08.04.2020 - 21:53 Uhr
PfreimdOberpfalz

Bestattung nur im kleinen Kreis

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Beisetzung im engsten Familienkreis, Trauergottesdienst später: Wer in Zeiten von Corona einen Todesfall zu beklagen hat, muss seine Vorstellung von einem würdigen Abschied den Umständen anpassen. Das gilt auch im Landkreis Schwandorf.

Ob Urne oder Sarg: Bestattungen müssen nicht aufgeschoben werden. Die Zahl der Teilnehmer ist aber auf maximal 15 begrenzt.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Volle Kirchenbänke, tröstende Worte, viele Umarmungen und Beileidsbekundungen: Das hilft manchem Trauernden über schwere Stunden hinweg. Die Corona-Pandemie beeinflusst auch die Rituale in Kirche und Friedhof. "Die Urnenbeisetzung findet zu einem späteren Zeitpunkt statt", hieß es noch vor kurzem in den Todesanzeigen, jetzt ist nur noch die Rede davon, dass "im engsten Familienkreis" beerdigt wird. Und dafür gibt es strenge Regeln.

Kurze Zeremonie, 1,5 Meter Abstand

"15 Personen sind jetzt die Obergrenze", berichten Bestatter aus Pfreimd und Wernberg-Köblitz über die aktuellen Vorgaben des Landratsamtes für Beerdigungen."Es gibt keine Gottesdienste, keine Aussegnungen, keinen Rosenkranz", so der Pfreimder Bestatter Peter Stubenvoll auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Und die Zeremonie ist kurz. Wenn die Friedhofsglocke läutet, stehen nur Pfarrer und Bestatter mit dem kleinen Häufchen Angehöriger am Grab. Sie alle sollen möglichst auch noch 1,50 Meter Abstand wahren. "Eine Schaufel Erde oder Weihwasser auf den Sarg, das geht wegen der Ansteckungsgefahr auch nicht mehr", berichtet Stubenvoll von dem kleinen Ritual, das jetzt höchstens eine Viertelstunde dauert. Das sei das vorgesehene "normale Terminfenster". Keine Verabschiedung im Leichenhaus, und auch kein Leichenschmaus, so sieht inzwischen das normale Prozedere aus. "Das schmerzt, das merkt man den Leuten an", berichtet Stubenvoll. Doch in der allgemein bedrückenden Situation hätten die Trauernden auch Verständnis für die restriktiven Maßnahmen. "Jetzt ist es halt so", lautet der häufigste Kommentar.

Auch in Tirschenreuth gibt es derzeit nur Beerdigungen im kleinen Kreis

Tirschenreuth

"Es gibt aber auch Leute, die aus diesem Grund noch mit der Urnen-Bestattung warten", weiß Christine Zwack vom gleichnamigen Bestattungsunternehmen in Wernberg-Köblitz. Aktuell dürfe nicht einmal der Zeitpunkt für eine Bestattung in der Presse veröffentlicht werden. "Das könnte sonst für Freunde und Bekannte als Aufforderung verstanden werden, daran teilzunehmen", stellt sie klar. Und natürlich darf auch keine Person zur Beerdigung kommen, die unter Fieber oder Atemwegserkrankungen leidet. Bleiben 15 Verwandte ersten und zweiten Grades. Bei vielen Geschwistern oder Kindern müssen sich die Angehörigen einigen, wer zur Beerdigung kommen darf.

Wer sich in Weiden das Ja-Wort geben will, kann das nur noch per Nottrauung

Weiden in der Oberpfalz

Sammel-Trauerfeier für später?

Wird eine Urnenbeisetzung tatsächlich auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, so darf die Urne in der Zwischenzeit aber keineswegs zu Hause aufbewahrt werden. Sie wird laut Stubenvoll bei Gemeinde oder Stadt verwahrt. Und auch mit den auf unbestimmte Zeit verschobenen Trauergottesdiensten ist das so eine Sache: "Die Pfarrer würden ja gerne Trauergottesdienste halten", weiß Christine Zwack. Wegen der Vielzahl der vertagten Abschiede rechnet sie allerdings eher mit einem Sammeltermin in der Kirche. "Das Sterben geht weiter", so die nüchterne Zwischenbilanz von Stubenvoll, der sich vorstellen kann, dass es irgendwann, vielleicht zu Allerheiligen, statt individueller Nachholtermine mit den Geistlichen einen "Seelen-Gottesdienst" gibt – mit namentlicher Nennung der in einer bestimmten Zeitspanne Verstorbenen. "Die werden sonst nicht mehr fertig."

Info:

An Mundschutz und Desinfektion gewöhnt

Den Kontakt so kurz wie möglich halten: Diese Order gilt auch für Bestatter, wenn es sich um Tote handelt, die an den Folgen einer Covid-19-Infektion gestorben sind. "Da wir oft mit der Polizei zusammenarbeiten und auch mit verwesten Leichen zu tun haben, sind wir an die Arbeit in kompletter Schutzkleidung gewöhnt und auch für Desinfektion gut gerüstet", informiert der Pfreimder Bestatter Peter Stubenvoll. Aktuell habe er auch noch ein gutes Polster an Mundschutz und weiterem Material zur Verfügung. Eine Nachbestellung ist aber schwierig, berichtet Christine Zwack vom gleichnamigen Wernberger Bestattungsunternehmen. Einige Lieferanten würden stornieren: "Es dauert, bis das mit dem Nachschub anläuft." Beim Gespräch über die Bestattung gelten ähnliche Regeln wie in den Geschäften: "Bei uns dürfen nicht mehr als zwei Personen auf einmal eintreten, Händewaschen ist Pflicht, und auch wir haben jetzt Plexiglasscheiben", berichtet Stubenvoll, der sich nicht vorstellen kann, dass in Deutschland – wie derzeit in New York – Verstorbene in Kühllastern zwischengelagert werden müssen. "Da müsste es schon sehr extrem kommen."

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