07.09.2020 - 09:36 Uhr
PfreimdOberpfalz

Katharina Gierlach stillt in Pfreimd den Hunger nach Kultur

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Serienweise Farbkleckse, frisch aus der Tube: Bei Katharina Gierlach verschmelzen sie wie Konfetti zu Gräsern, Waldwipfeln, Blütenblättern oder Haarsträhnen. Zu sehen ist das live und ohne Lupe ab 13. September im Museum Pfreimd.

Museumsleiterin Carola Reul (links) ist beeindruckt von der Bilderwelt, die Katharina Gierlach für ein paar Wochen im Pfreimder Museum präsentiert.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Ein Rausch der Farben erwartet die Besucher der Ausstellung, die am Sonntag, 13. September um 11 Uhr im Museum der Stadt Pfreimd eröffnet wird. Katharina Gierlach, Künstlerin mit Wurzeln in Winklarn und Wohnsitz in Köln zeigt hier ihre teils großformatigen Bilder, in die viele Motive aus ihrer Oberpfälzer Heimat geflossen sind.

Ganz viel Grün empfängt die Kunstliebhaber schon am Eingang. Ein Hauch von Ölfarbe liegt in der Luft, ständiger Begleiter des extrem dicken Farbauftrags. "Das wird wohl nie ganz verfliegen", meint die Künstlerin, die mit etwas Vorlauf und familiärer Unterstützung den Aufbau der Ausstellung in Angriff genommen hat. Fans aus Pfreimd haben sie überzeugt, dass hier beispielsweise ihr "Oberpfälzer Wald" auf der 2,20 mal 1,60 Meter großen Leinwand gut aufgehoben ist: eine gut strukturierte Orgie aus Baumwipfeln in diversen Grüntönen. "Bei der Vorlage wäre oben die Burg Murach zu sehen", erklärt die Künstlerin, die sich bewusst für "Wald pur" entschieden hat. Knalliges Violett hebt die frischen Triebe der Fichten hervor, und was aus der Nähe wie grobe Paste aussieht, fügt sich aus der Ferne zu sanften Hügeln.

Provozierender Farbauftrag

Es ist dieser dicke Farbauftrag, den alle Bilder Gierlachs gemeinsam haben und der unablässig zum Anfassen provoziert. Er lässt den überdimensionalen Löwenzahn plastischer erscheinen als die echte Blume. Das Gras in Szenen aus den Parks von New York und Köln wirkt eine Spur frischer, Zeltplanen aus dem Hambacher Forst schimmern um eine Nuance leuchtender. Der Hambacher Forst gilt als Symbol des Widerstands der Anti-Kohlekraft-Bewegung, doch die Künstlerin hat sich ihm vor allem aus der visuellen Perspektive genähert. "Da gab es so gewagte Konstruktionen, Baumhäuser, die wie Vogelhäuschen aussahen oder ein Sofa auf den Ästen", erzählt sie und deutet auf Ausschnitte, die ihre grünen Welten noch eine Spur bunter machen.

Bei den Parklandschaften ist es ähnlich, da schmuggelt Gierlach einen gemusterten Pullunder ins Bild und platziert wie frisch aus der Tube eine Handtasche im Gras. Wie schwer mag es sein, die Nase einer Parkbesucherin mit einem einzigen groben Pinselstrich auf der Leinwand wiederzugeben? "Gar nicht, das hat Spaß gemacht", kommentiert die die 37-Jährige ein Bild, das bei einem internationalen Künstleraustausch des Oberpfälzer Künstlerhauses in Schwandorf mit dem Virginia Center for the Creative Arts in den USA seinen Ursprung hat. "Gefühlt war in Amerika alles so riesig, ich musste das so grob malen", sagt Gierlach. Also lässt sie Haarsträhnen keck in den Raum ragen und Farb-Wülste ihre Spuren ziehen.

Populär in Mykonos

Der letzte Ausstellungsraum im Museum steht ganz im Zeichen von Flower-Power. Großformatige Seerosen konkurrieren mit leuchtend roten Tulpen, die die Künstlerin bei einem Besuch im Keukenhof in den Niederlanden für sich eingenommen haben oder mit einer riesigen Kornblume in unzähligen Facetten von Blau. Die Seerosen gibt es auch auf Holz, angepasst an die Form einer einzelnen Blüte. Die Wasserpflanzen auf Leinwand hat Katharina Gierlach vor ein paar Jahren für eine Ausstellung sogar auf die Reise nach Mykonos (Griechenland) geschickt - mit Erfolg: "Die Galerie hat schon wieder nachgefragt, ob ich da noch mehr liefern kann", freut sich die Künstlerin, die sich von zarten Kornblumen genauso inspirieren lässt wie von gewagten Baumhaus-Konstruktionen im Hambacher Forst. Ganz zu schweigen von Fußballstadien, mit denen sie sich ihr eigenes Fan-Publikum erobert hat.

Im Pfreimder Museum bleibt es beim Grün in Wald, Wiese und Park. Insgesamt 27 Bilder gibt es dort zu bestaunen, genug, um in den Rausch der Farbe einzutauchen - auch wenn es wegen bei Corona bei der Ausstellungseröffnung wohl keinen Sekt geben wird. Geplant war die Schau im Übrigen bereits zum Pfreimder Bürgerfest, das dann wegen der Pandemie ebenso ausfallen musste wie die Kirwa. Carola Reul hofft trotz der mit Covid-19 einhergehenden Beschränkungen auf viele Besucher: "Vielleicht kommen ja gerade deshalb viele Leute, weil alle ausgehungert sind nach Kultur."

Vielleicht kommen ja gerade deshalb viele Leute, weil alle ausgehungert sind nach Kultur.

Carola Reul

Carola Reul

Katharina Gierlach kann auch Fußball

Winklarn
Im Blickpunkt:

Öffnungszeiten und Hygiene-Plan

  • Vernissage: Die Ausstellung mit Bildern von Katharina Gierlach wird am Sonntag, 13. September, um 11 Uhr im Museum Pfreimd (Schlosshof 13) eröffnet.
  • Öffnungszeiten: Zu sehen sind die Bilder bis 11. Oktober jeweils Donnerstag von 15 bis 18 Uhr und Sonntag von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung (Telefon 09606/889-62; Museum).
  • Hygiene-Konzept: 1 Besucher pro 10 Quadratmeter, das bedeutet maximal 11 Personen in den Museumsräumen, 3 im Foyer. Ablauf: Rundgang, separater Ein- und Ausgang, Abstand, Maske sowie Hand-Desinfektion und Kontakt-Protokoll.
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