10.06.2021 - 17:21 Uhr
PfreimdOberpfalz

Pfreimder Verein "Stadtturm" kündigt Ehrenamt: Als Heimatpfleger "zu wenig gehört"

Zu wenig und zu spät informiert, vertrauensvolle Zusammenarbeit kaum möglich: Unter diesen Bedingungen will der Pfreimder Verein "Stadtturm" nicht länger als Ortsheimatpfleger fungieren. Er hat die Kündigung eingereicht.

Den beiden Vorsitzenden des "Stadtturms", Hans Paulus (links) und Peter Egerer, hier in den Vereinsräumen mit Altstadtbauten im Miniaturformat, liegt viel daran, wie Pfreimd künftig aussehen soll. Doch der Verein fühlt sich in der Funktion als Ortsheimatpfleger übergangen und hat nun gekündigt.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Nach reiflicher Überlegung entschlossen wir uns nun zur Aufkündigung des Auftrages als Ortsheimatpfleger": Schriftlich hat der Heimatkundliche und historische Arbeitskreis "Der Stadtturm" in einem Schreiben vom 30. Mai die Stadt Pfreimd über das Ende einer Ära und eines Amts informiert. Mit deutlicher Mehrheit (acht Mitglieder waren dafür, zwei haben sich enthalten) hatte der Vereinsausschuss sich zu diesem Schritt durchgerungen. Und offensichtlich stand die Bestellung im Mai 2015 von Anfang an unter keinem guten Stern.

"Seit Beginn unseres Auftrages war eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nur in wenigen Fällen gegeben, in den letzten zwei Jahren wurde diese immer schwieriger, zum Teil gar nicht möglich", heißt es in dem Kündigungsschreiben, das der Redaktion von Oberpfalz-Medien vorliegt. Von einigen Vorhaben habe man erst aus der Presse erfahren oder offiziell nach den Beschlüssen. "Nach dem Vertrag hätte uns die Verwaltung rechtzeitig notwendige Informationen zukommen lassen müssen", so der Standpunkt von Stadtturm-Vorsitzendem Peter Egerer. Dies sei nicht rechtzeitig oder überhaupt nicht erfolgt. "Ob aus Unkenntnis der Sachlage heraus oder absichtlich, lassen wir dahingestellt", heißt es in dem Kündigungsschreiben. "Auch dem Stadtrat waren wohl die Aufgaben eines Ortsheimatpflegers nicht recht bewusst."

In einem Pressegespräch mit Oberpfalz-Medien präzisiert der Vorsitzende zusammen mit Stellvertreter Hans Paulus die Beweggründe für diesen Schnitt. Seit Gründung des heimatkundlichen Vereins sei dessen Meinung regelmäßig eingeholt worden, lange bevor es den Posten eines Ortsheimatpflegers zu besetzen galt. "Seit das in eine Form gegossen wurde, ist das eingeschlafen", schildern die beiden Vorsitzenden die aus ihrer Sicht mangelhafte Einbindung. Bei Projekten in der Altstadt hätten die Vereinsmitglieder gerne ein Wörtchen mitgeredet, beispielsweise beim Haas-Haus und den dort geplanten Freiflächen. Bei der Versetzung des Hahnenkreuzes habe der Verein sogar angeboten, finanziell mit einzusteigen, doch dann sei "plötzlich eine Steinwüste kreiert" worden. "Nicht unbedingt ein Ruhmesblatt", meint Paulus, "und auch nicht billig".

Gab es keine Versuche, die Kooperation zu verbessern? "Es gab immer wieder Gespräche mit Amtsleitung und Bürgermeister", räumt Paulus ein. "Allerdings mit Bekanntgaben statt Einsicht in die Pläne", kritisiert Egerer, der "Fragen der Gestaltung des Orts- und Landschaftsbildes" als Kernaufgabe eines Heimatpflegers betrachtet. Die beiden Vorsitzenden bemängeln in diesem Zusammenhang auch, dass in mehreren Fällen Vorgaben der Altstadtsatzung von Eigentümern nicht eingehalten und von der Stadt dann "abgenickt" wurden. Überhaupt werde nur das realisiert, wofür es Förderungen gebe, lautet ein weiterer Kritikpunkt. "Man hat uns am langen Arm verhungern lassen", beklagt Egerer die Mitsprache-Modalitäten und fügt hinzu: "Jetzt machen wir Nägel mit Köpfen".

Bürgermeister Richard Tischler hat inzwischen den Eingang des Kündigungsschreibens schriftlich bestätigt und angekündigt, den Stadtrat in der Sitzung am 30. Juni darüber zu informieren. "Ich bedauere es außerordentlich, dass der Vereinsausschuss diesen Schritt beschlossen hat und die Stadt die Erwartungen, die der Verein mit der Übernahme dieses Ehrenamtes verbunden hatte, offensichtlich nicht vollumfänglich erfüllen konnte", heißt es in seinem Antwortschreiben. Darin versichert er dem Verein auch, "dass es zu keinem Zeitpunkt das Interesse der Verwaltung war, den Verein in seiner Funktion als Ortsheimatpfleger absichtlich zu übergehen oder uninformiert zu lassen". Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien fügt der Bürgermeister hinzu, dass man den Verein wie alle Träger öffentlicher Belange behandelt habe. "Offensichtlich gab es darüber unterschiedliche Vorstellungen."

Ob die Stadt nun auf die Suche nach einem neuen Ortsheimatpfleger geht? "Aus unseren Reihen wird es keiner machen", sind sich Egerer und Paulus sicher. Gänzlich kappen will der Verein die Zusammenarbeit mit der Stadt wegen dieser Differenzen aber nicht. "Das Tuch mit der Stadt ist deswegen nicht zerschnitten", sagt Paulus, "wir machen als Verein weiter".

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Pfreimd

"Das Tuch mit der Stadt ist deswegen nicht zerschnitten, wir machen als Verein weiter."

Stellvertretender Stadtturm-Vorsitzender Hans Paulus

Stellvertretender Stadtturm-Vorsitzender Hans Paulus

Hintergrund:

Heimatkundlicher und historischer Arbeitskreis "Der Stadtturm"

  • Ziel: die Erforschung der Geschichte der Stadt Pfreimd und ihrer Umgebung sowie die Verbreitung geschichtlichen Wissens über unsere Heimat durch Veröffentlichungen, Vorträge, Ausstellungen und Führungen.
  • Mitglieder: aktuell 104, darunter auch externe. Der Ausschuss besteht aus zehn Mitgliedern.
  • Gründung: ab Ende der 70er Jahre Treffen von Interessierten, Oktober 1984 offizielle Vereinsgründung.
  • Name: Mit der Bezeichnung "Der Stadtturm" wollte der Verein an den 1854 wegen angeblicher Baufälligkeit abgetragenen mittleren Torturm erinnern, der über Jahrhunderte die Silhouette der Stadt Pfreimd beherrschte.
  • Ortsheimatpfleger: Bestellung des Vereins zum 1. Mai 2015, Kündigung zum 31. August 2021

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