20.09.2021 - 15:11 Uhr
ParksteinOberpfalz

Witron-Mitarbeiter aus Parkstein gehen mit Kindern und Hunden nach Australien

Für Familie Weiß aus Parkstein beginnt ein großes Abenteuer: In wenigen Wochen verlagern Patrick, Nicole, Lukas, Jack und ihre beiden Hunde ihr Leben nach Australien. Möglich macht dies ihr Arbeitgeber Witron – und zwar nicht nur für sie.

Umzugs-Endspurt: Patrick Weiß, seine Frau Nicole Weiß, die Söhne Lukas (12) und Jack (10) sowie die beiden Hunde Miko und Hoschi ziehen im Oktober nach Australien. Dort baut die Firma Witron, bei der Patrick und Nicole Weiß arbeiten, zwei Logistik-Zentren.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Die Uhr tickt, und sie wird immer lauter. Keine drei Wochen bleiben Patrick Weiß (39) aus Parkstein, bis er mit seinem großen Sohn Lukas (12) in Deutschland ins Flugzeug steigt, um nach Australien auszuwandern. Zurück bleiben seine Frau Nicole (35), der jüngere Sohn Jack (10) und die beiden Hunde Miko und Hoschi – aber nur kurzfristig. Auch sie werden kurz darauf im Flieger sitzen und ihr Leben nach Brisbane verlagern. „Ich bin müde, kraftlos und geschafft vom Packen und Möbel tragen“, sagt Nicole Weiß. „Aber wir können es kaum noch erwarten.“

„Am Wochenende hatten wir eine Abschiedsparty. Die Familie ist aus ganz Deutschland angereist. Da sind schon Tränen geflossen“, erzählt ihr Ehemann. Seine Frau spricht von einem „Auf und Ab der Gefühle“.

Mit Entscheidung gekämpft

Das Auswanderer-Ehepaar arbeitet bei Witron – er in der IT, sie in der Mechanik-Simulation. Die Parksteiner Logistikfirma baut für die Supermarktkette Coles in Australien zwei Verteilzentren. Patrick Weiß übernahm Ende 2020 als IT-Projektleiter die Zuständigkeit für das Entwicklerteam und die Software in diesen Zentren. Damit stand der Umzug nach Australien im Raum. Die Entscheidung kostete die Familie Nerven.

Sollte er alleine immer mehrere Wochen in Australien arbeiten und dann für ein paar Wochen zu seiner Familie fliegen? Sollten sie das in Parkstein gemietete Haus unbewohnt weiter mieten, untervermieten oder kündigen? Würden die Söhne sich ins neue Leben einfinden? Können die Hunde mit? „Wir haben mehrere Wochen mit der Entscheidung gekämpft“, erinnert sich Patrick Weiß. „Ich habe zwischendurch gesagt, ,Ich will es nicht mehr hören, wir bleiben einfach hier‘.“ „Wir haben das ein oder andere Mal ziemlich diskutiert“, sagt seine Frau. Schließlich hätten sie sich geeinigt: „Wir machen das.“

Ihre Söhne seien zuerst „stinkesauer“ gewesen. „Der Große hat gesagt, ,Ich gehe zu Opa‘“, so seine Mutter. Inzwischen frage Lukas aber, wann sie endlich abfliegen. Die Kinderzimmer sind längst leergeräumt. Geschlafen wird auf Matratzen. Der zehnjährige Jack tut sich seinen Eltern zufolge noch etwas schwer, habe Angst vor der Schule und der neuen Sprache. Ein bisschen Auch für seinen Vater ist die Schule der größte „Angstpunkt“, wie er es selbst nennt. „Ich hoffe, dass alles gut geht.“

Zweifel hin oder her: Er und seine Frau wissen sehr wohl, worauf sie sich einlassen. Denn es ist nicht das erste Mal, dass sie zusammen ein Leben im Ausland beginnen.

Acht Jahre in den USA

„Ich bin durch die Firma schon viel in der Welt herumgereist, zum Beispiel in Singapur, Kanada“, berichtet der IT-Projektleiter. Vor allem aber sind seine Frau und er nur ein halbes Jahr, nachdem sie ein Paar geworden waren, in die USA gegangen. Das war 2004. Sie war erst 18 Jahre jung, er 22. Der Arbeitsvertrag war auf ein Jahr befristet. Geblieben ist das Paar acht Jahre lang. Erst 2012 kehrten sie aus Nordmississippi zurück – zu viert. Lukas und Jack wurden in den USA geboren. Lukas besuchte dort den Kindergarten.

„Ich denke, durch die USA-Erfahrung habe ich nicht mehr so viel Angst vor diesem Schritt“, sagt Patrick Weiß. „Wir haben nicht so die Wurzeln wie viele andere“, ergänzt seine Frau. „Ich war als Kind in verschiedenen Kinderheimen. Ich habe dieses Sesshafte nicht.“ Sie sagt aber auch: „Uns fällt es schon schwer, zu gehen. Ich habe eine enge Bindung zu meinen Geschwistern und meiner besten Freundin, ebenso zu den Arbeitskollegen. Die ziehen momentan alle mit um, weil sie alles mitkriegen. Und sie stehen uns alle zur Seite. Das macht es ein bisschen leichter.“

Die 35-Jährige ist ihrem Arbeitgeber dankbar: „So eine Chance kriegen wir nie wieder. Wir sind jung und gesund. Ich freue mich, den Kindern etwas zeigen zu können, wo nicht viele eine Chance zu haben. Viele sagen ,Seid ihr mutig! Wir würden uns das nicht trauen, vor allem mit Kindern.‘ Aber wenn ich alt bin, will ich sagen, ich habe diese Chance genutzt. Und mich zufrieden zurücklehnen.“ Ihre Arbeit könne sie im Homeoffice weiterführen. Die Zeitverschiebung sei kein Problem: „Für Meetings muss ich mich abends noch einmal einloggen oder meine Arbeitszeiten entsprechend verschieben.“

Nicht in deutscher Blase leben

Die Parksteiner Familie ist reiseerprobt, doch Australien ist trotzdem ein großes Abenteuer. Weder Patrick Weiß, noch seine Frau Nicole waren jemals dort. Die wegen der Corona-Pandemie strikten Einreisebeschränkungen machten einen Besuch unmöglich. Das Haus, das die Familie gemietet hat, konnte sie nur virtuell besichtigen. Das Ehepaar weiß aber, worauf es sich freut. „Punkt eins ist die Arbeit. Sie ist der Grund, warum wir hingehen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dem Team dort und den Australiern.“ Ansonsten auf der Vorfreude-Liste: Besseres Wetter, Reisen durchs Land und eine, wie sie hoffen, entspanntere Lebensweise.

„Die Australier sind gefühlt relaxter unterwegs als wir in Deutschland“, weiß der Projektleiter unter anderem aus Online-Konferenzen. Ihm ist auch klar, was er am meisten vermissen wird: „Einfach mal zu Freunden rüber zu gehen.“ Er sei jedoch sicher, auch in Australien einen Freundeskreis aufbauen zu können. Nur eines wolle seine Familie nicht: „In einer deutschen Blase leben.“ Deshalb sei es ihnen nicht wichtig gewesen, in die Nähe deutscher Kollegen zu ziehen.

Hunde auf großer Reise

Bis die Familie sich aufs Kontakteknüpfen konzentrieren kann, hat sie allerdings noch einige Hürden zu meistern. Unter anderem der Umzug der Hunde ist eine Herausforderung, und alle müssen längere Zeit in Quarantäne. Am 8. Oktober wird Patrick Weiß mit Lukas in den Flieger steigen. Am 12. Oktober bringt Nicole Weiß die Hunde zum Flughafen, von wo aus die Tiere alleine nach Melbourne fliegen. Dort müssen sie zehn Tage in Quarantäne, dann geht’s per Flugzeug nach Brisbane. Das ist der Angstpunkt von Nicole Weiß.

„Ich sehe die Hunde das letzte Mal in Deutschland am Flughafen und dann erst wieder nach ihrer Quarantäne. Ich habe Angst, dass etwas schiefgeht oder sie schlecht behandelt werden.“ Um sicher zu sein, dass die Tiere nicht herrchenlos in Deutschland stranden, fliegt sie mit Jack erst am 17. Oktober ab. Nach der Ankunft müssen sie ebenso wie Vater und Sohn Lukas 14 Tage lang in Quarantäne. „Vom Flughafen aus geht es mit Polizei- oder Militärbegleitung zu einem zugewiesenen Hotel. Man darf das Zimmer 14 Tage lang nicht verlassen. Drei Mal am Tag wird Essen gebracht. Raucher haben es offenbar schwer: Die bekommen nur ein kostenloses Nikotinpflaster“, erzählt der Familienvater. Wann seine Familie dieses Mal zurück nach Deutschland kommt? Sein Arbeitsvertrag läuft über zwei Jahre. Das Visum erlaubt vier Jahre Aufenthalt.

Walter Winkler blickt zurück auf sein Lebenswerk Witron

Parkstein

Witron baut zwei Verteilzentren für Coles in Australien

Parkstein
Hintergrund:

Witrons Bauprojekte in Australien

  • Die Parksteiner Logistik-Firma Witron baut im Auftrag der Supermarktkette Coles in Australien zwei automatisierte Verteilzentren nahe Brisbane und Sydney. Größe: je 70 000 Quadratmeter.
  • Eines der Lager geht noch in diesem Jahr an den Start, das zweite soll 2023 fertiggestellt werden.
  • Von diesen Verteilzentren aus sollen aus einem kompletten Trockensortiment gut 240 Coles-Supermärkte im Bundesstaat New South Wales und 170 in Queensland beliefert werden.
  • Zu Spitzenzeiten werden rund 50 Witron-Mitarbeiter aus Deutschland in Australien arbeiten. Hinzu kommen zahlreiche weitere Mitarbeiter von anderen Standorten, zum Beispiel in Spanien und den USA.
  • Rund 25 dieser Mitarbeiter werden bis zur Fertigstellung der beiden Bauprojekte zwischen Australien und Deutschland „pendeln“ (zum Beispiel sechs Wochen Australien, drei Wochen Deutschland).
  • Die anderen 25 Mitarbeiter werden für ein bis drei Jahre nach Australien versetzt. Davon wiederum kommen rund 15 Mitarbeiter aus den Landkreisen Neustadt/WN, Tirschenreuth oder Schwandorf sowie aus Weiden.
  • Dass wie im Falle von Patrick Weiß die ganze Familie nach Australien zieht, ist eher die Ausnahme. Viele der sonstigen Mitarbeiter sind jung und ungebunden.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.