München
29.04.2019 - 19:08 Uhr

Eine ÖPNV-Flatrate ist keine allein seligmachende Lösung

Schüler und Azubis sollen ab Herbst 365 Euro für ein ÖPNV-Jahresticket zahlen. Ein scheinbar verlockendes Versprechen. Doch der ÖPNV ist nicht nur eine Frage des Fahrpreises. Ein Kommentar von Alexander Pausch.

Kommentar von Alexander Pausch
Diese Busfahrt im im Preis enthalten. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fährt nach der Landung am Flughafen in Brüssel in einem Bus zum Terminal. Bild: Sven Hoppe/dpa
Diese Busfahrt im im Preis enthalten. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fährt nach der Landung am Flughafen in Brüssel in einem Bus zum Terminal.

Für 365 Euro ein Jahr freie Fahrt in Bus und Bahn - egal wie lang und wie oft am Tag man den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzt. Der Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder aus dem September hört sich zunächst gut an. Inzwischen hat er selbst gemerkt, dass sein Versprechen aus dem Wahlkampf nicht so einfach umzusetzen ist.

Dennoch erhöht Söder die Schlagzahl: Zumindest für ältere Schüler und Auszubildende soll es ab Herbst ein 365-Euro-Ticket geben - ab der elften Klasse entfällt die Kostenfreiheit des Schulweges. Offen ist, ob das von Söder gelobte Wiener Modell, im ganzen Freistaat für alle Bürger verwirklicht werden soll. Dieses oder ein vergleichbares soll es erst ab 2030 geben.

Söder will, dass Bayern neue Wege bei der Luftreinhaltung geht. Dazu gehört eine Stärkung des ÖPNV. Nur leidet dieser in den Ballungsgebieten schon heute unter Kapazitätsengpässen. In ländlichen Gemeinden fehlt häufig eine ausreichende Taktung. Für beide gilt: Den ÖPNV besser zu machen, ist überlebenswichtig.

Warum eine Flatrate die Lösung sein soll, erklärt sich bislang nicht. Im Gegenteil: In manchen Regionen könnte das 365-Euro-Ticket den ÖPNV zerstören, da sich dieser bisher meist über den Ticketverkauf selbst trägt. Am Ende dürfte der Freistaat weit mehr als die avisierten 65 Millionen Euro an die Verkehrsverbünde überweisen müssen. Wovon ohnehin 35 Millionen Euro nach München fließen, 13 Millionen Euro nach Nürnberg und vier Millionen Euro nach Augsburg.

Es braucht nicht nur Geld, sondern auch eine Verhaltensänderung, bei jedem. Bei einem attraktiven ÖPNV könnte so manche Familie in der Oberpfalz auf ein Zweitauto verzichten. Dazu gehört, dass Arbeitgeber flexible Arbeitszeiten anbieten oder Schichtzeiten an den ÖPNV anpassen. Nur so kann eine Verkehrswende gelingen.

München29.04.2019
 
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