27.02.2020 - 10:20 Uhr
ParksteinOberpfalz

Eine deutsch-böhmische Karriere

Als Lohn für seine Verdienste im Krieg erhält Dietrich von Portitz, auch bekannt als Dietrich Kagelwit, von Kaiser Karl IV. auf Lebenszeit die Burg Parkstein.

Erzbischof Dietrich wurde gemäß seinem Testament hinter dem Hochaltar im Chor der Magdeburger Domkirche beigesetzt.
von Rainer ChristophProfil

Sogar in Parkstein selbst ist der Burgherr Dietrich von Portitz kaum jemandem bekannt. Ob im historischen Lexikons Bayern, der Wikipedia oder den Webseiten der Marktgemeinde, es ist wenig oder kaum etwas über die böhmische Zeit von Ort und Burg zu finden.

Als böhmischer und deutscher König belehnte Karl IV. im Jahre 1347 die Burggrafen zu Nürnberg mit den Festen Floß und Parkstein. Er erlaubte ihnen zugleich "alle Raubhäuser und Vesten, darauf man des Reiches Straßen beschädigt und beraubt, zu bezwingen" und verlieh ihnen dieselben zu rechtem Lehen.

Mit dem Aufblühen der Goldenen Straße ist der Erwerb großer Gebiete westlich des Böhmerwaldes verbunden. Nach der Hochzeit mit Anna von der Pfalz brachte das 1353 bedeutenden Gebietszuwachs. So kaufte er nicht nur die Vesten Neustadt, Störnstein und Hirschau. Um das Weihnachtsfest des gleichen Jahres gelangte er in den Besitz von Floß und der einst stolzen Stauferburg Parkstein.

Auf seinen Burgen, die als böhmische Amtssitze galten, setzte er als Verwalter Burggrafen oder Pfleger ein. Sie waren an der Goldenen Straße gelegen, für den Geleitwechsel und die daraus resultierenden Mautkosten zuständig. Für einen Wagen mit Wein mussten sechs Heller bezahlt werden. Ein weiteres und wichtiges Gebiet waren die Steuer- und Zinseinnahmen in Naturalien und Geld. So mussten zum Beispiel in Parkstein Honig und Mohn und 50 Fuder Heugilten abgeliefert werden. Und nur im Amt Parkstein wurden ein "Judenzins", aber auch ein "Hundezins", wie in Etzenricht erhoben.

Von 1358 bis 1362 war Tobias von Gablonz aus Nordböhmen Burggraf auf dem Parkstein. 1365 übertrug er auf Geheiß von Karl IV. Ulrich Gleissenthaler vom nahen Gleißenthal das Burggut als Lehen. Dass Bischöfe in der damaligen Zeit nicht nur friedfertig waren, zeigt die Tatsache, dass Dietrich von Portitz, damals noch Bischof von Minden, an der Spitze eines böhmischen Heeres in Bayern eindrang. Er führte erfolgreich die Truppe des Kaisers gegen die bayerischen Herzöge in Niederbayern und der böhmischen Oberpfalz, da diese das Gesetz der "Goldenen Bulle" nicht akzeptierten. Die "oberpfälzischen Orte Floß und Weiden samt Umgebung wurden von bayerischen Truppen geplündert, Gefangene und Vieh nach Süden getrieben". Portitz drang "mit 600 Helmen" von Neuböhmen siegreich bis zur Donau vor. 1357 wurde in Donaustauf ein Waffenstillstand geschlossen, ein Jahr später kam in Prag der Friedensbeschluss.

Karl belohnte ihn dafür, indem er Dietrich auf Lebenszeit die Nutzung der Stadt Weiden und der Burg Parkstein übertrug. 1398 ließ Böhmenkönig Wenzel IV. die erste Kirche im Ort erbauen. 1401 schenkte er Parkstein dem Landgrafen Johann I. von Leuchtenberg, der die Veste fünf Jahre später dem Nürnberger Burggrafen und Pfalzgraf Johann von Neumarkt als Kriegsentschädigung überlassen musste.

Der historisch bekannteste Pfleger Parksteins war demnach ohne Zweifel Dietrich von Portitz, auch bekannt unter dem Namen Dietrich Kagelwit (geboren um 1300 in Stendal, gestorben am 17. Dezember 1367). Kagelwit gilt als die bedeutendste Persönlichkeit des Mittelalters aus der Altmark. Aus einer später geadelten Stendaler Bürgerfamilie stammend, bekleidete er sowohl hohe Staats- wie auch Kirchenämter in den Ländern der böhmischen Krone.

Bei all seinen Funktionen und Ämtern wird er nicht oft auf dem Parkstein präsent gewesen sein. Als Berater und Kanzler Karl IV. trug er maßgeblich zum Erwerb der Altmark durch die böhmische Krone bei und gelangte über diese einflussreiche Rolle auf die Position des Magdeburger Erzbischofs. Auch dort wirkte er mit starker Hand und konnte den Abschluss der Dombauarbeiten durchsetzen.

Der Name Kagelwit rührt von einer weißen Kapuze her, die er als Zisterziensermönch im Kloster Lenin trug. In Böhmen war er eine der einflussreichsten Persönlichkeiten, in seinen Händen lag hauptsächlich die Verwaltung des Landes. Der König überhäufte den tapferen und staatsklugen Bischof mit Gnadenbezeugungen, gab ihm das Schloss Parkstein mit Weiden auf Lebenszeit zum Lehen. Gleichzeitig übertrug er ihm die oberste Verwaltung des gesamten Finanzwesens seines Reiches und beförderte ihn zur Würde eines Vysehrader Propstes und obersten Kanzlers in Böhmen. Die Urkunden König Karls sind seines Lobes voll, namentlich heben sie seine großen Verdienste um die finanzielle Hebung des Landes hervor.

Auch zu diplomatischen Missionen wurde der erfahrene Bischof benutzt: An der Kaiserkrönung Karls hatte er einen wesentlichen Anteil. Erzbischof Dietrich wurde gemäß seinem Testament hinter dem Hochaltar im Chor der Magdeburger Domkirche beigesetzt.

Buch:

Dietrich von Portitz

Über die Geschichte dieses in Vergessenheit geratenen Erzbischofs mit einer einzigartigen Karriere hat Eberhard Kemnitz ein Buch herausgegeben (Dr.-Ziethen-Verlag, Oschersleben). Auf 70 Seiten, mit vielen Illustrationen, wird in 18 Artikeln die Biografie einer außergewöhnlichen Persönlichkeit beschrieben. Kemnitz forschte über 15 Jahre zu diesem Thema und entwickelte aus den Resultaten eine Ausstellung, die 2017 auch in Parkstein zu sehen war. (cr)

Eberhard Kemnitz veröffentlichte ein Buch über "Kagelwit".
Eberhard Kemnitz stellte sein Buch bei der Ausstellung in Parkstein im Jahr 2017 vor.
Der Name Kagelwit rührt von einer weißen Kapuze her, die Dietrich von Portitz als Zisterziensermönch im Kloster Lenin trug.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.