26.06.2020 - 17:31 Uhr
PfreimdOberpfalz

Museum Pfreimd: Welche Geschichte will die Stadt erzählen?

Der erste Entwurf des Feinkonzepts für das Museum in Pfreimd steht. Doch welche Geschichte die Stadt von sich erzählen will, darüber besteht noch keine Einigung. Der „Stadtturm“ befürchtet, dass einige Aspekte viel zu kurz kommen könnten.

Der erste Entwurf des Feinkonzepts für das Museum in Pfreimd hat gezeigt, dass es noch reichlich Stoff gibt, der geklärt werden muss.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Eigentlich hätte es nur die erste Informationsrunde darüber werden sollen, was das Pfreimder Museum einmal alles zeigen möchte. Das betonte Bürgermeister Richard Tischler gleich zu Beginn der Stadtratssitzung. Museumsleiterin Carola Reul und Josef Paukner stellten vor, was sich bereits getan hat. So gibt es erste 3-D-Modelle historischer Gebäude. Wer das Museum künftig besucht, soll zudem anhand animierter Filme sehen können, wie die Menschen früher gelebt haben. „Die Besucher sollen da wirklich durchgehen können, um sich ein Bild von den Siedlungsstrukturen machen zu können“, sagte Paukner. Er arbeitet derzeit daran, einen roten Faden zu erstellen. „Es soll sich viel um Identität drehen. Wir wollen der Frage unserer Herkunft nachgehen und die Frage beantworten, wer wir eigentlich sind“, so Paukner. Weil er sich während der Coronakrise mit einigen Leuten nicht habe treffen können, die wichtig für die Umsetzung des Projekts sind, stünden nun einige Termine noch aus.

Schatz bleibt in Hamburg

Der Pfreimder Schatz befindet sich derzeit im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe. Paukner zufolge hatte es die Überlegung gegeben, die wertvollen Exponate zurück in die Heimat zu holen, um sie im Museum ausstellen zu können. Von dem Plan habe man sich aber mittlerweile wieder verabschiedet. „Die Auflagen wären ziemlich hoch, wenn wir ihn als Dauerleihgabe haben wollten“, sagte er. Mittels neuer technischer Möglichkeiten könnte er sich aber vorstellen, die Stücke digital auszustellen. „Da könnte man dann zum Beispiel sogar einen Kelch drehen und ihn von allen Seiten her anschauen“, sagt Paukner. Vielleicht lohne es sich eines Tages sogar, von einem Goldschmied eine Replik des Schatzes anfertigen zu lassen.

Lange nicht alles geklärt

Fertig soll das Museum voraussichtlich im Oktober 2021 sein. Allerdings wurde im Stadtrat schnell klar, dass sich bis dahin noch einiges tun muss. Der Heimatkundliche und Historische Arbeitskreis „Der Stadtturm“ wurde um eine Einschätzung des vorläufigen Feinkonzepts für das Museum gebeten.

Vorsitzender Peter Egerer betonte zwar, nicht darüber informiert worden zu sein, dass es sich bei der Vorstellung nur um einen ersten Entwurf handle, hielt aber mit seiner Kritik auch nicht hinter dem Berg. „Zwischen dem Grobkonzept und dem Feinkonzept liegen beinahe vier Jahre. Eigentlich genügend Zeit für Grundlagenforschung und für intensive Recherchen, für wissenschaftliches Arbeiten“, sagte Egerer.

Dem „Stadtturm“ zufolge habe die Vor- und Frühgeschichte Pfreimds einen zu großen Stellenwert im Konzept. „Die Entwicklung über den Neandertaler ist nun speziell für Pfreimd kein Alleinstellungsmerkmal“, sagte Egerer.

Andere Schwerpunkte setzen

Die Zeit vom 15. bis ins 20. Jahrhundert komme dagegen beim Entwurf viel zu kurz. Egerer: „Aber in diesem Zeitraum steht Pfreimd gerade im Mittelpunkt. Dafür muss man doch intensivere Forschung anstellen.“ Die Stadtentwicklung sei bislang so gut wie gar kein Thema. „Kein Wort zu Bürgerhäusern, Rathaus, Stadtbefestigung, Kirchen, Kloster, um nur einige Beispiele zu nennen.“ Außerdem enthalte das Feinkonzept noch einige historische Ungenauigkeiten. Egerer wies darauf hin, dass das Pfreimder Schloss erst um 1800 herum zur Ruine wurde und erst nach dem Stadtbrand teilweise abgebrochen wurde. „Hier fehlt grundlegend das Quellenstudium.“ Zudem habe sich das Schloss wie im Konzept angenommen gar nicht in der Stadtmitte befunden. Pfreimd werde auch nicht erst 1156 das erste Mal urkundlich erwähnt, sondern schon 1118.

Stadtmuseum nimmt Arbeit auf: Hier der Artikel

Pfreimd

„Stadtturm“als Berater

Schließlich betonte Egerer, dass der „Stadtturm“ gerne beratend zur Verfügung stehe, das Museum aber nicht das Museum des Vereins sei, wie häufig von den Leuten gesagt würde. „Wir werden nicht die Arbeit für die machen, die dafür bezahlt werden“, sagte Egerer.

Tischler entgegnete, dass sich die für das Feinkonzept Verantwortlichen die Anmerkungen des „Stadtturms“ als „Hausaufgabe mit heim nehmen“ werden. Er wies darauf hin, dass es aufgrund des Platzmangels nicht einfach werden dürfte, alle Anregungen in den Räumen des Museums unter zu bekommen.

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