im Mai 1979. Auf dem Bild (von links) Stadtpfarrer Monsignore Michael Feil, Pfarrgemeinderatsvorsitzender Michael Malterer, Reinhold Malzer und Konrad Schießl.
Der Turm zeigt noch heute Spuren des Brandes von 1773. Nach der Katastrophe benötigte die Kirche eine neue Ausstattung.
Hintergrund:

Märtyrer des frühen Christentums

Sowohl der heilige Fortunatus im linken Seitenaltar der Stadtpfarrkirche als auch der heilige Basilius im rechten Seitenaltar sind Märtyrer aus der Zeit der Christenverfolgung unter römischen Kaisern. Beide Heilige waren ursprünglich in den Katakomben Roms bestattet. Die Gebeine des heiligen Fortunatus - er war als römischer Soldat bekennender Christ - schenkte Papst Innozenz XI. 1680 dem Grafen von Hohenburg. Der Sohn des Grafen, Ferdinand Joseph, ließ die Reliquie aufwendig einkleiden und mit einem lombardischen Hochzeitsschmuck prunkvoll verzieren. 1692 schenkte er sie dem Franziskanerkloster in Amberg, von wo sie dann über 100 Jahre später nach Oberviechtach kam.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.