09.06.2022 - 10:00 Uhr
Oberpfalz

Parodontitis - Wer besonders gefährdet ist

Parodontitis wird in Wirkung und Ausmaß oft unterschätzt, warnt die Bundeszahnärztekammer (BZÄK). Die Folgen dieser chronischen Entzündung des Zahnfleischs reichen weit über den Mund hinaus.

von Externer BeitragProfil

Ursache und Folgen:

Medizinische Studien zeigen, dass Parodontitis in Wechselwirkung mit anderen Krankheiten steht, teilt die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) mit. Dazu gehören Diabetes mellitus, Rheuma, chronische Atemwegserkrankungen, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Der Anfang einer Parodontitis ist eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis), mit Symptomen wie Zahnfleischbluten, Schwellung und Rötungen. Verantwortlich sind Bakterien, die oberflächlich auf den Zähnen, am Zahnfleischrand und in den Zahnzwischenräumen als Beläge (Plaque) anhaften. Besteht die Zahnfleischentzündung länger, kann sie in eine Parodontitis übergehen.

Ohne Behandlung löst sich das Zahnfleisch von der Zahnoberfläche, es bildet sich ein Spalt zwischen Zahnfleisch und Zahn. Die Entzündung dringt tiefer und baut das Gewebe ab, das den Zahn hält (Zahnhalteapparat wie Zahnhaltefasern und Knochen). Das Zahnfleisch kann weiter anschwellen und zunehmend liegen die Zahnhälse frei.

Durch den Knochenabbau verliert der Zahn an Halt, er kann ausfallen oder muss entfernt werden. Die entzündeten Zahnfleischtaschen werden zu einem Reservoir für Bakterien und können Abszesse auslösen. Die Erreger können in die Blutbahn des Körpers gelangen. "Parodontitis sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen", warnt Dr. Romy Ermler, Vizepräsidentin der BZÄK. "Die Wundfläche bei einer mittelschweren Parodontitis ist fast so groß wie eine Handinnenfläche. Bei einer derart großen Entzündung würde man auch reagieren." Mundgeruch, Zahnfleischbluten, Schwellung des Zahnfleischs sind typische Frühsignale und sollten in der Praxis angesprochen werden. "Denn je früher eine Parodontitis behandelt wird, desto besser. Eine Parodontitis mit Ausbildung von Zahnfleischtaschen bedarf immer einer Behandlung."

Alter und erbliche Veranlagung:

Das Risiko steigt mit dem Alter. Bei 34- bis 44-Jährigen haben gut die Hälfte eine moderate oder schwere Parodontitis, bei 65- bis 74-Jährigen zwei Drittel. Bei jüngeren Menschen sei das Risiko geringer, es sei denn, es liege eine erbliche Veranlagung vor. Gerade bei Jüngeren mit schnell voranschreitender Parodontitis spielen genetische Faktoren eine wichtige Rolle.

Rauchen:

Die Wahrscheinlichkeit, an Parodontitis zu erkranken, liegt bei Rauchern bis zu siebenmal höher als bei Nichtrauchern. Tabak enthält Inhaltsstoffe, die die Abwehrkräfte schwächen. Tabakrauch greift das Gewebe an, das den Zahn umgibt.

Studien haben gezeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen einem schweren Parodontitis-Verlauf und einem hohen Tabakkonsum gibt. Hinzu komme, dass Rauchen ein Symptom verschleiere: Rauchen verengt die Blutgefäße und unterdrückt dadurch das Zahnfleischbluten, ein Alarmzeichen.

Vorerkrankungen:

Parodontitis steht in Wechselwirkungen mit anderen Erkrankungen, darunter Diabetes. Parodontitis kann eine Diabeteserkrankung verschlimmern, umgekehrt haben Diabetikerinnen und Diabetiker ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Parodontitis. Grund sind hohe Blutzuckerwerte, die die Abwehrkräfte schwächen: Entzündungen treten häufiger auf und heilen schlechter.

Eine Parodontitis begünstigt Folgeerkrankungen des Diabetes und kann die Sterblichkeit erhöhen. Diabetiker mit schwerer Parodontitis haben ein bis zu 8,5-fach erhöhtes Risiko für Nierenerkrankungen.

Das Risiko, an einer Erkrankung der Herzkranzgefäße zu sterben, ist um den Faktor 2,3 erhöht gegenüber Diabetespatientinnen und -patienten ohne oder mit nur schwach ausgeprägter Parodontitis.

Auch Aids birgt ein erhöhtes Parodontitis-Risiko. Menschen, die an schwerer Parodontitis leiden, haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall.

Psychischer Stress, Schwangerschaft und Medikamente

Stress kann eine Parodontitis verschlimmern. Gleiches gilt für hormonelle Umstellungen, durch die das Zahnfleisch anfälliger für Entzündungen werden kann. Der erhöhte Hormonspiegel in der Schwangerschaft zum Beispiel kann dazu führen, dass bestehende Entzündungen in der Mundhöhle verstärkt werden. Schwere Parodontitis kann zu Komplikationen während der Schwangerschaft führen.

Auch Medikamente können eine Parodontitis begünstigen, zum Beispiel Blutdrucksenker oder Arzneimittel, die eine Abstoßungsreaktion nach einer Organtransplantation verhindern.

Selbsttest und Informationen

Die Bundeszahnärztekammer will die Aufklärung über Parodontitis erhöhen und Menschen sensibilisieren, die ein besonderes Risiko haben. Auf www.paro-Check.de/#check kann getestet werden, ob ein Parodontitis-Verdacht besteht. (ots)

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