20.01.2021 - 10:27 Uhr
PechbrunnOberpfalz

Pestizidfreie Kommune: Gemeinde Pechbrunn bewirbt sich um Titel

Mit einem mehrteiligen Antrag zum Thema Pestizide befasste sich der Gemeinderat Pechbrunn. Außerdem gab es verschiedene Anfragen, unter anderem zur Notbetreuung um Kinderhaus.

Ute Döhler (Bündnis 90/Die Grünen) hatte im Gemeinderat Pechbrunn einen mehrteiligen Antrag zum Thema Pestizide gestellt.
von Josef RosnerProfil

Die Gemeinde Pechbrunn bewirbt sich um den Titel „Pestizidfreie Kommune“, der vom Bund Naturschutz und vom Umweltbundesamt vergeben wird. 550 Kommunen in Deutschland tragen ihn bereits, darunter fast 100 in Bayern. Hintergrund ist ein Antrag, den Ute Döhler (Die Grünen/Bündnis 90) zur jüngsten Gemeinderatssitzung eingereicht hatte.

Kein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

Bürgermeister Stephan Schübel hatte den Antrag in mehrere Unterpunkte gegliedert, die einzeln besprochen wurden. Zur Forderung „Kein Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden“ sagte Schübel, dass auf den kommunalen Flächen bisher noch keine chemisch-synthetischen Pestizide (Pflanzenschutzmittel) eingesetzt worden seien. Dies werde auch so bleiben. „Allein die Unkrautbekämpfung am Friedhof kostet die Gemeinde pro Jahr bis zu 800 Euro. Auch dort werden keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt“, sagte Schübel und informierte auch, dass Landwirte für den Einsatz dieser Substanzen schon seit Jahren einen Sachkundenachweis benötigten.

Weiter beantragte Ute Döhler den Pestizidverzicht vonseiten privater Dienstleistungsunternehmen bei der Pflege öffentlicher Flächen. Der Bürgermeister bemerkte dazu, dass bei der Vergabe von Aufträgen der Auftragnehmer auf den Pestizidverzicht hingewiesen und dazu verpflichtet werde. Ebenso bat Ute Döhler um die weitere Schaffung von bienen- und insektenfreundlichen Blühflächen. Stephan Schübel verwies auf eine Reihe von Landwirten, die solche Flächen angelegt hätten. Zu Döhlers Wunsch, dass öffentliche Flächen nur einmal und zudem später im Jahr gemäht werden, sagte der Bürgermeister, dass er praktikable Lösungen bevorzuge und mit den Grundstückseigentümern sprechen werde.

Elf Prozent der Flächen bebaut

Ute Döhler forderte auch, dass bei der Verpachtung kommunaler Flächen der Einsatz von Pestiziden verboten wird. Stephan Schübel informierte, dass aktuell nur eine Fläche verpachtet sei und der Pächter zum Pestizidverzicht verpflichtet worden sei. Im Übrigen seien in der Gemeinde Pechbrunn nur elf Prozent der Flächen bebaut, alles andere seien Wälder und Vegetationsflächen. Eine kommunale Mehrheitsbeteiligung an Firmen gebe es nicht, so dass sich hier die Aufforderung zu einer pestizidfreien Bewirtschaftung erübrige.

Informationen für die Bürger

Nicht zuletzt wünschte sich Ute Döhler Infos für alle Gemeindebürger zum Schutz von Bestäubern und zu giftfreien Maßnahmen beim Gärtnern. Stephan Schübel versicherte, dass die Gemeinde bemüht sei, Informationen von Fachstellen weiterzugeben. Frieda Vogelhuber (CSU) sagte, dass es beim Obst- und Gartenbauverein immer wieder mal Vorträge zu diesem Thema gebe und die Bevölkerung stets willkommen sei.

„Wir erfüllen eigentlich alle Punkte einer pestizidfreien Kommune“, sagte Stephan Schübel. Daraufhin stimmte der Gemeinderat einhellig zu, einen Antrag zum Erhalt des Titels „Pestizidfreie Kommune“ zu stellen.

Unter „Wünsche und Anträge“ fragte Ute Döhler, welche Fortschritte es bei den Planungen für den Radweg nach Marktredwitz gibt. Der Bürgermeister berichtete von Gesprächen mit Grundstückseigentümern, doch coronabedingt stockten diese derzeit. Zähe Fortschritte gebe es beim Thema Breitbandausbau, so Schübel. Die Frage Döhlers, ob es schon ein Gespräch mit der Steinwald-Allianz über den Mobilen Dorfladen gegeben hat, verneinte Schübel.

Ute Döhler wollte auch wissen, wie der Notbetrieb im Kinderhaus läuft. Stephan Schübel berichtete, dass derzeit 25 Prozent der Kinder betreut würden. Ausdrücklich lobte er die Arbeit von Kinderhausleiterin Sabine Doß und ihres Teams. Zugesagt hat der Bürgermeister auf Anregung von Ute Döhler eine Besichtigung der Kläranlage durch den Gemeinderat.

1,50 Meter hoher Zaun

Ein Thema war auch der Antrag einer Bürgerin auf Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplanes an der Mitterteicher Straße. Dort soll ein Grundstückszaun höher ausfallen als die zugelassenen 90 Zentimeter – nämlich 1,50 Meter. Vorgesehen sei ein Stabmattenzaun, als Grund verweist die Antragstellerin auf ihren Hund.

Nach Auffassung der Verwaltung könne dem Antrag zugestimmt werden. Thomas Dehmel (SPD) zeigte aber zunächst kein Verständnis und verwies auf die Veränderung des Ortsbildes. Zweiter Bürgermeister Josef Hollmann (CSU) gab zu bedenken, dass es im neuen Baugebiet keine derartigen Beschränkungen mehr gebe. Am Ende stimmte der Gemeinderat dem Antrag einhellig zu. Das letzte Wort hat aber das Landratsamt.

Nicht zuletzt ging es in der Sitzung um die mögliche Einführung eines Ratsinformationssystems für die Gemeinderäte. „Jeder erhält einen eigenen Zugang auf die Seite der Verwaltung, wo er die Unterlagen herunterladen kann“, erklärte Bürgermeister Stephan Schübel zum Vorgehen im Vorfeld von Sitzungen. Er schlug vor, zunächst zweigleisig zu fahren – also die Bereitstellung der Daten digital und auf Papier. Wenn sich das System bewährt, könnte künftig auf Papier verzichtet werden.

Geschäftsleiter Klaus Schüßler von der Verwaltungsgemeinschaft Mitterteich berichtete von guten Erfahrungen mit dem Stadtrat Mitterteich. Über das System könnten auch wesentlich mehr Daten bereitgestellt werden als in Form von Papier-Geheften. „In Mitterteich kommen einige zur Sitzung mit Laptop oder Tablet, da klappt es schon“, sagte Schüßler und warb für die digitale Lösung. Natürlich sei ihm bewusst, dass jüngere Leute eher einen Zugang zu neuer Technik fänden als ältere.

Der Gemeinderat war sich einig, auf diese neue Technik zu setzen und jetzt in den kommenden Monaten zweigleisig zu fahren. Der Auftakt soll schon mit der Februar-Sitzung erfolgen.

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