Parkstein
22.12.2019 - 11:33 Uhr

Beethoven, ich liebe Dich

„Man muss den Geist von Ludwig van Beethoven begreifen, dessen Seele, die immer gen Himmel will“, schreibt die Sopranistin Marlis Petersen. Im Steinstadl macht das das Musikstudio Kuhl zur hörbaren Realität

von fsb
Die jungen Pianisten zusammen mit Musiklehrer Karl- Heinz Kuhl (Zweiter von rechts) und Violinistin Johanna Baumann (rechts) liefern einen grandiosen Einstieg ins Beethoven-Jahr ab. Bild: Schönberger, Ferdinand [fsb]
Die jungen Pianisten zusammen mit Musiklehrer Karl- Heinz Kuhl (Zweiter von rechts) und Violinistin Johanna Baumann (rechts) liefern einen grandiosen Einstieg ins Beethoven-Jahr ab.

Zum 250. Geburtstag des großen Komponisten im nächsten Jahr startete die Beethoven-Jubiläumsgesellschaft mit dem Projekt „Beethoven bei uns“ die größte Hauskonzertinitiative, die es jemals in Deutschland gegeben hat. In ganz Deutschland gab es Konzerte, Lesungen und Vorträge zum Thema statt, insgesamt fast 1000 Veranstaltungen, davon über 70 in Bayern und drei in der Nordoberpfalz. Hier hatte auch das Musikstudio Kuhl am späten Sonntagnachmittag zu „Beethoven am Vulkan“ in den Steinstadl geladen. Daran beteiligten sich eine Reihe junger Musiker und Sänger der Region. Viele Musikinteressierte nutzten die Gelegenheit, auch einmal den Klassik-Titanen der zarten, einfühlsamen Töne zu entdecken und ein bisschen von seiner Seele aufzuspüren.

Mit dem 2. Satz der „Romanze in F“ spielte Laura Meier beeindruckend eines dieser emotionalen Stücke, das eigentlich für Violine und Orchester geschrieben wurde, in einfacher Bearbeitung für Klavier. Das lyrische Thema der Einleitung wurde dabei wiederholt und später variiert. Ebenso eindrucksvoll brachte Gabriel Hösl den 1. Satz der flotten, fröhlichen „Sonatine in G“ zu Gehör. Der 15-jährige Robert Gorny hatte mit dem „Allegro ma non troppo“ aus der „Sonate in G Nr. 2“ keine Probleme, eine unbeschwerte Musik, an der kein Klavierschüler vorbeikommt.

Fabian Staufer begeisterte mit dem bekannten, temperamentvollen Rondo „Die Wut über den verlorenen Groschen“, in das er einen kurzen rockigen Teil einfügte. Man konnte durch die Pianoklänge durchaus die beiden Motive des Themas, den aufsteigenden Dreiklang und die folgende Sechzehntelbewegung, als Hüpfen und Kreiseln des Groschens und die sich wiederholenden Akkorde der linken Hand als „wütende“ Begleitung interpretieren. Das Stück offenbarte Beethovens alltägliche Gemütszustände, die er hemmungslos auslebte.

Zur Klavierbegleitung von Karl-Heinz Kuhl stiegen die beiden Sopranistinnen Antonia und Annika Krämer mit ihren ausdrucksstarken, artikulierten und hellen Stimmen noch tiefer in Beethovens Gefühlswelt ein. Antonia trug das „Mailied“ vor. Es handelt von Frühlings- und Liebesleid handelt, und zeigte bei „Ich liebe dich“ gefühlvoll auf, zu welch zärtlicher Liebe der Komponist fähig war. Feierlich und mit Andacht erklangen von Annika die „Bitten“ und das düstere „In questa tomba obscura“. Beide Sängerinnen imponierten mit dem Wechsel in Dynamik und Tempo, mit Treffsicherheit in den Intervallen, mit den kräftigen hohen Tönen und mit ihrer Hingabe an Text und Melodie: Höhepunkte des Konzerts.

Ganz stark aus dem Gefühlsinhalt heraus zu verstehen sollte das „Adagio Cantabile“ aus der „Sonate in c-Moll (Pathétique)“ sein, das Karl-Heinz Kuhl meisterhaft interpretierte. Gebaut in dreiteiliger Form (AABA) wandte sich das Thema aus tiefer Lage vielsagend in die Höhe zu einem unerwarteten Forte im Triolenteil mit 16-tel-Noten: Da „öffnete sich der Himmel“.

Als Bravourstück eines Klaviervirtuosen erwiesen sich die drei Sätze der emotionsgeladenen „Mondscheinsonate op. 27“, bei der sich Florian Schieder intensiv in die Melodie vertiefte. Dem an eine Bootsfahrt erinnernden Adagio folgten ein Allegretto und ein hochdramatisches Finale mit großen Tonsprüngen, die mit tanzenden Händen bewältigt wurden.

Zum abschließenden Höhepunkt wurde der 1. Satz der „Sonate für Violine und Klavier“, eine echte Herausforderung für viele Musiker, aber nicht für Karl-Heinz Kuhl am Klavier und die Musikstudentin Johanna Baumann. Beide Instrumente begegneten sich auf Augenhöhe und offenbarten reizvolle rasante Dialoge, welche die Violinistin mit inniger Hingabe und wirbelnden Fingern ausführte.

Werke von drei weiteren bedeutenden Komponisten ergänzten das Projekt und wurden ebenso gekonnt dargeboten: Der 12-jährige Pianist Bastian Winhöfer spielte Bachs „Invention F-Dur“, Annika Krämer zeigte ihr Operettenkönnen beim „Lied vom Waldmägdelein“ aus Lehárs „Die lustige Witwe“ und die Pianistin Hannah Schieder glänzte mit Mendelssohns mehrteiligem, in den Zwischenteilen aufwühlendem „Rondo Capriccioso“. Mit der vierhändig von Kuhl und Florian Schieder vorgetragenen Weihnachtsmelodie „Sleigh Ride“ endete ein gelungenes, mit reichlich Beifall bedachtes Konzert.

Sopranistin Annika Krämer Bild: Schönberger, Ferdinand [fsb]
Sopranistin Annika Krämer
Pianist Fabian Staufer Bild: Schönberger, Ferdinand [fsb]
Pianist Fabian Staufer
Pianistin Laura Meier Bild: Schönberger, Ferdinand [fsb]
Pianistin Laura Meier
Violinistin Johanna Baumann Bild: Schönberger, Ferdinand [fsb]
Violinistin Johanna Baumann
Florian Schieder und Karl- Heinz Kuhl am Piano Bild: Schönberger, Ferdinand [fsb]
Florian Schieder und Karl- Heinz Kuhl am Piano
Pianistin Hannah Schieder Bild: Schönberger, Ferdinand [fsb]
Pianistin Hannah Schieder
 
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