20.08.2021 - 09:53 Uhr
Pfaben bei ErbendorfOberpfalz

Riesenfreude über vierfachen Nachwuchs im Wildgehege im Naturpark Steinwald

Erstmals sind im Wildgehege im Steinwald in einem Jahr gleich vier Rotwildkälber geboren worden. Sie zeigen sich schon recht flink auf den Beinen. Verantwortlich für die Geburtenrate ist Hirsch Max.

Das Wildgehege des Naturparks Steinwald mit seinen vier jungen Rotwildkälbern ist derzeit ein besonderer Anziehungspunkt für Familien mit Kindern.
von Bernhard SchultesProfil

Die bisher siebenköpfige Rotwild-Familie im Wildgehege des Naturparks Steinwald beim Waldhaus bei Pfaben hat Zuwachs erhalten. Mit gleich vier Geburten in den vergangenen Wochen kam quirliges Leben ins Gehege. Naturpark-Ranger Jonas Ständer und Gehege-Betreuer Volker Pöhlmann bezeichnen dies als kleine Sensation. In den zurückliegenden Jahren kamen nämlich jeweils nur ein Jungtier oder höchstens mal zwei zur Welt, wie Volker Pöhlmann gegenüber Oberpfalz-Medien berichtet.

Den Gehege-Betreuer freut, dass die vier jungen Rotwildkälber derzeit die Stars im Steinwald sind und Kinder, Spaziergänger und Wanderer begeistern. „Ihr oftmals turbulentes Herumtollen, das Hüpfen und Ausschlagen mit den Hinterbeinen spiegeln pure Lebensfreude und einen großen Spieldrang“, erklärt Volker Pöhlmann.

Für ihn war es ebenfalls eine große Überraschung, als eines Tages beim Füttern gleich vier Jungtiere aus dem Dickicht des Geheges hervoräugten. Während er eine Geburt fast live miterlebt hat, konnte er auf den Nachwuchs bei den anderen trächtigen Tieren nur hoffen. „Hirschkuh Sissi brachte ihr Junges nur wenige Meter vom Gehegezaun entfernt zur Welt. Die anderen drei Hirschkühe zogen sich zur Geburt zurück und präsentierten ihre neugeborenen Kälber abwechselnd erst nach Tagen.“

Völlig entkräftet

Die Vertrautheit von Hirschkuh Sissi zu Volker Pöhlmann und zu Menschen allgemein ist einem besonderen Umstand geschuldet, wie Pöhlmann erzählt. In einem Kinderlaufstall hat der Gehege-Betreuer 2006 das völlig entkräftete und ausgemergelte Tier aufgezogen. „In Absprache mit einem Tierarzt wurde es damals bei uns zu Hause mit einer Pipette aufgepäppelt und erhielt den Namen Sissi.“ Als es der Gesundheitszustand wieder zuließ und Sissi bei vollen Kräften war, wurde sie ins Gehege beim Waldhaus gebracht. „Seitdem hat sie ein besonderes Verhältnis zu uns und auch zu vorbeikommenden Wanderern und Skilangläufern. Als einziges Tier kommt sie oft direkt an den Zaun und erfreut dadurch viele Besucher“, berichtet Volker Pöhlmann.

Für die aktuell hohe Geburtenrate im Rotwildgehege ist der junge männliche Mitbewohner verantwortlich. Hirsch Max kam im vergangenen Sommer aus einem Gehege bei Waldsassen für den seit 2011 unangefochtenen "Chef" Xaver in den Steinwald. Dass es dem neuen Mitbewohner im Steinwald gefiel, war den Verantwortlichen bald klar. „Mit Beginn der Brunftzeit im letzten September folgte Max stetig den brunftigen Tieren des Kahlwildrudels und sorgte gleich für den zahlreichen Nachwuchs“, so Pöhlmann. Der in die Jahre gekommene Vorgänger Hirsch Xaver hatte eine Speiseröhren-Verletzung und musste von seinem Leiden erlöst werden.

Tägliche Fütterung

Obwohl das vier Hektar große Rotwildgehege optimal ausgestattet ist, Bereiche für den Rückzug des Rudels bietet, Wasserläufe beherbergt und auch Dickicht und Grasflächen aufweist, muss täglich zugefüttert werden. Diese Aufgabe haben bereits vor 31 Jahren Volker Pöhlmann und seine Familie übernommen. Täglich fährt der einstige Postbote mit seinem Auto vom Wohnort Haselbrunn zum Gehege und kümmert sich um die derzeit elf Tiere. „Wir müssen auch im Sommer füttern, das Gras auf den Freiflächen im Gehege reicht nämlich für die Tiere nicht aus“, weiß Volker Pöhlmann, der meistens am späten Nachmittag dieser Aufgabe nachkommt und für einen reichlich gedeckten Tisch an den Futterstellen sorgt. In zwei Vorratshütten bewahrt Pöhlmann das benötigte Futter auf. Neben Heu hat er Grascobs, gequetschten Hafer, getrocknetes altes Brot und Semmeln, Kraftfutter und Futterrüben gelagert.

Dass er den Job so gerne macht, liege auch an dem guten Verhältnis zu den Verantwortlichen des Naturparks Steinwald, den Forstbehörden und zum Tierarzt, der hin und wieder mal gebraucht werde, berichtet Volker Pöhlmann weiter. Zudem freut ihn, dass er durch sein Ehrenamt für den Naturpark Steinwald auch manchmal Bekannten eine kleine Freude machen kann. Neben seinem Enkel, der gerne mal mit seinem Opa füttert, nimmt er schon mal auch Freunde bei seinen Fahrten in den Steinwald mit.

Viele Fotos

Dass die Arbeiten von Volker Pöhlmann nicht auf das tägliche Füttern beschränkt sind, wissen die Verantwortlichen des Naturparks Steinwald. Sichtkontrollen an der Zaunanlage, freie Wasserläufe, Besorgungsfahrten und das Führen eines Gehegebuches gehören zu seinen Aufgaben. Täglich trägt Volker Pöhlmann seine erledigten Arbeiten ein. Neben Futterkauf, Tierarztbehandlungen, Reparaturen, Geburten und Zu- und Abgängen sind darin auch Geweihabwurf und Stangenfund vermerkt. Ganz nebenbei hat Volker Pöhlmann in all den Jahren auch viele Fotos von seinen Lieblingen geschossen. Dass nun die vier Neugeborenen besonders oft abgebildet wurden, ist klar. Sie bereichern sein Fotoarchiv und dokumentieren ein nicht alltägliches Hobby und das große Engagement um Landschaft, Tier und Natur im Steinwald.

Hier ein Blick auf das Aufgabengebiet der Ranger im Naturpark Steinwald

Friedenfels
Die Jungen werden mit Muttermilch versorgt.
Zusammen mit einer Leitkuh erkunden die vier jungen Rotwildkälber täglich das weitläufige Gehege des Naturparks Steinwald beim Waldhaus.
Volker Pöhlmann versorgt täglich Alt- und Jungtiere mit zusätzlichem Futter.
Hirsch Max (hinten) ist für die außergewöhnliche Geburtenrate im Rotwildgehege verantwortlich.

„Hirschkuh Sissi brachte ihr Junges nur wenige Meter vom Gehegezaun entfernt zur Welt."

Gehege-Betreuer Volker Pöhlmann

 

 

Kommentare

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Tanja Härtl

Wir durften in unserem Urlaub kürzlich die Hirschkuh Sissi persönlich kennenlernen. Sie kam tatsächlich an den Zaun und hat sich ausgiebig streicheln lassen, steckte sogar die Schnauze durch den Zaun, schmiegte diese an mich und atmete ganz entspannt, so wie eine Katze schnurren würde. Das war für mich ein unvergessliches Erlebnis. Als abends in unserer Pension jedoch Hirschbraten auf der Speisekarte stand, habe ich dankend darauf verzichtet. So ein wunderbares Wesen kann man doch nicht allen Ernstes essen wollen! Wir wünschen Sissi noch ein langes, glückliches und gesundes Leben! Und ihren Mitbewohnern natürlich ebenfalls. Vielen Dank und ebenfalls alle guten Wünsche auch an ihre Betreuer!

21.09.2021