15.11.2020 - 16:58 Uhr
PfreimdOberpfalz

Nikolaus bleibt vor dem Haus – Corona verändert Familienbesuche im Landkreis Schwandorf

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Am Vorabend des 6. Dezember zieht der Nikolaus von Haus zu Haus und besucht Familien mit Kindern. Diese christliche Tradition ist in Coronazeiten nur schwer umzusetzen. Welche Regelungen haben die Pfarreien im Kreis Schwandorf getroffen?

Seinen düsteren Begleiter Knecht Ruprecht wird der Nikolaus (wie hier auf einem Foto aus dem vergangenen Dezember) dieses Jahr nicht dabei haben, wenn er in Schwarzenfeld Familien mit Kindern besucht. Unter strengen Corona-Auflagen können die Besuche des Heiligen aus Myra nur im Garten oder vor der Haustür stattfinden.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

In den meisten Oberpfälzer Gemeinden ist der Nikolaus-Besuch am Abend des 5. Dezember fester Bestandteil christlichen Brauchtums. Weil wegen der Corona-Pandemie bereits viele Christkindlmärkte und andere Adventsfeiern ausfallen, soll wenigstens der Besuch des Heiligen Nikolaus von Myra den Kindern erhalten bleiben. Das zumindest haben sich mehrere Pfarrverbände im Landkreis Schwandorf gedacht und sich ein abgespecktes Besuchskonzept überlegt. In anderen Gemeinden wiederum wird auf Hausbesuche verzichtet, dafür gibt es Alternativprogramme. Ein Überblick.

Oberviechtach

Die Pfarrei St. Johannes hat die Nikolaus-Aktion wegen der Pandemie abgesagt. Hausbesuche wird es in Oberviechtach deshalb nicht geben. Jedoch hat sich Pfarrer Alfons Kaufmann einen Ersatz überlegt. "Als Alternative gibt es am 6. Dezember, einem Sonntagnachmittag, eine Nikolaus-Andacht in der Kirche." Kaplan Florian Frohnhöfer wird sich dabei als Heiliger verkleiden und Schoko-Nikoläuse an die Kinder verteilen.

"Wir haben uns das so überlegt, weil wir momentan nicht sehen, wie wir den klassischen Nikolausdienst gut und sicher machen könnten", begründet Kaufmann. Direkte Besuche bei den Familien seien gegenwärtig zu riskant.

Schwarzenfeld

Seit über 40 Jahren organisiert die Kolpingsfamilie den Nikolausbesuch in der Marktgemeinde – das soll auch 2020 so sein, beschloss der Vorstand um Wolfgang Lobinger. Allerdings unter Vorbehalt: "Wir haben unser Hygienekonzept dem Landratsamt zur Prüfung vorgelegt. Wenn Anfang Dezember der Lockdown vorbei sein sollte, prüft das Amt unseren Antrag im Licht der aktuellen Infektionszahlen", erklärt Lobinger. Es ist also möglich, dass die Aktion noch kurzfristig untersagt wird. Dennoch sind alle Planungen abgeschlossen.

Demnach kommt der Nikolaus dieses Jahr ohne seinen Begleiter Knecht Ruprecht. Auch sind nur Besuche an der Haustür oder im Garten möglich. Es wird nicht gesungen, auch Geschenke werden nicht übergeben. Zudem dürfen nur symptomfreie Mitglieder einer Familie dem Besuch beiwohnen – höchstens zehn Personen, der Nikolaus eingerechnet. Alle Informationen zum Nachlesen, Kontaktdaten und Anmeldeformulare, gibt es auf der Homepage der Kolpingsfamilie Schwarzenfeld.

Infos zur Nikolaus-Aktion in Schwarzenfeld gibt es hier

Schönsee-Weiding

In der Pfarreiengemeinschaft im östlichen Landkreis ist bislang noch unklar, ob es eine Nikolaus-Aktion gibt. "Wir diskutieren gerade intern, ob der Nikolaus bis zur Haustür kommen soll, oder ob wir es ausfallen lassen", informiert Wolfgang Dietz. Der Pfarrer befindet sich in Gesprächen mit dem Kolping-Vorstand, der die Aktion organisiert. Mit einer Entscheidung sei in den nächsten Tagen zu rechnen, dies werde dann auch bekannt gegeben. Dietz weiter: "Wenn es ausfällt, dann soll es nicht ersatzlos sein. Es wäre schön, wenn es dann eine Alternativveranstaltung gäbe, aber das ist aktuell noch nicht klar."

Pfreimd

Bis ins Detail vorbereitet ist die Nikolaus-Aktion durch Kolping in Pfreimd. Ab 16.30 Uhr besuchen fünf Nikolaus-Teams zu je zwei Leuten die Familien bei sich zu Hause. Wie auch in Schwarzenfeld betreten die Besucher aber nicht die Häuser, sondern bleiben im Garten oder an der Haustür. "Wenn wir vor der Haustür auf Abstand bleiben, ist das Infektionsrisiko kaum gegeben", sagt Kolping-Chef Georg Hirmer, der gemeinsam mit der gesamten Vorstandschaft diesen Beschluss per Videokonferenz gefasst hat. "Der Nikolaus-Besuch ist eine so schöne Tradition. Sie auch noch der Pandemie zu opfern, wäre wirklich sehr schade. Es sind schon die ganzen Weihnachtsmärkte und auch die Sankt-Martins-Umzüge ausgefallen, da wollen wir den Kindern wenigstens mit dem Nikolaus eine Freude machen", erklärt er den Entschluss.

Der Nikolaus-Besuch ist eine so schöne Tradition. Sie auch noch der Pandemie zu opfern, wäre wirklich sehr schade.

Georg Hirmer, Vorsitzender der Kolpingsfamilie Pfreimd

Zwar besteht die Möglichkeit, dass die Aktion kurzfristig doch noch abgesagt werden muss. Dennoch müssen Familien, die sich einen Nikolaus-Besuch wünschen, auf der Internetseite der Pfreimder Kolpingsfamilie einen Anmeldebogen ausfüllen und per E-Mail zurücksenden. Auch eine Direkt-Abgabe der Anmeldung bei Georg Hirmer (Am Neuweiher 9) oder Elektro Hägler (Schmelzweg 1) ist möglich.

Hier gehts zur Nikolaus-Anmeldung in Pfreimd

Oberköblitz-Wernberg

Der für die Pfarreiengemeinschaft zuständige Pfarrer Markus Ertl sagt, dass die Nikolaus-Aktion "wahrscheinlich abgesagt" wird. In Wernberg-Köblitz wurde dies in den vergangenen Jahren von der Landjugend (KLJB) gemeinsam mit der Landvolkbewegung (KLB) organisiert. Dem Geistlichen zufolge werde die Aktion in der Gemeinde meist recht kurzfristig organisiert. "Der Vorlauf ist bei uns nicht so lang, Anmeldungen zur Nikolaus-Aktion gibt es meist erst Ende November." Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen, aber: "Eine Ersatzaktion werden wir vermutlich schon machen, sollte es ausfallen. Ich denke zum Beispiel an eine Nikolaus-Andacht."

Nabburg

Wie in Wernberg-Köblitz und in Schönsee ist in der Stadt noch keine endgültige Entscheidung gefallen. Auch in Nabburg wird die Nikolaus-Aktion seit rund 50 Jahren von Kolping organisiert. "Der Nikolaus-Besuch ist noch nicht abgesagt, aber wir sind uns noch unschlüssig, ob wir es machen sollen", sagt Vorsitzender Kurt Koppmann. Dem Kolping-Chef gibt zu denken, dass es noch keine Anfragen aus der Bevölkerung gibt. "Bislang hat sich noch niemand bei mir gemeldet. Sonst rufen die Leute immer schon Wochen vorher an. Letztlich ist unklar, ob überhaupt die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Aktion da ist."

Ob in Nabburg der Nikolaus zumindest bis zur Haustür kommt, hängt auch davon ab, ob es Koppmann gelingt, genügend Freiwillige aufzutreiben. "In den vergangenen Jahren hatte ich immer zwei Nikoläuse, aber ob die zur Verfügung stehen, weiß ich noch nicht."

Der Christkindlmarkt in Schwarzenfeld muss ausfallen

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