16.04.2020 - 18:00 Uhr
PechbrunnOberpfalz

Vorfreude auf ein Leben ohne Terminkalender

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Als ehrenamtlicher Bürgermeister leitete Ernst Neumann (CSU) 21 Jahre lang die Geschicke der Gemeinde Pechbrunn. Bald beginnt für ihn ein neuer Lebensabschnitt mit mehr Zeit für seine Familie.

Ernst Neumann verabschiedet sich nach 21 Jahren von seinem Ehrenamt als Bürgermeister der Gemeinde Pechbrunn.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

"Ich war damals Quereinsteiger. Mein Vorgänger Anton Kohl ist während seiner Dienstzeit gestorben", erinnert sich der 68-Jährige an die Anfänge zurück. "Innerhalb von drei Monaten musste 1999 neu gewählt werden." Am 18. Juli unterschrieb Neumann das Protokoll und war im Amt.

"Ich wurde quasi ins eiskalte Wasser geschmissen", sagt Neumann in seinem Rückblick. So war die erste Zeit als Rathauschef der Gemeinde Pechbrunn für ihn nicht einfach zu bestreiten. Vor allem, da er auch keinen seiner Vorgänger um Hilfe bitten konnte. "Eine große Baumaßnahme und Herausforderung war damals die Autobahn A93. Ich wusste nicht, welche Absprachen mit den Baufirmen getroffen worden waren." In der Anfangsphase wurde Neumann stark von der Verwaltungsgemeinschaft Mitterteich unterstützt. "Man muss sich Zug um Zug einarbeiten."

Leben umgekrempelt

Mit seiner Tätigkeit im Rathaus hatte sich in Neumanns Leben einiges verändert. "Mein ganzes Leben hat sich umgekrempelt", gibt er zu. Seine Freizeit war eingeschränkt, und auch Beruf und Amt waren nicht immer einfach miteinander zu vereinbaren. Bis 2014 arbeitete Neumann als CNC-Fräser bei der Firma Ceramtec in Marktredwitz. "Auch die Familie ist das eine oder andere Mal zu kurz gekommen. Aber Regierungsvertreter fragen nicht, wann ich Zeit habe", sagt er. Seit sechs Jahren ist er nun Rentner, so konnte er sich voll auf das Bürgermeisteramt fokussieren.

Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien geht er auf die seiner Ansicht nach wichtigsten Projekte ein. Besonders stolz ist der Bürgermeister auf den barrierefreien Bahnzugang. "Wir sind eine der wenigen Gemeinden im Landkreis Tirschenreuth mit einer Bahnanbindung. Vor acht Jahren wurde das Problem der fehlenden Barrierefreiheit mit Rampen gelöst." Zudem wurden auch immer wieder Baugebiete ausgewiesen. "Wir wollen auch ein weiteres in Groschlattengrün ausweisen. Das wird dann aber auch Aufgabe für meinen Nachfolger." Weiterhin gibt es eine Kinderkrippe mit zwölf Plätzen. "Das wird gut angenommen. Dort ist voll."

In Groschlattengrün wurde das neue Feuerwehrgerätehaus eingeweiht. "Das war dringendst notwendig", sagt Neumann. Auch die Ertüchtigung der Kläranlage sei am Laufen. "Die Gemeinde hat auch sparsam gearbeitet." So liege die aktuelle Pro-Kopf-Verschuldung unter 100 Euro bei rund 1350 Einwohnern.

Aber nicht immer lief alles in Neumanns Amtszeit glatt. "Es gibt immer Höhen und Tiefen." So musste Ende 2018 das Basaltwerk seinen Betrieb einstellen. Die Bayerischen Staatsforsten kündigten damals als Flächeneigentümer den Abbaupachtvertrag. Damit brach für die Gemeinde die Gewerbesteuer weg und Arbeitsplätze gingen verloren. "Ich habe damals viele Gespräche mit der Regierung geführt, aber leider nichts erreicht", bedauert Neumann.

Christbaum spaltet Gemeinde

Ein weiterer Negativpunkt war für ihn auch die sogenannte Christbaum-Affäre. "Das hat damals die Gemeinde gespalten und Freundschaften gingen kaputt." So hatte der Gemeinderat 2015 beschlossen, den großen Baum vor dem Rathaus zu entfernen, da er zu nah am Gebäude stand. "Es war ein Sicherheitsrisiko. Das wurde auch einstimmig beschlossen." Doch einige Bürger waren dagegen, den Baum zu fällen. "Mütter sammelten Unterschriften. Es wurde ein Bürgerbegehren angestrebt." Bevor es dazu kommen konnte, wurde der Baum am 23. August von einem Unbekannten angesägt. "Am nächsten Tag musste ich ihn wegmachen lassen." Nachdem das geschehen war, wurden der Bürgermeister und eine Gemeinderätin immer wieder beschimpft. "Das hat mich persönlich schwer getroffen. Mittlerweile wurde ein neuer Baum gepflanzt."

Radwege und Lärmschutz

Für seinen Nachfolger Stephan Schübel (CSU) stehen einige noch nicht abgeschlossene Projekte an. "Es gibt viel zu tun", betont Neumann. "Das Radwegenetz Richtung Marktredwitz zieht sich in die Länge", sagt der Rathauschef. So gab es bis zum vergangenen Jahr immer wieder Gespräche, aber: "Es hakt an den Behörden. Es geht nicht weiter." Zudem wird die Elektrifizierung der Bahnstrecke kommen. "Mein Nachfolger muss hier auf den Lärmschutz achten, da die Bahn direkt durch den Ort fährt. Auch das neue Baugebiet in Groschlattengrün liegt an der Strecke." Durch die Coronakrise und deren Folgen würden all diese Aufgaben nicht leichter.

Nach 21 Jahren ist es für Ernst Neumann Zeit, vom Rathaussessel Abschied zu nehmen. "Man merkt, wenn man älter wird, ist man einfach nicht mehr so belastbar. Nun sollen auch mal andere ran." Er freut sich auf ein Leben ohne Terminkalender und die neu gewonnene Freizeit. "Ich will Opa sein für meine vier Enkel", sagt Neumann - wobei der direkte Kontakt derzeit vermieden werden muss. Noch öfter als bisher möchte der 68-Jährige auf dem Rad unterwegs sein. Und sobald die Krise vorbei ist, wird er freitags öfter als in den letzten Jahren beim Schützenstammtisch in Groschlattengrün zu finden sein.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.