05.10.2020 - 18:17 Uhr
PechbrunnOberpfalz

Bei Exkursion mit Hubert Weiger neue Gefahren am Teichelberg ausgemacht

Das Naturschutzgebiet am Teichelberg ist ein Dorado an seltenen Tier- und Pflanzenarten. Seit fast zwei Jahren ist der Basaltabbau, der das Gebiet bedroht hatte, eingestellt. Doch nun drohen neue Gefahren.

von Ulla Britta BaumerProfil

Der Bund Naturschutz lud am Sonntag zur Exkursion am Teichelberg teil. Das Interesse war gewaltig, wohl auch deshalb, weil ein prominenter Gast teilnahm. Professor Dr. Hubert Weiger, einer der einflussreichsten Naturschützer Deutschlands, informierte sich über das Naturschutzgebiet.

"Wir haben 80 Teilnehmer vom Landratsamt genehmigt bekommen und fast genau so viele sind gekommen", freute sich Ursula Schimmel. Die Geschäftsführerin der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz war nahe der Abbruchkante des ehemaligen Basaltwerks sichtlich zufrieden mit der Resonanz.

2018 ist der Basaltabbau nach jahrelangen Kämpfen der Naturschützer auf dem Teichelberg eingestellt worden. Professor Dr. Hubert Weiger, einer der bekanntesten Umweltschützer Deutschlands und Ehrenvorsitzender des BN Bayern, informierte sich nun, wie sich das geschützte Gebiet seitdem entwickelt hat.

Als "Zivi" mit Arbter gekämpft

Weiger ist kein Unbekannter im Stiftland. Als Zivildienstleistender beim BN München hat er gemeinsam mit Dr. Klaus Arbter Gumpen vor dem Bau eines Stausees bewahrt. Zeitgleich hat er 1972 in Tirschenreuth die zweite bayerische Kreisgruppe der damals noch im Aufbau befindlichen Umweltorganisation gegründet.

Dies hier, sagte Weiger am Teichelberg, sei dem Engagement der Leute vor Ort zu verdanken. Europas Natur sei über Jahrhunderte hinweg von Menschenhand kultiviert worden. Es gebe kaum ein europäisches Waldgebiet, das wie der Teichelberg belassen worden sei. Ein Segen für Weiger war, dass in den 70-er Jahren europäische Naturreservate geschaffen wurden zur Forschung, wie sich Natur ohne menschlichen Eingriff entwickelt. Der sogenannte "Gitschker" sei 1978 dazugekommen. Aber stillgelegt, wie manche sagen, sei hier nichts. "Die Natur wächst weiter. Hier stehen Bäume, die gibt es in unseren Breiten nicht mehr."

Weiger resümierte über den Kampf gegen den Basaltabbau, wo man sich auf das Bergrecht aus der Bismarckzeit berufen habe. Dieses Bergrecht habe in einer Demokratie nichts mehr verloren, wetterte Weiger, da es den Vorrang von Rohstoffabbau vor allen anderen Schutzgütern besage.

Der Professor bedankte sich bei allen, denen der Teichelberg ans Herz gewachsen sei. Besonders auch dem Staatsforst als Eigentümer, der nichts verkauft und damit ein klares Signal gesetzt habe. "Das gibt Hoffnung, dass der Wald als bayerisches Naturerbe für öffentliches Interesse erhalten bleibt und nicht in Gold, Silber oder Euro verwandelt wird."

Hier geht es zu einem weiteren Bericht über den Teichelberg

Pechbrunn

Die Beendigung des Abbaus sei ein Tag der Freude gewesen. Der Einsatz sei nicht umsonst gewesen, "wenn auch ein langer Atem notwendig war". In Weigers Sinn sprachen auch Dr. Alfred Scheidler als stellvertretender Landrat, BN-Kreisvorsitzender Josef Siller und Forstamtsdirektor Norbert Zintl. Sonderapplaus bekam LBV-Vorsitzender Klaus Krützfeldt für seine flammende Rede zum Erhalt des Teichelbergs, auf dem er bereits als Kind herumgestreift sei.

Entlang der Abbruchkante wanderte die Gruppe durch das Teichelberg-Gebiet, was wegen der Abstandsregelung sehr langsam über die Bühne ging. Josef Siller, der von einer Wegstrecke "über Stock und Stein" sprach, hatte damit nicht zu viel versprochen.

Bei der Wanderung vorbei an mächtigen Buchenstämmen auf moosüberzogenen, kugelrunden Basaltsteinen musste jeder Teilnehmer gut auf seine Füße achten. Wie im Zauberwald. Natürlich erzählte Josef Siller am "Hankerlbrunnen" die Sage von den Zwergen und einem Goldschatz, der dort versteckt sein soll.

Weniger zauberhaft war, dass die Quelle nahezu ausgetrocknet ist, wohl wegen dem Klimawandel. Diese Trockenheit bereitet Siller schon seit einiger Zeit Alpträume. Zudem wies er an der Abbruchkante auf verdorrte Buchen hin. "Ich habe große Sorgen, dass die Buchen wegen der Trockenheit absterben und unser Erfolg für den Teichelberg umsonst war", sagte Siller.

Noch gibt es aber regelrechte Schätze auf diesem naturbelassenen Stückchen Erde, die Ralf Straßberger, Waldreferent beim BN, und Revierförster Markus Liegl während der Wanderung aufzählten.

"Ein Tag der Freude"

Wildkatze, Schwarzstorch, mehrere Spechtarten, Luchs, 13 Fledermausarten, 229 Pilzarten und 411 Käferarten, viele davon stehen auf der Roten Liste, bietet der Teichelberg Lebensraum. "Und hier steht die höchste Birke Bayerns mit 53 Metern", verriet Josef Siller.

Später stieß auch noch der ehemalige Geschäftsführer der BN-Kreisgruppe, Karl Paulus, zur Gruppe. Er wurde mit großem Hallo begrüßt. Paulus hat Jahrzehnte lang für den Teichelberg gekämpft.

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