20.07.2020 - 11:50 Uhr
PfreimdOberpfalz

Lücke in der Eisenzeit schließt sich

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Pfreimd ist reich an Geschichte, allerdings fehlten bisher Funde, die eine Besiedelung in der Eisenzeit, auch Keltenzeit genannt, belegen. Dank Kurt Engelhardt beginnt sich dieses Vakuum im Landkreis Schwandorf allmählich zu füllen.

Für das Foto von der Urne wurde das Bodenstück und die aufgefundenen Teile der sich anschließenden Gefäßwandung zusammengelegt. Man sieht das Gefäß damit praktisch von unten.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Kurt Engelhardt, Kreisheimatpfleger für Archäologie, breitet seine Funde aus, die dafür sprechen, dass auch in der Eisenzeit Menschen in Pfreimd wohnten. Engelhardt holt aus: Schon seit Jahren ist bekannt, dass das bebaute Stadtgebiet von Pfreimd lange vor Christi Geburt besiedelt war. Der Fund von Frauenschmuck aus einem Grab in der Landgraf-Johann-Straße Mitte der 60er Jahre belegt, dass hier bereits in der mittleren Bronzezeit (1600 bis 1300 v. Chr.) Menschen lebten. Und auf dem Gelände der Firma Gerresheimer kam 2012 eine in die Urnenfelderzeit (1200 bis 800 v. Chr,) zu datierender Friedhof zutage. Lesefunde Kurt Engelhardts, der auch den Friedhof entdeckte, weisen zudem auf eine Besiedlung in dieser Epoche im unteren Bereich des Kalvarienberges nahe der Autobahnauffahrt hin.

Allerdings fehlten bislang Nachweise für eine Besiedelung in der sich anschließenden Eisenzeit, deren frühe Phase nach einem Fundort in Österreich als Hallstattzeit (800 bis 450 v. Chr.) bezeichnet wird. Durch verschiedene Funde im Süden der bebauten Lage von Pfreimd beginnt sich diese Lücke nun zu schließen.

Engelhardt verweist zunächst auf Scherbenfunde aus dieser Epoche, die Johann Kurz schon 1976 im Bereich der Schlesierstraße machte, als er ein Regenwasserabflussrohr verlegte. Vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege wurden sie in die Hallstattzeit datiert.

Was lag da näher, als in der Umgebung dieses Fundorts nach weiteren Belegen auf die Anwesenheit vom Menschen in der Hallstattzeit zu suchen? Ab 2013 tat Engelhardt dies auf dem zwischen der Horchlerstraße und der Nabburger Straße gelegenen unbebauten Grundstück. Richtig spannend wurde es, als die Eigentümer für einem Teil des als Bodendenkmal ausgewiesenen Grundstücks die Erlaubnis beantragten, hier ein Aushubzwischenlager zu errichten. Diese Nutzung und der Plan, hier später zu bauen, führten im Oktober 2018 dazu, dass durch eine archäologische Fachfirma mit dem Bagger der Großteil des Oberbodens abgetragen wurde.

Die Ausgräber stießen auf 37 archäologisch relevante Befunde, darunter sechs Pfostengruben, 17 Abfall- bzw. Vorratsgruben, eine Brandgrube, ein Brandschüttungsgrab mit Holzkohleresten und kalzinierten Menschenknochen, die von einem Kind stammen sowie eine Vielzahl wohl zu einem einzigen Gefäß gehörenden Keramikscherben, wahrscheinlich einer Urne. Die Funde ließen sich aufgrund ihrer Charakteristica gut in die frühe Hallstattzeit (800 bis 620 v. Chr. ) datieren. Kurt Engelhardt hält fest, dass sich das aufgrund der Kurz-Funde in die Hallstattzeit zu datierende Siedlungsareal im Bereich der Schlesierstraße auch auf das östlich davon liegende, jetzt "ergrabene" Areal erstreckt.

Die Funde in Trefnitz

Guteneck

"Ob das Brandgrab aus der selben Epoche stammt wie die der frühen Hallstattzeit zuzuordnenden Siedlungsfunde, ist noch nicht abschließend geklärt", betont der Kreisheimatpfleger für Archäologie. Eine Urnenbeisetzung lässt in der Vorgeschichte zunächst eher an die der Hallstattzeit vorausgehende Urnenfelderzeit (1200 bis 800 v. Chr.) denken. Aber die Übergänge von der Urnenfelder- zur Hallstattzeit (in der wieder die Körperbestattung vorherrschend war) vollzogen sich ja nicht schlagartig, sondern allmählich. So weiß man aus Funden in Ostbayern, dass noch in der Hallstattzeit neben der Beisetzung des Körpers die Brandbestattung praktiziert wurde, etwa in Schirnding und Riedenburg-Untereggersberg. "Es kann also durchaus sein, dass wir es vorliegend mit einer frühhallstattzeitlichen Siedlung zu tun haben, in der oder an deren Rand eine einzelne Bestattung, etwa eines Hofbesitzer-Kindes – vorgenommen wurde", meint Engelhardt. Angesichts der Reste einer Feuerstelle in der Brandgrube wäre es gut vorstellbar, dass sie in Zusammenhang mit dem 15 Meter entfernten Brandschüttungsgrab steht. "Vielleicht handelt es sich um den Bereich, wo die Einäscherung stattfand", so Kurt Engelhardt.

Er hofft, dass sich im allerdings schon weitgehend überbauten Ortsbereich von Pfreimd noch hie und da Nachweise einer hallstattzeitlichen Besiedelung finden lassen, damit sich die frühe Pfreimder Ortsgeschichte dadurch abrunden lässt.

Hintergrund:

Wer mehr über die Besiedlung Pfreimds in der frühen Eisenzeit erfahren will: Eine detaillierte Abhandlung Kurt Engelhardts ist in der 35. Auflage des Pfreimder "Stadtturms" nachzulesen.

Der Lageplan zeigt die Grabungsfläche (blau) und bekannte Fundstellen beziehungsweise ausgewiesene Bodendenkmäler (rot).
Kurt Engelhardt entdeckte teilweise regelrecht "verbackene" kalzinierte Knochenstücke.
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