22.01.2021 - 19:05 Uhr
PfreimdOberpfalz

Mit einem Blick für das Machbare

Corona setzt Fragezeichen. Trotzdem müssen Projekte geplant und priorisiert werden. Die Stadt bleibt ihrer Marschrichtung treu: Im Etat sehen nur "Baustellen", die bezahlbar sind und von der Verwaltung gestemmt werden können.

Das Haas-Haus soll nach der Sanierung ein Hingucker sein. Wenn diese Maßnahme abgeschlossen ist, wird die Kreuzung gestaltet.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Die Pläne für dieses Jahr stehen. Die Betonung liegt auf Plan. Denn ein, zwei unvorhergesehene Entwicklungen, und ein Haushaltsplan kann ganz schnell Makulatur sein, schickt Bürgermeister Richard Tischler im Gespräch mit Oberpfalz-Medien voraus.

Es gibt etliche Unbekannte: Pfreimd rechnet mit rund drei Millionen Gewerbesteuereinnahmen. Wie sieht es mit Rückerstattungen aus? Kommen Insolvenzen, Geschäftsschließungen? Verlieren Bürger ihren Arbeitsplatz? Sinkt der Einkommenssteueranteil? Andererseits muss Pfreimd heuer mit einer hohen Kreisumlage und geringen Schlüsselzuweisungen rechnen.

Haas-Haus und Kreuzung

"Wir müssen haushaltstechnisch so tun, als ob es Corona nicht gäbe und einen soliden Haushalt aufstellen", fasst Bürgermeister Richard Tischler zusammen. Verabschiedet werden soll er im März/April. Ganz oben auf der Liste steht die Sanierung des Haas-Hauses - ein 2,2- Millionen-Projekt.

Ein großes Anliegen ist der Stadt auch die Gestaltung des Kreuzungsbereichs vor dem Haas-Haus. Doch hier ist die Stadt nicht Herr des Verfahrens. Das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach geht von einer Umsetzung "nicht vor 2022" aus. Wünschenswert wäre, wenn sich die Arbeiten an der Kreuzung direkt an die Haussanierung anschließen würden, damit dieser ortsprägende Bereich eine ansprechende Visitenkarte der Stadt wird.

Eine Aufwertung für die Stadt soll auch der neu zu bauende Holzsteg über die Pfreimd werden. Heuer wird sich die Verwaltung auf Ausschreibung und Vergabe beschränken. Im Frühjahr 2022 werden dann Abriss und Neubau Schlag auf Schlag gehen. So soll vermieden werden, dass der Übergang womöglich ein halbes Jahr nicht passierbar wäre. Auch der Umgriff wird mit Grillplatz und Stufen zum Wasser aufgewertet. Im Frühjahr werden zudem am Weg einige "Selbstversorger"-Solarlampen ausprobiert. Wenn sie sich bewähren, plant die Stadt, den Weg bis zur Wernberger Straße vor zu beleuchten.

Neue Baugebiete

Auf einem guten Weg ist die Kommune auch bei der Planung neuer Baugebiete. Im Stadtgebiet entsteht es an der Landgraf-Johann-Straße gegenüber der Landgraf-Ulrich-Halle. Bauabschnitt I mit schätzungsweise zehn Parzellen ist schon erworben, für einen Bauabschnitt II laufen entsprechende Bemühungen der Stadt. Die planerische und verfahrenstechnische Umsetzung ist keine Sache von heute auf morgen: Das letzte große Baugebiet nahm drei Jahre in Anspruch. Bauplätze sollen auch in Hohentreswitz entstehen. Das Areal schließt im Nordosten von Hohentreswitz an die bestehende Bebauung an und wird nun überplant.

Viel Geld muss in den Straßenbau gesteckt werden. Hier hat im Stadtgebiet die Bahnhofstraße Priorität. Der erste Bauabschnitt - Vollausbau vom Einmündungsbereich Nabburger Straße bis zum Holunderweg inklusive Wasser, Kanal, Gehweg und Breitband - ist mit 1,627 Millionen Euro angesetzt.

Fällig ist auch die Gemeindeverbindungsstraße Weihern-Losau. Die Ausschreibung läuft über den Winter, damit man im Frühjahr loslegen kann. Heuer ist der innerörtliche Teilabschnitt - Kosten gut eine Millionen Euro - an der Reihe. Zugleich erneuert der Zweckverband zur Wasserversorgung der Glaubendorfer Gruppe die Wasserleitung für knapp 250 000 Euro. Im zweiten Bauabschnitt im Außenbereich geht es dann ausschließlich um die Fahrbahninstandsetzung.

So präsentierte sich der Haushalt 2020

Pfreimd

Einzulösen hat Tischler auch noch "ein politisches Versprechen": Die Brücke über die Bahnlinie in Iffelsdorf. "Es ist schwierig, mit der Bahn Baustellen zu betreiben", so Bürgermeister Tischler. Das jetzt abgeschlossene Thema "Kellerweg" beschäftigte die Stadt rund elf Jahre. Nun also Schritt zwei: Die Planung für die Brücke aufnehmen. Auf der Suche nach dem richtigen Ansprechpartner wähnte sich die Stadt schon glücklich, jemanden gefunden zu haben, doch der ist in Ruhestand gegangen. Nun ist die Stadt wieder auf der Suche. Ihr Ziel ist eine Brücke, nicht für Autos, sondern für Radfahrer und Fußgänger. Auto- und Traktorfahrern sei 500 Meter Umweg über die Unterführung oder die Naabbrücke zumutbar.

Ansprechpartner gesucht

Das Ganze wird sich ziehen: Herausgehoben wurde die alte Brücke noch unter Altbürgermeister Arnold Kimmerl. Ursächlich war ein Anfahrschaden der Bahn. Jetzt müssen bei der Planung die durch die spätere Elektrifizierung vorgegebene Höhe und Weite beachtet werden. Doch diese Basisdaten hat - die Bahn. Und hier fehlt noch der Ansprechpartner.

Ein Großprojekt ist die gemeinsame Wasserversorgung mit der Nachbarstadt Nabburg. Die beteiligten sind laut Tischler "auf einem sehr guten Weg." Für Bau und Betrieb der Brunnen und Leitungen vom Dachsberg her muss ein neuer Zweckverband gegründet werden.

In Sachen Wasser macht Tischler noch einen Schwenk zum Zweckverband Glaubendorfer Gruppe, dessen Vorsitzender er ist. Keimbefall führte dazu, dass Wasser aus Wernberg bezogen werden musste. Nach Einbau einer UV-Anlage läuft der Probebetrieb. Man hofft, im Frühjahr wieder mit dem eigenen Brunnen ans Netz zu gehen. Was aber nicht über den Investitionsbedarf im Wasserwerk und bei den Leitungen hinwegtäuschen soll.

Fazit: Es ist einiges abzuarbeiten. Nötig wäre zudem die brandschutztechnische Ertüchtigung des Rathauses und eine Sanierung der EDV.

Drei Auszubildende

Personell wird sich auch etwas tun: Die Stadt stellt drei Azubis für Verwaltung und Wasserwerk ein. Da einige Mitarbeiter in den Ruhestand treten, kommt es auch zu Nachbesetzungen im Bauamt, Wasserwerk und in der Verwaltung.

Hintergrund:

Sanierung des Haas-Hauses beginnt

  • Der Bauantrag ist genehmigt, der Planer bereitet die Ausschreibungen vor und im Frühsommer soll es losgehen. Bei der Planung wurden die künftigen Nutzungen berücksichtigt. Die Vormietverträge sind unterschrieben.
  • Im Erdgeschoß ist eine logopädische Praxis, in der ersten Etage die Erweiterung der benachbarten kieferorthopädischen Praxis vorgesehen. In den rückwärtigen Teil wird die Eisdiele einziehen, die ihren Platz bisher auf der gegenüberliegenden Straßenseite bei der Raiffeisenbank hatte. Integriert wird auch eine kleine Wohnung.

"Es ist schwierig, mit der Bahn Baustellen zu betreiben."

Bürgermeister Richard Tischler

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