Pechbrunn
08.08.2019 - 12:35 Uhr

Teichelberg der Natur überlassen

Wie geht es mit dem Naturschutzgebiet Teichelberg und dem stillgelegten Basaltwerk weiter? Darüber informiert sich Grünen-Bundestagsabgeordneter Stefan Schmidt bei einem Besuch in Pechbrunn.

Der Betrieb des Basaltwerks am Teichelberg ist seit Ende 2018 eingestellt. Wie es mit dem stillgelegten Abbaugebiet weitergeht, steht noch nicht fest. Bild: mür
Der Betrieb des Basaltwerks am Teichelberg ist seit Ende 2018 eingestellt. Wie es mit dem stillgelegten Abbaugebiet weitergeht, steht noch nicht fest.

Wann immer es ihm möglich ist, kommt Stefan Schmidt zu seinen politischen Exkursionen mit dem E-Bike. So war das auch 2018. „Da bin ich bei 36 Grad im August durch das Waldnaabtal gefahren“, erzählt der Politiker. Auch am Mittwoch wollte der Regensburger das Zweirad benutzen, um sich in Pechbrunn bei Natur- und Umweltschützern sowie Vertretern der Kommune zum Naturschutzgebiet Teichelberg zu informieren.

Dauerregen stoppte aber den Sportsgeist des Abgeordneten, was aber niemand bedauerte. „Wir brauchen den Regen“, sagte Josef Siller, Kreisvorsitzender vom Bund Naturschutz (BN), der sich um die 250 Jahre alten Buchen sowie die gesamte Flora und Fauna am dreifach geschützten Teichelberg sorgt. Schmidt wollte sich trotz des nicht besonders freundlichen Wetters ein Bild vor Ort machen. Also ging es mit Regenschirmen bestückt zum Steinbruch.

Der Politiker wagte sich bis an den Abgrund des zum Dezember 2018 stillgelegten Basaltabbruchgebiets, wo er eine Steilkante und unter sich ein stattliches Gewässer vorfand. Siller machte klar, dass der BN sehr froh über die Schließung des Basaltwerks sei. Seit 1978 ist der Teichelberg dreifach naturgeschützt, doch die Abbrucharbeiten seien immer näher gerückt, bis dem Schutzgebiet dadurch Wasser entzogen worden sei. „Der Hanklbrunnen ist bereits versiegt“, stellte Siller fest. Zudem kamen die heißen Sommer aufgrund des Klimawandels hinzu.

Pechbrunn10.08.2018

Das schade den alten Buchen sehr. Der Teichelberg sei der einzige echte Urwald in Nordbayern. Er sei Lebensraum für über 40 Nachtfalterarten, 220 Pilzsorten, 50 verschiedene Schneckenarten und mehr. Unter den größeren Tieren stellte Siller die Wildkatze und den Luchs heraus. Letzteren habe man zwar noch nicht hier gesehen, aber er sei im Steinwald daheim.

„150 Hektar Wald sind keine Kleinigkeit“, betonte der BN-Vorsitzende. Dieser Wald leiste einen enormen Beitrag zum Klimaschutz. Schmidt wollte wissen, was man sich nun für das stillgelegte Abbruchgebiet wünsche. Das Beste wäre, wenn alles so bleibe, lautete die Antwort der Umweltschützer vom BN und Landesbund für Vogelschutz (LBV). Die Steilwände seien ideales Brutgebiet für Vögel wie dem Uhu, der See würde Amphibien wie der Kreuzkröte oder dem Moorfrosch ein Zuhause bieten. Jedoch liege die Entscheidung in Händen des Geländeinhabers, den Bayerischen Staatsforsten.

Thomas Döhler von der SPD-Fraktion im Gemeinderat Pechbrunn meinte, einige Pechbrunner hätten den Wunsch nach einem Freizeitgebiet geäußert mit Spielplatz und Schwimmen im Gewässer. Bedenken wurden in der Runde wach, dass dies zu gefährlich sei. Auch wurde die Abbruchkante als Gefahr für Spaziergänger und Wanderer gesehen. Darüber müssten sich aber auch die Staatsforsten als Besitzer Gedanken machen, mahnte Siller an.

Wegen des schlechten Wetters war der Spaziergang nur kurz. Die kleine Exkursionsgruppe zog ein weiteres Gespräch im Landgasthof Obst vor. Bis Ende des Jahres, informierte der BN-Vorsitzende, müsse die Basalt AG den Staatsforsten einen Plan zur Renaturierung vorlegen. Eingreifen wolle man nicht, sondern abwarten, was komme. Schmidt regte an, sich bei den Bayerischen Staatsforsten zum Teichelberg und der weiteren Nutzung des Abbruchgebiets kundig zu machen. Er begrüßte es, dass im Freistaat der Staatsforst nun bei der Waldwirtschaft laut der Aussage von Ministerpräsident Markus Söder nicht mehr nur Gewinne machen müsse.

Siller stellte noch einmal die "wichtige Funktion" des Teichelbergs als Wasser- und Luftspeicher für das Stiftland und die Region heraus. „Bei einer Lufttemperatur von 35 Grad Hitze habe ich auf dem Teichelberg bis zu sechs Grad weniger“, wusste er. Es herrsche ein einmaliges Mikroklima. „Das müssen wir erhalten.“

Siller freute es, dass die Forderungen des BN, zehn Prozent des Staatsforstes ungenutzt zu belassen, offenbar jetzt wieder möglich seien. Was ihm große Sorgen mache, sei die Trockenheit, die nicht nur Fichten, sondern mittlerweile auch Buchen, Birken und andere Bäume stark gefährde.

Vor Ort klärte Josef Siller (Dritter von rechts) MdB Stefan Schmidt (Vierter von rechts) darüber auf, warum der Teichelberg für Flora und Fauna derart wertvoll ist. Bild: ubb
Vor Ort klärte Josef Siller (Dritter von rechts) MdB Stefan Schmidt (Vierter von rechts) darüber auf, warum der Teichelberg für Flora und Fauna derart wertvoll ist.
MdB Stefan Schmidt wagte einen Blick über die Steilkante. Bild: ubb
MdB Stefan Schmidt wagte einen Blick über die Steilkante.
Die Natur erobert sich das Basaltabbaugebiet wieder zurück: Unterhalb der Steilwand hat sich ein großes Gewässer gebildet, das laut den Umweltschützern ein perfektes Biotop für seltene Amphibien sei. Bild: ubb
Die Natur erobert sich das Basaltabbaugebiet wieder zurück: Unterhalb der Steilwand hat sich ein großes Gewässer gebildet, das laut den Umweltschützern ein perfektes Biotop für seltene Amphibien sei.
 
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