Ödschönlind bei Plößberg
10.10.2019 - 16:45 Uhr

Ein halbes Jahrhundert missioniert

Schwester Anna Rita, die in Südafrika in der Mission arbeitet, ist auf Heimaturlaub bei ihren Verwandten, der Familie Haberkorn. Ihre jüngere Schwester heißt auch Anna Rita. Was es damit auf sich hat, ist eine lange Geschichte.

Die Missionarin und Ordensfrau,Anna Rita (Mitte) hat zu ihrer 50-jährigen Profess ein Fotobuch von ihrer Familie bekommen. Gern schauen ihre jüngere Schwester, Rita Haberkorn (li.) und Dr. Annemarie Schraml (re.) die alten Erinnerungen mit ihr an. Bild: ubb
Die Missionarin und Ordensfrau,Anna Rita (Mitte) hat zu ihrer 50-jährigen Profess ein Fotobuch von ihrer Familie bekommen. Gern schauen ihre jüngere Schwester, Rita Haberkorn (li.) und Dr. Annemarie Schraml (re.) die alten Erinnerungen mit ihr an.

Anna Rita Haberkorn hat den Kaffeetisch hübsch eingedeckt. Sie hat Schmierkuchen besorgt, in Plößberg ist Kirchweih. Außerdem gibt es Käse- und Mohnkuchen, mitgebracht von Dr. Annemarie Schraml, die an diesem Tag Haberkorns Schwester, die Missionarin Anna Rita, besucht. Während Anna Rita Haberkorn auf diese beiden Vornamen getauft worden ist, hat ihre zwei Jahre ältere Schwester im Taufschein den Namen Theresia stehen. Vor über 50 Jahren bekam sie die Vornamen "Anna Rita" als Klosterschwester bei ihrem Eintritt in den Orden der Missionarsschwestern.

Zehn Geschwister

Während die jüngere Schwester in der Nähe ihres Geburtsortes Ödwaldhausen in Ödschönlind ihr Leben lebte, zog die Ältere weg auf einen fernen Kontinent nach Afrika. Seither kommt die heute 77-jährige Ordensfrau alle paar Jahre aus Südafrika zu Besuch. Diesmal ist der Heimaturlaub lang, Schwester Anna Rita kann zwei Monate bei der Familie bleiben. Sie besucht viele ihrer zahlreichen Verwandten. "Wir waren zehn Geschwister", erzählt Rita Haberkorn. Als die ältere Schwester in die Mission gegangen sei, habe das für sie mehr Arbeit damals bedeutet, weil die Familie eine Landwirtschaft betrieben habe, sagt sie.

Die Missionarin erinnert sich, dass sie damals im Herbst habe gehen sollen. "Dann dachte ich, ich kann jetzt nicht weg, wo doch Erntezeit ist." Es sei ihr schwer gefallen die viele Arbeite "liegen zu lassen". Schwester Anna Ritas Tätigkeit als Ordensfrau begann in Paderborn im Provinzialhaus der "Missionsschwestern vom kostbaren Blut", wo sie fünf Jahre lang blieb. Als Grund, warum sie Missionarin geworden sei, gibt die Ordensfrau einen Hang zum Missionieren in der Verwandtschaft an. Eine Großtante sei bereits 1889 als Novizin nach Südafrika, wo der Orden 1892 gegründet worden sei, erzählt sie und fügt stolz an: "Und jetzt wird wieder eine Nichte von uns Missionarin".

Pfarrer ebnet den Weg

Der damalige Seelsorger von Ödwaldhausen, Pfarrer Müller, habe ihr den Weg geebnet. 1965 kam Schwester Anna Rita ins Mutterhaus nach Holland, von wo sie "in Schnee und Eis" endlich ins heiße Südafrika durfte. "Das war der 1. Februar 1969." Sie erinnert sich, dass die Großtante nie mehr nach Deutschland gekommen war. Sie dagegen verliert das Stiftland nicht aus den Augen, wenn sie auch eher sporadisch und höchstens alle sechs Jahre oder außer der Reihe bei einem Familienereignis zurückkommt. Anna Rita war in Südafrika maßgeblich am Aufbau eines Kinder- und Behindertenheimes beteiligt. Heimweh habe sie kaum verspürt.

Mit Dr. Annemarie Schraml, die in Tansania ihr Hilfswerk "Feuerkinder" betreibt, tauscht sie sich aus über das Leben in Afrika. Die Gespräche der beiden Frauen drehen sich um Armut, Gewalt, Randale, Existenzängste, Trockenheit und permanenten Hunger. Die Mission braucht ebenso Spendengelder wie die "Feuerkinder". Die Missionarin lobt ihre Leute in der Heimat, in der Pfarrei, die Verwandten und die Freunde. "Sie geben mir immer viel Rückhalt."

Die Unterstützung sei mit den Jahren unglaublich gewachsen. "Jeder, den ich hier treffe, gibt mir aus seiner Tasche etwas für die Mission", sagt sie strahlend Danke. Zwar gebe es Förderung vom Staat. Aber das komme selten an in der Mission an, und wenn dann nur verzögert. Das sei vor 50 Jahren anders gewesen, wo man 100 Prozent gefördert worden sei. "Inzwischen hat man uns vergessen."

Etwa 70 geistig behinderte Menschen und genauso viele Kinder leben in "ihrem" Heim. Sie habe etwa 40 Kolleginnen, erzählt Schwester Anna Rita von Ordensfrauen aus Nigeria, dem Kongo, Simbawe oder Vietnam. "Und es kommen junge Leute aus Plößberg, um über den Bundesfreiwilligendiensts bei uns zu arbeiten", freut sie die tatkräftige Hilfe von Deutschland aus. Dennoch stehe die soziale Einrichtung auf wackeligen Beinen.

Den Hass geschürt

"Manchmal denke ich, wir müssen zusperren." Besser geworden sei in Afrika in den 50 Jahren nichts, meint sie nach kurzer Überlegung. Sie erzählt, dass sie nachts nicht auf die Straße gehe, dass der Strom oft ausfalle, ausgehungerte junge Frauen um Arbeit betteln würden, Alkohol gerade in der armen Bevölkerung ein großes Problem sei. Oft denkt sie auch daran zurück, wie in Südafrika nach der Ermordung eines Gewerkschaftsführers der Weißenhass geschürt worden sei. "Musste ich in die Stadt, habe ich mich eng in die Hausecken gedrückt, damit mich keiner sieht."

Schwester Anna Rita lebt für ihre Heimbewohner, für die sie viel mehr tun könnte, wenn die Mittel dafür da wären. "Das belastet mich sehr", sagt sie.

Spendenkonto:

Wer etwas spenden möchte, kann dies über das Konto Missionsprokura der Missionsschwestern vom kostbaren Blut tun. Kontonummer DE85 472 603 070 011 182 701, BIC: GENODEM1BKC, Stichwort "Schwester Anna Rita" angeben.

 
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