10.01.2022 - 09:04 Uhr
ParksteinOberpfalz

Nach zwei Monaten Odyssee: Familie aus Parkstein endlich in Australien zu Hause

Ans andere Ende der Welt wanderte Familie Weiß aus Parkstein im Oktober mit Kind und Kegel aus. Doch die Abreise nach Australien stand kurz vor dem Abflug plötzlich auf der Kippe, und der Start in der neuen Heimat gestaltete sich schwierig.

Familie Weiß in einem Reservat für Koalas. Patrick und Nicole Weiß sowie ihre Söhne Lukas (12) und Jack (10) hatten allerdings keinen leichten Start in ihrer neuen Heimat Australien.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

"Es ist gerade Zeit für den Pool", sagt Patrick Weiß am Telefon. Es klingt, als wäre er noch in Parkstein. Doch im Oktober wanderte der 39-jährige IT-Projektleiter bei Witron mit seiner Frau Nicole (35), die ebenfalls bei Witron in der Mechanik-Simulation arbeitet, ihren Söhnen Lukas (12) und Jack (10) sowie den beiden Hunden ans andere Ende der Welt aus. Dort arbeitet das Ehepaar weiter für Witron. In dem Vorort von Brisbane an der Ostküste Australiens, in dem die Familie nun lebt, sind es Ende Dezember 36 Grad. Wassertemperatur im Pool: 31 Grad. "Das ist nicht mehr abkühlen", stöhnt Patrick Weiß unter der Hitze, die man sich zeitgleich bei Minusgraden in Deutschland irgendwie gar nicht so recht vorstellen kann. Was wie Urlaub klingt, war für die Parksteiner Familie allerdings alles andere als ein Spaziergang. Dass die Familie nun überhaupt wie geplant in Australien ist, schien kurz vor dem Abflug plötzlich nicht mehr realistisch zu sein.

Auswanderung auf der Kippe

„Ich bin müde, kraftlos und geschafft vom Packen und Möbel tragen“, hatte Nicole Weiß Ende September gegenüber Oberpfalz-Medien gesagt. Da ahnte sie noch nicht, welch Odyssee ihrer Familie noch bevorstehen würde. Die ganze Unternehmung schien schon zwei Wochen später schief zu laufen. "Eine Woche vor Abflug wurde mein und Lukas' Flug storniert", erinnert sich Patrick Weiß. "Den nächsten Flug sollte es erst im Februar 2022 geben." Denn wegen der Corona-Pandemie waren die Flug-Kapazitäten extrem beschränkt. "Nach Brisbane durften pro Woche nur 100 Personen aus Europa einreisen." Plötzlich stand die ganze Auswanderung auf der Kippe. "Wenn Lukas und ich nicht hätten fliegen können, hätten die Hunde nicht abfliegen können, und dann hätten auch Nicole und Jack nicht fliegen können." Es war sogar nötig, dass die ganze Familie in eine Ersatzwohnung zieht, denn das Haus in Parkstein musste sie bereits übergeben. Patrick und Nicole Weiß danken ausdrücklich zwei Helfern, Gerlinde Fenzel von Witron und Michael Haas, der von Australien aus unterstützte. Sie halfen, die Botschaft einzuschalten, kommunizierten mit der Fluggesellschaft und halfen mit der Ersatzwohnung. "Ohne die beiden wären wir aufgeschmissen gewesen", sagt Patrick Weiß. Am Ende lohnte sich die Mühe. "Wir haben erst zwei Tage vor Abflug erfahren, dass wir fliegen können", erinnert sich seine Frau. Und auch der Inlands-Flug für die beiden Hunde wurde storniert. Am Ende entschied sich die Familie mangels Alternativen für einen Charterflug für die Tiere, der statt 1000 satte 3500 australische Dollar (statt 630 rund 2200 Euro) kostete.

Angekommen in Australien, hatten die Parksteiner erst einmal nichts von der neuen Umgebung: "Wir haben praktisch zwei Wochen lang die Außenwelt nicht gesehen", erzählt der Familienvater. Denn zunächst war für alle strenge Quarantäne in Hotelzimmern angesagt. "Ich habe noch nie in meinem Leben so viel Kniffel und Uno gespielt", erinnert sich die Mutter, die mit Sohn Jack in einem winzigen Zimmer ausharren musste. Und die nächste Enttäuschung stand bereits bevor.

Giftige Kröten im Garten

Ihre Maklerin habe der Familie gesagt, mit zwei Hunden würden sie nie ein anderes als das von ihr angebotene Haus finden. Deshalb landeten die Oberpfälzer in einem Haus, das sich als nicht passend herausstellte. "Das Haus war ganz ok, aber altbacken. Die Australier scheinen bei Sauberkeit und Ordnung und der Frage, was ein schönes Haus ist, andere Ansprüche zu haben", vermutet Patrick Weiß. Das größere Problem sei aber etwas anderes gewesen: Zum Haus gehörte ein zwei- bis dreitausend Quadratmeter großes Grundstück mit etwa einem Hektar angrenzendem Buschland, auf dem sich ab Sonnenuntergang giftige Aga-Kröten tummelten. "Dreck, Steine und Unkraut, das meterhoch wächst, wenn man sich nicht drum kümmert", beschreibt es der 39-Jährige. Er sah sich jede Woche drei Stunden lang bei brütender Hitze Rasenmähen. Nach einem ungeplanten Umzug in Deutschland kurz vor Abflug, zwei Wochen Quarantäne und weniger als zwei Monaten im neuen Heim zog die Familie Mitte Dezember erneut um, in einen anderen Vorort von Brisbane, nur 23 Kilometer vom Arbeitsort entfernt. In dem Haus mit Pool scheint endlich alles zu passen. "Wir haben sogar Nachbarn." Und die Jungs haben sich an ihre neuen Schulen bereits gewöhnt. Dass das nicht klappen könnte, war im Vorfeld der größte Angstpunkt ihres Vaters. Klar ist aber auch: Australien ist nicht Deutschland, und so haben die Weiß' bereits erste Unterschiede entdeckt.

"Hier ticken die Uhren und tickt die Welt anders", versucht Nicole Weiß, ihre ersten Eindrücke in Worte zu fassen. "Wir sind in Deutschland sehr verwöhnt. Die Leute hier sind entspannter und netter, das holt uns vom Stresspegel her runter. Aber die Menschen hier denken, wir Deutschen sind pingelig und reinlich. Es gibt andere Ansichten darüber, wann es sauber genug ist." Sie und ihr Mann sind sich einig, dass ihr Start in Australien schwierig war. "Aber mir fällt es schon ein bisschen schwerer", gibt sie zu. "Es tut sein Übriges, wenn man in seinen vier Wänden nicht ankommt." Sie vermisse ihre Geschwister und ihre beste Freundin. "Ich habe gute und schlechte Tage und habe an dem ein oder anderen Punkt gesagt, ich will wieder heim. Patrick ist entspannter. Aber er ist auch verständnisvoll."

80 Gigabyte Datenvolumen

Weitere Unterschiede: "Hier kannst du überall mit dem Handy oder der Karte bezahlen", beginnt Patrick Weiß aufzuzählen. Wolle man eine Immobilie mieten, sei es völlig legitim, mehr Geld zu bieten, um den Zuschlag zu bekommen. Der Schuleintritt der Jungs sei teuer gewesen, weil sie jeweils einen Laptop brauchten. Autos seien trotz hunderttausenden Kilometern auf dem Tacho und hohem Alter "abartig teuer". Dafür gebe es Handyverträge mit 80 Gigabyte Datenvolumen und kostenlosen internationalen Anrufen oder Prepaid-Verträge mit 20 Gigabyte für 12 Dollar pro Monat (circa 8 Euro). Online-Shopping dagegen sei überhaupt nicht verbreitet. "Die Lieferzeiten sind der Wahnsinn", sagt Nicole Weiß. Stattdessen gebe es überall kleine Fachgeschäfte. Und dann ist da natürlich die Natur. Kakadus und rote Papageien fliegen herum wie hier die Tauben. "Die machen immer mein Pfeifen nach", erzählt Patrick Weiß. Das Lachen des Kookaburra-Vogels (zu Deutsch: Lachender Hans) ist überall zu hören. "Die nerven", findet Nicole Weiß. Durch die Einfahrt streift schon einmal ein Waren, oder es verirrt sich eine ungiftige Teppichpython dorthin, und auch erste Begegnungen mit den riesigen Huntsman-Spinnen hat die Familie bereits gehabt. "Die sind größer als unser kleiner Hund", lacht der Parksteiner. Die Familie wartet allerdings noch auf die erste Sichtung eines Kängurus. Spätestens im Frühjahr sollte das klappen. "Dann haben wir vermutlich den ersten Urlaub", sagt er. Und dann gilt es, die Gegend einmal genauer zu erkunden. "Camping wird ganz groß geschrieben hier", so der Vater, der aber im neuen Jahr erst noch einige Wochen beruflich zwischen Melbourne und Brisbane hin- und her pendeln wird.

Teil 1: Familie Weiß kurz vor der Auswanderung nach Australien

Parkstein
Hintergrund:

Als Witron-Mitarbeiter nach Australien

  • Die Parksteiner Firma Witron, bei der Patrick und Nicole Weiß arbeiten, ermöglichte der Familie die Auswanderung.
  • Witron baut in Australien im Auftrag der Supermarktkette Coles zwei automatisierte Verteilzentren nahe Brisbane und Sydney.
  • Deshalb arbeiten zu Spitzenzeiten rund 50 deutsche Witron-Mitarbeiter in Australien.
  • Rund die Hälfte wird zwischen Australien und Deutschland pendeln, die andere Hälfte - davon rund 15 Mitarbeiter aus den Landkreisen Neustadt/WN, Tirschenreuth und Schwandorf sowie aus Weiden - werden für drei Jahre nach Australien versetzt.
  • Die meisten Mitarbeiter sind jung und ungebunden. Familie Weiß ist eher eine Ausnahme.
Schlangenfänger im Einsatz: Familie Weiß rief ihn, um die Teppichpython zu sichern. Die Schlange ist zwar nicht giftig, sollte aber nicht mit den Hunden der Familie in Berührung kommen.

 

 

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