Lucas lässt die Funken spritzen

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Ein 15-Jähriger aus Ottengrün bei Bad Neualbenreuth pflegt ein für sein Alter ungewöhnliches Hobby. Mit festen Hammerschlägen und bei viel Hitze entstehen etwa Rosen und Sonnenblumen oder Werkzeuge.

Der 15-jährige Lucas Scharnagl ist beigeisterter Hobby-Schmied. In seiner Werkstatt fertigt er einzigartige Blumen in allen Formen und Größen.
von Lilly MelzerProfil

Lucas Scharnagl schmiedet seit zwei Jahren in seiner Werkstatt die unterschiedlichsten Dinge. Diverse Werkzeuge wie Messer und Äxte, Dekoratives und Nützliches wie Halterungen für Blumentöpfe und Rankhilfen für Blumen. Am meisten gefällt mir, dass man durch einen Schlag mit dem Hammer so viele unterschiedliche Sachen machen kann", schwärmt Scharnagl für sein Schmiedehobby.

"Ich habe es früher schon im Fernsehen gesehen und das Schmieden auf Märkten bewundert, als mir klar wurde, dass ich es unbedingt selbst ausprobieren will." Gesagt, getan. Der Ottengrüner bringt sich die kompette Schmiedetechnik selbst bei und erweist sich mittlerweile als Fachmann: "Nach genauer Überlegung, wie das fertige Produkt aussehen soll, richtet man alle nötigen Werkzeuge her: Amboss, verschieden große Schmiedezangen, Gesenke, Hammer und natürlich Eisen, zum Beispiel ein Vierkantstahl oder eine Rundstange. Je länger das Eisen, desto besser, weil man keine Zange braucht, um es zu halten und der Vorgang dadurch einfacher wird."

Bereits 100 Gegenstände

Dieses Eisen wird nun immer wieder mit einem Schmiedefeuer – Gas -oder Kohlefeuer – auf die richtige Temperatur erhitzt und kann dann mit dem Hammer oder den Gesenken bearbeitet werden. "Das Eisen sollte Hellorange oder Dunkelgelb sein, damit man optimal damit arbeiten kann. Vor allem mit Kohlefeuer kann man die Temperatur oft schlecht einschätzen. Dann verbrennt der Kohlenstoff im Stahl und das Eisen ist unbrauchbar", erklärt der junge Schmied.

Auch das fehlende Equipment bereite oft Komplikationen. Die Folgen können schmerzhaft sein: "Ich habe mich schon oft dabei verletzt. Besonders an den Händen verbrenne ich mich ab und zu." Trotzdem hat das Scharnagl bisher noch nicht abgeschreckt. Schon etwa 100 Gegenstände hat der 15-Jährige hergestellt: "So langsam bekomme ich Lagerschwierigkeiten. Einiges steht bei mir zuhause, aber vieles kann ich bei einem Bekannten in Neualbenreuth aufbewahren."

Dass seine Ware beliebt ist, hat sich längst herumgesprochen: Anfragen für geschmiedete Geburtstagsgeschenke oder ein Messer-Unikat bekommt Scharnagl öfter. Letztes Jahr hatte er sogar einen Stand auf dem Neualbenreuther Weihnachtsmarkt. "Meistens schmiede ich aber als Herausforderung für mich selbst. Das Gefühl, etwas Schwieriges, Neues kreiert zu haben, ist unbeschreiblich."

Material vom Schrottplatz

Das Besondere dabei: Scharnagls Materialien stammen vom Schrottplatz in Tirschenreuth. Für einen geringen Betrag könne er dort alles, was er brauche, erwerben und zu Kunst verarbeiten, "recycelt" sozusagen. Neben dem Schmieden fährt Scharnagl auch gern Mofa oder spielt Schafkopf. Seine Schulausbildung mit dem heißen Hobby unter den sprichwörtlich einen Hut zu bringen, sei vor allem zeitlich eine Herausforderung, so der Gymnasiast: "Man muss viel Zeit einplanen. Eine Blume zu schmieden schafft man vielleicht in zwei Stunden, bei einem Messer mit Griff sind eher fünf Stunden anzusetzen."

Was der Hobbyschmied nach der Schule machen will, weiß er noch nicht: "Ich würde sehr gerne das Schmieden als Beruf ausüben. Jedoch weiß ich leider nicht, wo ich das lernen kann, geschweige denn, wo ich nach einer Lehre arbeiten könnte."

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