15.10.2021 - 11:23 Uhr
ParksteinOberpfalz

Planungen für Gewerbegebiet spaltet Marktgemeinderat

Die Planungen für das Gewerbegebiet Nord II der Firma Witron in Parkstein stoßen nicht bei jeder Behörde auf Gegenliebe. Auch im Marktrat ist ein Zwiespalt erkennbar.

Zum Geltungsbereich des Bebauungsplans "Gewerbegebiet Nord II" gehört das Grundstück oberhalb des landwirtschaftlichen Gebäudes am unteren Bildrand, einschließlich des lange als Baulager genutzten Grundstücks (Bildmitte) bis zur Mitte des kürzlich fertig gestellten Werks 2.
von Walter BeyerleinProfil

Bei der Abwägung der eingegangenen Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange zum Gewerbegebiet Nord II der Firma Witron herrschte zunächst Einigkeit im Marktrat. Doch die Stellungnahme des Sachgebiets Naturschutz, das der Planung nicht zustimmt, sorgte auch im Gremium für klare Aussagen. Die Räte relativierten mit Stimmenmehrheit zwar die Einwendungen des Sachgebiets, bei den Einwendungen eines direkt betroffenen Anliegers wurde erneut ein Zwiespalt im Marktrat deutlich.

Auf 17 DIN A-4 Seiten im Querformat hatte Architekt Josef Schöberl die eingegangenen Stellungnahmen und Äußerungen der Träger öffentlicher Belange zum Bebauungsplan „Gewerbegebiet Nord II“ einschließlich der vom Marktrat zu beschließenden Abwägungen oder auch gegenteiligen Äußerungen festgeschrieben. Auf sechs weiteren Seiten hat Schöberl die Einwendungen eines direkten Anliegers niedergeschrieben und ebenfalls die entsprechenden Stellungnahmen der Marktgemeinde.

Landschaft verschandelt

Die Naturschutzbehörde geht in ihrer Stellungnahme ausführlich auf die Vogelwelt ein, lehnt die Bezeichnung „gering“ für die Eingriffserheblichkeit ab und erkennt, dass der herausragende Basaltkegel im Umweltbericht der Firma Witron nicht erwähnt wird. Zu den notwendigen Ausgleichsflächen verwies der Architekt auf neue Grunderwerbe der Firma im Bereich südlich von Gössenreuth, weil die Flächen bei Waldau nicht mehr ausreichen. Silvia Korsche-Ströhl (FWG) kommentierte das nüchtern: „Eine Ausgleichsfläche in Waldau ist ein Schmarrn.“ Das Landschaftsbild werde seit langer Zeit beeinträchtigt, es sei nicht richtig, die Landschaft so zu verschandeln, setzt die Markträtin ihre kritischen Anmerkungen fort und lässt wissen, gegen den Bebauungsplan zu stimmen.

Zusammenfassend fordert das Sachgebiet Naturschutz eine Überarbeitung des Umweltberichts hinsichtlich der Schutzgüter „Arten und Lebensräume“ sowie Landschaftsbild, spricht sich für eine Überarbeitung der Maßnahmenplanung der Ausgleichsflächen aus, bittet um Klärung wie artenschutzrechtliche Belange behandelt werden sollen und regt alternativ eine reale Arterfassung im Gelände vor. Dann gibt die Naturschutzbehörde den Hinweis auf mögliche Verstöße gegen artenschutzrechtliche Verbotstatbestände, was einen Vollzug des Bebauungsplans ausschließen würde. Mit zwei Gegenstimmen akzeptierte der Marktrat die von Schöberl ausgearbeiteten Abwägungen.

Ein unmittelbar betroffener Anlieger sah für sich die Wohnnutzung seines Gebäudes als nicht mehr möglich, beklagte zu befürchtende Lichtemissionen, kritisierte den Verbau der Sicht auf den Parkstein vom gesamten Gebiet Theile aus, hielt dem Unternehmen Verstöße gegen die Festsetzungen von Bebauungsplänen vor und sah im Besonderen Beeinträchtigungen durch Wasserabfluss. All diese Einwendungen begründete der Anlieger detailliert und präzise.

"Ein Riesenklotz"

In der Abwägung brachte der Markt zum Ausdruck, dass er bemüht sei, der ansässigen Firma Witron ausreichende Expansionsflächen zum Erhalt und zur Weiterentwicklung der Firma zur Verfügung zu stellen, aber auch bemüht sei, die Interessen besonders von Anliegern zu wahren. Korsche-Ströhl verstand als Anliegerin die Einwendungen hinsichtlich der Lichtemissionen. Sie forderte die Kommune auf, die Firma zur Einhaltung der Auflagen zur Begrünung aufzufordern, ebenso diese für Licht- und Schallemissionen. Keinen Zweifel ließ Korsche-Ströhl daran, dass auch sie eine massive Beeinträchtigung des Ortsbilds von Theile aus erkenne. „Da ist ein Riesenklotz vorhanden und ein weiterer Klotz wird hingebaut.“

Sonja Reichold (Die Grünen) erinnerte, dass die Eingrünung bei der Firma FAS erst nach Anmahnung erfolgt sei. Die Bedenken des Anliegers seien nachvollziehbar und zu verstehen. Reichold hatte vor allem Bedenken hinsichtlich der Verkehrsentwicklung und hinterfragt die Ortsverträglichkeit, wenn die Einwohnerzahl geringer sein werde als die Zahl der Beschäftigten in dem Unternehmen. „Es muss sich alles mit dem Ort vertragen.“ Mit zwei Gegenstimmen nahm der Marktrat die Abwägungen an und billigte die erneute Auslegung des Bebauungsplans.

Im März war das Gewerbegebiet bereits Thema im Parsteiner Marktrat

Parkstein

„Eine Ausgleichsfläche in Waldau ist ein Schmarrn.“

Silvia Korsche-Ströhl (FWG)

 

 

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