09.04.2021 - 16:53 Uhr
PfreimdOberpfalz

Kreis Schwandorf: Weiteres Kabel im Süd-Ost-Link

Netzbetreiber Tennet hat bei der Bundesnetzagentur die Planfeststellung für eine weitere Stromleitung durch den Landkreis beantragt. Die Trasse des "Projekts 5a" ist wohlbekannt.

Thomas Arnold, Teilprojektleiter für den Abschnitt C2 des Süd-Ost-Links, erläutert in einem Video das Vorhaben im nördlichen Landkreis Schwandorf.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Der Netzbetreiber Tennet hat am 1. April den ersten Antrag auf Planfeststellung für eine weitere Höchstspannungs-Gleichstromleitung bei der Bundesnetzagentur gestellt, die auch den Landkreis Schwandorf betrifft. Das "Vorhaben 5a" ist eine Ergänzung des Süd-Ost-Links (SOL). In die bereits seit längerem vorgesehenen Leerrohre, die mit dem Link vergraben werden sollen, wird diese Leitung eingezogen – allerdings erst nach Fertigstellung des SOL.

Der erste, nun eingereichte Antrag betrifft den Abschnitt C2 zwischen Marktredwitz und Pfreimd. Aber auch für den weiteren Abschnitt im Kreis Schwandorf D1 wird ein Verfahren folgen. Die Trasse entspricht jeweils der des Süd-Ost-Links, allerdings ist ein eigenes Genehmigungsverfahren nötig. Tennet strebe aber eine einheitliche Planfeststellungsentscheidung mit dem bisherigen Süd-Ost-Link (SOL) an, heißt es auf den Internetseiten des Netzbetreibers.

Alternativen bei Pfreimd

Das Vorhaben stellt die Tennet in einem Online-Informationsmarkt vor, der im Netz unter https://infomarkt.tennet.eu/suedostlink-abschnitt-c2 zu finden ist. Bürgerreferent Torsten Grampp und Teilprojektleiter Thomas Arnold erklären in Videos den Planungsstand. Die Kommunalpolitiker der Region seien in gleicher Form informiert worden, so Grampp. Demnach wird die weitere Leitung zwei Gigawatt Übertragungsleistung haben - noch einmal die gleiche Leistung wie der bereits geplante Süd-Ost-Link. "Wir bleiben auf der Trasse, die wir bereits vorgestellt haben", so Grampp. Die Breite der Kabelgräben, des Schutzstreifens (16 bis 20 Meter) und des Arbeitsstreifens (40 bis 45 Meter) ändere sich nicht, weil die Leerrohre bereits seit 2019 in den Planungen des bisherigen SOL vorgesehen waren. Dennoch sei eine eigene Genehmigung nötig. Auch dazu wird es Beteiligungsmöglichkeiten geben. Die Antragsunterlagen gleichen freilich in weiten Teilen denen des bisherigen SOL.

Im Bereich der Stadt Pfreimd hat die Netzagentur der Tennet aufgegeben, Trassenalternativen im Bereich des Wassergewinnungsgebiets "Brunnenstubenwiesen" zu untersuchen. Die Stadt hatte mehrfach darauf hingewiesen, dass sie eine Beeinträchtigung der Trinkwassergewinnung durch die Erdkabel befürchte. Die Alternativen greifen laut Arnold kaum oder gar nicht in das Gewinnungsgebiet ein. Wo die Leitungen aber letztlich verlaufen werden, legt die Bundesnetzagentur erst in einem (beklagbaren) Planfeststellungsbeschluss fest. Zum Verfahren gehören Auslegungen und Beteiligungsmöglichkeiten ebenso wie normalerweise ein Erörterungstermin. Wegen der Pandemie sind momentan allerdings dazu auch schriftliche Verfahren möglich.

Für den Abschnitt C2 (Marktredwitz – Pfreimd) des SOL will die Tennet die überarbeiteten Planfeststellungsunterlagen inklusive der neuen Leitung etwa im zweiten Quartal 2022 bei der Bundesnetzagentur als verfahrensführender Behörde einreichen. Den finalen Planfeststellungsentscheid und damit die Festlegung des Trassenverlaufs durch die Bundesnetzagentur erwarte die Tennet dann ein Jahr später, also im zweiten Quartal 2023 für den Abschnitt C2. Schon 2023 will die Tennet mit dem Bau beginnen. Für das Vorhaben 5 – den bisherigen Süd-Ost-Link – werden schon beim Bau die Kabel in die Schutzrohre eingezogen. Ende 2025 soll die Leitung in Betrieb gehen.

Fünf Jahre später

Erst fünf Jahre später ist laut Tennet vorgesehen, die Kabel für das "Vorhaben 5a" in die parallel verlegten Leerrohre einzuziehen. Das heißt: Der Graben muss nicht mehr auf ganzer Länge aufgerissen werden. Allerdings: Alle ein- bis eineinhalb Kilometer müsse dann der Kabeleinzug erfolgen. Dazu müssen erneut schwere Fahrzeuge ins Gelände. Das solle so bodenschonend wie möglich verlaufen, betont der Netzbetreiber. Diese zweite Leitung, die nach den Planungen letztlich von Schwerin bis Landshut laufen wird, soll erst 2030 Strom nach Bayern liefern.

Wenn die Bundesnetzagentur die eingereichten Unterlagen auf Vollständigkeit geprüft hat, werden sie im Internet unter www.netzausbau.de veröffentlicht. Dann sind Stellungnahmen dazu möglich. Wer bereits eine Stellungnahme für den bisherigen Süd-Ost-Link eingereicht hat, brauche sie nicht erneut einzureichen, sagte Grampp. Sie sei in den Unterlagen enthalten. Erweiterte oder neue Stellungnahmen seien natürlich möglich.

Pfreimd fordert Alternativen

Pfreimd
Im Wassereinzugsgebiet der Pfreimder Brunnen müssen Alternativ-Verläufe untersucht werden (gestrichelte Linie). Die blaue Linie ist die Vorschlagsstrasse der Tennet für den Süd-Ost-Link. (Anmerkung: Karte zur Veröffentlichung freigegeben von Tennet, Torsten Grampp).
Hintergrund:

Neues Leitungsvorhaben

  • Der Bundestag hat im Februar das Bundesbedarfsplangesetz geändert und das "Vorhaben 5a" für ein Gleichstrom-Erdkabel aufgenommen.
  • Es sieht eine Verlängerung des Süd-Ost-Links nach Norden vor.
  • Für die Trasse zwischen Klein-Rogahn (bei Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern) und dem Startpunkt des Süd-Ost-Links (Vorhaben 5) in Wolmirstedt (Sachsen-Anhalt) gibt es noch keinen Vorschlag.
  • Von Wolmirstedt bis zum Endpunkt an den Atomkraftwerken bei Landshut soll die Trasse dem bekannten Süd-Ost-Link folgen.
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