13.12.2018 - 12:20 Uhr
PfreimdOberpfalz

Pfreimd steht unter Strom

Der Wernberg-Köblitzer Bürgermeister Konrad Kiener ist auf den ersten Blick "verhalten positiv" gestimmt. Die Marktgemeinde wird vom Süd-Ost-Link am östlichen Rand tangiert. In Pfreimd und Trausnitz gibt es Problemzonen.

Zufriedenheit sieht anders aus. Geschäftsleiter Bernhard Baumer und Bürgermeister Richard Tischler (von rechts) sehen ihre Bedenken im gedachten Trassenverlauf nicht berücksichtigt. Bürgermeister Konrad Kiener kann mit den Plänen leben. Links im Bild Tennet-Mitarbeiter Thomas Arnold.
von Irma Held Kontakt Profil

Verkniffene Miene bei Pfreimds Bürgermeister Richard Tischler, beim Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Bernhard Baumer ist leichte Ungeduld zu spüren. Die Vorstellung des von Tennet favorisierten Korridors für den Süd-Ost-Link (wir berichteten) bringt sie zunächst nicht weiter und stimmt sie später alles andere als froh. Dass es dieser 1000 Meter breite Streifen von Hof bis Pfreimd - die östlichste der drei Varianten - wird, war zu erwarten. Aber wo genau verläuft letztendlich die 15 Meter breite Trasse mit dem Erdkabel? Das ist es, was sie am Mittwochnachmittag im Konrad-Max-Kunz-Saal der Oberpfalzhalle umtreibt.

Als Tennet-Mitarbeiter Thomas Arnold schließlich die Karten auf den Tisch legt und die gedachte Trasse sichtbar wird, ist das Aha-Erlebnis groß. Demnach würde das Erdkabel mitten durch ein geplantes Gewerbegebiet in Söllitz verlegt und am Rand von Weihern dessen Wohnentwicklung hemmen. Die Trinkwasserquelle käme ebensowenig ungeschoren davon wie die ökologische Ausgleichsfläche Pfreimds.

"Das haben wir doch alles schon mehrfach gemeldet", platzt es aus Bernhard Baumer heraus. "Wir werden genau schauen, wo die Knackpunkte sind, die unsere Entwicklung beeinträchtigen", ergänzt der Bürgermeister. Ein Gutachten würde die Zuflüsse zur Trinkwasserquelle "Brunnstube" eruieren. Hier hat Tischler Bedenken, das Erdkabel könnte die Zuflüsse trocken legen. Und dann sind da noch die ökologischen Ausgleichsflächen, um die er sich sorgt. "Nicht dass es dann plötzlich kein Ausgleichsgebiet mehr ist. Wir brauchen das dringend. Das ist unser Ökokonto." Ambitioniert ist für ihn auch die Unterquerung der Staatsstraße, der Autobahn, der Naab und der Bahnlinie bis zum Fuße des Eixlbergs. Dort entdet Abschnitt C von Hof nach Pfreimd. Dr. Jörg Hübner, der zuständige Projektleiter, versucht zu beruhigen. Die Trasse zeige nur, wo sie innerhalb des ein Kilometer breiten Korridors verlaufen könnte. Es sei noch keine Vorfestlegung. Bei der Feintrassierung würden Belange, die sich noch ergäben, berücksichtigt.

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Dies wäre der zweite Schritt nach dem ersten. Am 21. Dezember werde Netzbetreiber Tennet den Vorzugskorridor bei der Bundesnetzagentur einreichen. Diese hat nach Angaben von Tennet den Vorschlag, nördlich von Pfreimd den Süd-Ost-Link mit der A-93 zu bündeln aussortiert. Tennet durfte diese Möglichkeit nicht weiter verfolgen. Wie Tennet-Mitarbeiter Thomas Arnold auf Nachfrage erklärte, sei durch das Erdkabel entlang der Autobahn wohl die Stabilität der Brücken gefährdet.

"Grundssätzlich versuchen wir zu bündeln, zum Beispiel mit dem Ostbayernring, aber bei Freileitungen greifen andere Kriterien als beim Erdkabel", informiert die Sprecherin von Tennet für den Süd-Ost-Link Carolin Kürth. Sie wehrt sich auch gegen Vorwürfe, der Netzbetreiber würde sich Freileitungen und engeren Bündelungen versagen. "Die Politik hat auf Erdkabel entschieden. Diesen ist Vorrang einzuräumen. Wir prüfen keine Freileitung." Der Wernberg-Köblitzer Bürgermeister Konrad Kiener hält sich in der Diskussion zurück.

Er ist erleichtert, dass die Marktgemeinde "nicht so stark tangiert wird, wie befürchtet". Der gedache Erdkabelstreifen verläuft am östlichen Rand der Kommune. Dennoch würden Korridor und mögliche Trasse genau unter die Lupe genommen. "Ich werde die Planungen konstruktiv, aber auch kritisch begleiten. Die Energiewende sowie die Versorgungsicherheit soll im Einklang mit den Bürgern vollzogen beziehungsweise gewährleistet werden".

Am Mittwochnachmittag legte Tennet die Pläne Bürgermeistern, Bürgerinitiativen, aber auch dem Bauernvverband vor. Begleitende Foren für die Bürger werden im Janaur folggen. Die Vorstellung des weiteren Gleichstrom-Korridors durch den Landkreis bis zum Endpunkt Landshut steht erst im Laufe des nächsten Jahres an.

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