07.03.2019 - 16:24 Uhr
ParksteinOberpfalz

Kleine Kostbarkeiten

Stoffe aus Samt und Seide, Perlen, Swarovski-Kristalle und Golddrähte – das brauchen sieben Frauen, um ihre Klosterarbeiten herzustellen. Im Parksteiner Steinstadl werden sie nun ausgestellt.

von FSBProfil

Die Idee, Exponate zu dieser Thematik im Jahresprogramm zu präsentieren, reifte bei Vorgesprächen von Bürgermeisterin Tanja Schiffmann und Regina Kiermaier, Leiterin des Vulkanmuseums, mit Inge Perini, die mit weiteren Künstlerinnen eine breite Palette dieser kunsthandwerklichen Erzeugnisse fertigte. Ihre Wohnung mit über 120 Einzelstücken in Schränken und Glasvitrinen gleicht einem kleinen Museum.

Klosterarbeiten sind als verschönerte Andachtsgegenstände seit dem 15. Jahrhundert Teil des religiösen Brauchtums, der Volkskunst und des Kunsthandwerks. Die eigentliche Blütezeit der in Urkunden und alten Handschriften „Schöne Arbeiten“ genannten Werke lag im 17. und 18. Jahrhundert. Sie wurden hauptsächlich in Bayern, Österreich, Südtirol und in der Schweiz hergestellt.

Heutzutage entdecken viele Menschen ihr Interesse an diesem schönen Kunsthandwerk und bewahren mit der Herstellung von Klosterarbeiten eine lange Tradition. So erging es auch sieben Frauen aus Parkstein, Neustadt/WN, Hessenreuth, Neunkirchen, Wildenau und Kastl bei Kemnath. Mittlerweile treffen sie sich seit 15 Jahren regelmäßig am Freitagnachmittag für drei Stunden bei Inge Perini im Wintergarten in Parkstein. Unter Leitung von Monika Frisch aus Hessenreuth, die 2012 im Stadtmuseum Deggendorf ihre Werke präsentierte, fertigt jede in der Gruppe zu einem vorgegebenen Thema Kunstwerke an. Eine Auswahl davon ist nun in der Ausstellung zu sehen.

Inspiriert für dieses künstlerische Schaffen wurden die Künstlerinnen durch Kurse an der Landwirtschaftsschule Weiden oder über „Murnauer Wachskunst“ in Hahnbach, Ausstellungs- und Museumsbesuche sowie Besichtigungen von Klöstern wie Waldsassen, Waldersbach oder dem Loretto-Kloster in Salzburg. Sie legen großen Wert darauf, dass es sich dabei nicht um Bastelarbeiten handelt. Vielmehr geht es darum, soweit wie möglich alte Techniken zu erforschen und damit die historischen barocken Originale, die Vorgaben der alten Meister, nach individueller Vorstellung in neue bescheidene Kunstwerke umzusetzen. Das geschieht aufgrund von Vorlagen und von mit Erlaubnis der Besitzer aufgenommenen Fotos aus Klöstern, Kirchen und Museen.

Hierfür werden wertvolle Stoffe aus Samt und Seide, Klöppelspitzen, Gold- und Silberdrähte, echte Perlen, Swarovski-Kristalle und hochwertige Wachsteile verwendet. Als Grundwerkzeuge dienen verschiedene Zangen, Stricknadeln, um die die Drähte zu Ornamenten mit Blättern und Blüten gewickelt werden, Spitzahle, Schere, Hammer, Nadel und Faden und vor allem auch eine Klosterarbeitenmaschine. Zusätzliche Holzteile wie Rahmen, Kästchen oder Sockel fertigt ein Schreiner.

Für die Vollendung dieser Handarbeiten bedarf es geschickter Fingerfertigkeit, innerer Ruhe, unbeschwerter Stimmung, Stilsicherheit, Liebe zum Detail, Freude am Schaffen und Geschaffenen und hauptsächlich eines großen Zeitaufwands und viel Geduld. So wollen Klosterarbeiten mehr sein: bildgewordene Andacht, Werke der Meditation, ein Gotteslob im Ausdruck des Schmückens, ein „Beten mit den Händen“, wie es Abt Marianus Bieber vom Kloster Niederaltaich im Grußwort eines Ausstellungskataloges beschreibt.

Von den entstandenen gold- und silberdurchwirkten Arbeiten stellten Inge Perini und Monika Frisch einige besonders heraus. Da finden sich liebevoll verzierte und kostbar gekleidete Fatschenkindl (das eingewickelte, liegende Jesuskind) ebenso wie barocke Krippenfiguren der himmlischen Herolde (Götterboten), Statuen von zarter Schönheit oder gerahmte und in Kästchen gesetzte Andachts- und Kulissenbilder von Maria, anderen Heiligen und von Christus am Lebensbaum mit barocken Ornamenten. Ein mitgeführtes klappbares Reisealtärchen zu Ehren der Heiligen Walburga sollte Schutz gewähren und enthält ein Fläschchen mit Walpurgisöl. Dieses soll in den Wintermonaten unter dem Reliquienschrein der Heiligen in Eichstätt austreten. Ein Wetter- und Haussegen ist rund gerahmt, damit dieser nie schief hängt. Eher selten ist die figürliche Näharbeit „Maria Bambina“ (Maria als Wickelkind mit Häubchen) nach einer Vorlage aus einem Mailänder Kloster.

Die in wertvolle Stoffe gehüllten Figuren, der strahlende Glanz der Bilder, die das Licht reflektierenden bunten Steine und goldenen oder silbernen Flächen schaffen eine schimmernde Stimmung, die auch auf die Betrachter übergreifen, sie erfreuen und ihnen etwas von der meditativen Klosterarbeit vermitteln soll.

Info:

Ausstellung

Eröffnet wird diese Ausstellung im Steinstadl am Montag, 18. März, um 18 Uhr. Sie kann bis 31. März zu den üblichen Öffnungszeiten des Vulkanmuseums (Donnerstag bis Sonntag jeweils von 13 Uhr bis 17 Uhr) besichtigt werden. Dabei steht für weitere Informationen und Erklärungen immer eine Teilnehmerin aus der Kunsthandwerksgruppe zur Verfügung. Der Eintritt ist frei.

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