12.12.2018 - 21:43 Uhr
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Süd-Ost-Link: Tennet stellt die Vorzugstrasse durch die Oberpfalz vor

Tennet lässt die Katze aus dem Sack: Am Mittwoch stellte das Unternehmen den Trassenkorridor vor, den es selbst für den Süd-Ost-Link wählen würde. Wirklich überzeugen können die Pläne die Politiker in der Region aber nicht.

Der Südostlink ist wieder einen Schritt weiter.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Der Süd-Ost-Link hat am Mittwoch eine weiteren Schritt auf dem langen Weg zur Umsetzung getan. Das mit der Planung beauftragte Bayreuther Unternehmen Tennet hat der Öffentlichkeit ihren sogenannten Vorzugskorridor für die Verlegung der unterirdischen Hochspannungs-Gleichstromübertragungsleitung (HGÜ) im Abschnitt C zwischen Hof und Pfreimd vorgestellt.

Problemzonen in Pfreimd und Trausnitz

Pfreimd

Wenn es nach Tennet geht, fließt der Storm aus dem Norden künftig über die östlichste der bisher vorgesehenen Varianten. Durch die Oberpfalz soll die Trasse östlich an Mitterteich und Tirschenreuth vorbeilaufen. Vorbei an Beidl und Püchersreuth geht es über Störnstein östlich vorbei an Neustadt/WN und Weiden über Irchenrieth und zwischen Luhe und Leuchtenberg, vorbei an Wernberg-Köblitz nach Pfreimd. Hier beginnt der Plannungsabschnitt D, für den noch kein Vorzugskorridor benannt ist.

Leuchtenbergs Bürgermeister wenig begeistert

Leuchtenberg

Entscheiden wird über den konkreten Verlauf der Trasse die Bundesnetzagentur. Für 21. Dezember plant Tennet die offizielle Vorstellung des Vorschlagskorridors bei der Netzagentur. Die Entscheidung dort soll dann im zweiten Halbjahr 2019 fallen. Bis dahin verspricht Tennet ab Januar "informelle Bürgerinformationen" zum Planungsstand und zu den nächsten Planungsschritten. Die Pläne werden ab Januar öffentlich ausgelegt, dann haben sowohl Privatbürger als auch öffentliche Stellen die Möglichkeit, ihr Einschätzung zu der Planung abzugeben und Einwände geltend zu machen. Wenn sich die Netzagentur festgelegt hat, beginnt das tatsächliche Planfeststellungsverfahren für die Tasse der Wahl.

Für den Tennet-Vorschlagskorridor punktete die Ost-Variante gegenüber den westlicher liegenden Korridoren vor allem, weil sie weniger Eingriffe in die Natur erforderlich macht. Die Trasse ist 137,4 Kilometer lang, damit ist sie nicht die kürzestmögliche. Die Verlängerung um rund 3 Kilometer bedeute keinen "nennenswerten Nachteil" bei der Wirtschaftlichkeit, heißt es in der Tennet-Erklärung.

Zuerst der Bundestag

Bereits am Dienstag begann das Unternehmen damit, die Pläne in der Region bekanntzumachen. Am Abend wurden die Bundestagsabgeordneten aus der Oberpfalz und Oberfranken eingeweiht. Am Mittwochmorgen waren dann die Landtagsabgeordneten, anschließend die Landräte an der Reihe. Nachmittags folgten betroffene Bürgermeister und Stromtrassen-Bürgerinitiativen bei einer Vorstellung in der Oberpfalzhalle in Schwandorf. Auf allen Ebenen hält sich die Begeisterung für den Tennet-Vorschlag jedoch in engen Grenzen.

"Grundsätzliche Fragen bleiben unbeantwortet", ist etwa eine Presseerklärung überschrieben, die CSU-Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht am Mittwoch zu dem Thema veröffentlichte. Konkret wirft er die Frage auf, wieso nicht stärkter geprüft wurde, ob für die Trasse bestehende Straßenverläufe genutzt werden könnten. Rupprecht bringt dabei erneut den Seitenstreifen der Autobahn A 93 ins Spiel. "Ich habe mich hierzu mehrfach schriftlich z.B. an den Präsidenten der Bundesnetzagentur, Jochen Homann und Tennet selbst gewendet und über Monate genau dies eingefordert", schreibt Rupprecht.

Ganz ähnlich argumentiert Tirschenreuths Landrat Wolfgang Lippert. Er verweist wie Rupprecht und sein Neustädter Kollege Andreas Meier auf neue technische Möglichkeiten (siehe Hintergrund), die Tennet nicht berücksichtigt. Lippert verweist zudem auf grundsätzliche Zweifel am Bedarf für die Trasse. Diese seien immer noch nicht ausgeräumt. Auch Neustadts Landrat Meier nennt ähnliche Kritikpunkte."Eine Verlegung unmittelbar entlang der Autobahn A 93 wurde nie wirklich ernsthaft untersucht und geprüft."

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Nicht Tennets Schuld

Kritisch sieht das Ergebnis auch Annette Karl. Allerdings zeigt die SPD-Landtagsabgeordnete aus Neustadt/WN nicht auf Tennet als Schuldigen. "Ich kann nachvollziehen, dass Tennet zu diesem Ergebnis kommt, weil ich die Vorgaben kenne, unter denen Tennet arbeitet." Dem Unternehmen selbst könne man keine Vorwürfe machen. "Tennet hat einen Auftrag erhalten und arbeitet diesen nun wie vereinbart ab." Schuld seien eher die Vorgaben, die aus dem Bundeswirtschaftsministerium kommen. Vor allem der Zeitdruck, der Tennet aufgelegt wird, sei unverständlich, sagt Karl. "Schließlich seien noch nicht einmal alle nötigen Gesetze beschlossen." Karl verweist in diesem Zusammenhang auf das Netzausbaubeschleunigungsgesetz (Nabeg), über das am Mittwoch erst das Bundeskabinett beraten habe.

Unter anderem sehe dieser Gesetzentwurf vor, dass bei den HGÜ-Trassen Leerrohre mitverlegt werden, um für steigenden Strombedarf gerüstet zu sein. Dies würde die Trassenbreite "auf Verdacht" aufblähen, "weil vielleicht in 30 Jahren mehr Strom transportiert werden muss", bringt Karl es auf den Punkt. Solche Passagen wolle sie unbedingt streichen lassen. Dafür sehe sie auch gute Chancen. "Es ist noch kein Gesetz so aus dem Parlament herausgekommen, wie es hineingegangen ist." Karl verspricht, die nächsten Monate zu nutzen, um Druck aufzubauen. "Ich erwarte, dass auch die Politiker anderer Parteien mitziehen." Bis diese Fragen geklärt sind, erwarte sie, dass auch das Bundeswirtschaftministerium Tennet nicht dazu zwingt, sich vorschnell auf eine nicht optimale Lösung für die Leitung festzulegen.

Hintergrund:

Ob Freier-Wähler-Landrat aus Tirschenreuth, CSU-Mann aus dem Bundestag oder SPD-Landtagsabgeordnete: Bei der Kritik an der Vorzugstrasse für den Süd-Ost-Link spielt immer der Verweis auf eine Technikinnovation eine Rolle, die künftig die Übertragungskapazität deutlich steigern soll. Das Verfahren steht demnach kurz davor, die letzten Tests zu absolvieren. Wenn es diese besteht, erlaubt es eine Übertragung von 525 Kilovolt (kv) pro Leitungsstrang. Die bisherigen Planungen gehen von 320-kv-Leitungen aus.

Der Unterschied kann eine große Rolle spielen, unter Umständen reichen zwei Kabelstränge. Aktuell wird damit gerechnet, dass vier parallel verlegt werden müssen. Weil zwischen den Kabeln zudem ein Schutzstreifen eingeplant werden muss, würde dies die benötigte Trasse deutlich schmäler ausfallen lassen.

Laut Tirschenreuths Landrat Wolfgang Lippert argumentiert Tennet, dass die neuen Kabel auch auf den aktuell geplanten Trassen verlegt werden können. Dies überzeugt aber weder Lippert noch die Politiker-Kollegen. „Ein schmalerer Korridor würde ganz neue Möglichkeiten bei der Planung eröffnen“, erklärt Lippert. Unter Umständen wäre doch der Randstreifen einer Autobahn für die Trasse ausreichend. Aktuell wird argumentiert, dass der Platz nicht ausreicht. Lippert stimmt mit seinen Kollegen überein: „Wir sollten warten, bis die neue Technik zur Verfügung steht und dann prüfen, welche Spielräume sie bei der Planung eröffnet.“

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