(bey) Die abendliche Veranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung im Steinstadel erinnere an das vor 100 Jahren hart erkämpfte Wahlrecht für Frauen, erinnerte die Regensburger Landtagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer. Dies sei für die jetzigen Generationen besonders wichtig, weil es derzeit als Selbstverständlichkeit erachtet werde. Der Hinweis auf die derzeitige Frauenquote im Bundestag von 30,7 Prozent und im Landtag von 28,3 Prozent mache deutlich, dass es noch viel zu tun gebe, betonte Stierstorfer zu Beginn der Diskussionrunde der Veranstaltungsreihe "Frauen gestalten Politik".
Die erste Frage von Moderatorin von Rebecca Rinkl nach ihrem guten Abschneiden bei der Bezirkstagswahl richtete sich an Pleysteins zweite Bürgermeisterin Andrea Lang. Sie hatte mehr Stimmen bekommen als Bezirkstagspräsident Franz Löffler. Lang sprach von großer Unterstützung im Wahlkampf durch die Ehrenkreisvorsitzende der Frauen Union Sieglinde Schärtl und durch Landtagsabgeordnete Petra Dettenhöfer.
Wertschätzung im Rat
Außerdem sei sie im Wahlkampf viel unterwegs gewesen und habe wahrscheinlich den Nerv der Menschen getroffen. Zur Politik sei sie vor zehn Jahren nach intensiven Gesprächen mit dem Pleysteiner CSU-Vorsitzenden gekommen. Kommunalpolitik liege ihr. "Als Berufspolitikerin will ich nicht tätig sein." Im Stadtrat erfahre sie viel Wertschätzung.
Eine Frau empfinde die Familie anders als ein Mann, sagte Lang. Mit der Elternzeit auch für Männer ergebe sich eine andere Betrachtungsweise. Wichtig sei, dass diese positiven Änderungen auch von den Frauen akzeptiert würden.
Menschen zu mögen sei mit dem Amt als Bürgermeisterin eng verbunden, meinte Parksteins Rathauschefin Tanja Schiffmann. Dazu gehöre auch, die Menschen in ihrer eigenen Art zu verstehen. Als Kreisvorsitzende müsse sie die Frauen motivieren. "Mit Beharrlichkeit lässt sich vieles erreichen." Jeder Frau müsse der Einstieg in die Politik über den jeweiligen Gemeinderat zugetraut werden. Sie selbst sei auf diesem Weg auch zur CSU, in den Marktgemeinderat und zur Führung des Kreisverbandes der Frauen Union gekommen.
Dagmar Nachtigall beherrscht nach ihren Äußerungen das Zeitmanagement für ihre umfangreichen Aufgaben sehr gut. "Personalratsvorsitzende und Bürgermeister haben Ähnlichkeiten", meinte die Sparkassenangestellte. Ihr Blick richte sich besonders auf Mütter. Als notwendige Qualifikationen für Frauen in der Politik nennt sie die Bereitschaft zu Veränderungen, auf die Menschen zuzugehen sowie feste Meinungen zu haben und zu vertreten.
Vor- und Gegenbild
Positives Vorbild sei Franz-Josef Strauß. Als Gegenteil bezeichnete sie Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, der zu wenig auf den Tisch haue. Erste Themen der Weidener Stadträtin seien der Kampf gegen der WAA in Wackersdorf gewesen und dann habe sie die Besteuerung von Flugbenzin gefordert.
Stierstorfer ist bereits als 16-Jährige in die Politik eingestiegen, als sie Strauß am Regensburger Domplatz erlebt hatte. In der Folgezeit sei sie eine "Grüne" bei der CSU gewesen mit Einsätzen zum Müllsammeln. Später führte sie der Weg zur Frauen Union. Grundsätzliches Ziel sei das Bestreben gewesen, positive Veränderungen einzuführen. "Meine Familie ist der beste Kritiker." Bei Familienfeiern höre sie andere Meinungen, vor allem auch junger Menschen.
Klar für eine Frauenquote spricht sich Stierstorfer aus. Sie sei Voraussetzung, um Frauen in Positionen zu bringen. Lang bekannte, in ihrer Anfangszeit in der Frauen Union gegen eine Frauenquote eingestellt gewesen zu sein. Aufgrund der Daten von Statistiken habe sie ihre Meinung geändert. Schiffmann spricht sich ohne jeden Vorbehalt für die Frauenquote aus auch auf kommunaler Ebene. Nachtigall sieht ein Problem, die für Frauen vorgesehenen Positionen zu besetzen, so dass zwangsläufig Männer eingesetzt werden müssten.
Stierstorfer wünscht sich, dass die Besetzung wichtiger Positionen in Politik und Wirtschaft mit Frauen selbstverständlich werde und nicht zu Diskussionen führe. Lang hofft auf verstärkte Bürgerbeteiligung an der Politik, auf die Abkehr von der Politikverdrossenheit und eine höhere Wahlbeteiligung. Schiffmann votiert außerdem dafür, sich aus den Themen der Bürger Meinungen zu bilden. Nachtigall befürchtet ein Anwachsen von Splitterparteien. Frauen die AfD wählten, hätten keine Ahnung von dieser Partei. Aus Protest AfD zu wählen, sei der falsche Weg. "Das müssen wir aus den Köpfen bringen."
Zuschnitte ändern
In der anschließenden Diskussion räumt Barbara Heimerl ein, früher gegen die Frauenquote gekämpft zu haben. Nach über 20 Jahren habe sie aber deren Richtigkeit erkannt. Sie sieht die Notwendigkeit, die Stimmkreise anders einzuteilen. Nur dann könnten mehr Frauen in die Parlamente einziehen.
Eine Gleichberechtigung bei der Mütterrente ohne Rücksicht auf die Zahl der geborenen Kinder sowie eine Gleichwertigkeit von Männern und Frauen, fordert Schärtl. Außerdem setzt sie sich für eine prozentuale Einzahlung aus dem Erziehungsgeld in die Rentenkasse ein.
Von Problemen, Kandidatinnen für Kommunalwahlen zu finden spricht Angela Burger aus Waldershof. Es sei aber auch notwendig, dass Frauen den Bewerberinnen ihre Stimmen geben. Bei jeder Wahl müssten rein rechnerisch viel mehr Stimmen auf Frauen entfallen.

















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