Pfreimd
16.07.2021 - 19:31 Uhr

Selbstständig wohnen, aber mit Hilfe

Die Stadt Pfreimd möchte das historische Bürgerspital in der „Freyung“ für betreutes Wohnen nutzen. Weil viele Fragen offen sind, war der Bürgermeister dankbar für Ratschläge aus der Politik und dem Bereich der Krankenkassen.

Die Stadt Pfreimd will das historische Gebäude des ehemaligen Bürgerspitals (Hintergrund) für betreutes Wohnen nutzen. Bürgermeister Richard Tischler (Zweiter von links) informierte darüber die SPD-Bundestagsabgeordneten Marianne Schieder und Heike Baehrens (von links) sowie den SPD-Kreisvorsitzenden Peter Wein (Zweiter von rechts) und den AOK-Pflegeberater Michael Falkenstein (rechts). Bild: Hirsch
Die Stadt Pfreimd will das historische Gebäude des ehemaligen Bürgerspitals (Hintergrund) für betreutes Wohnen nutzen. Bürgermeister Richard Tischler (Zweiter von links) informierte darüber die SPD-Bundestagsabgeordneten Marianne Schieder und Heike Baehrens (von links) sowie den SPD-Kreisvorsitzenden Peter Wein (Zweiter von rechts) und den AOK-Pflegeberater Michael Falkenstein (rechts).

„Pflege braucht Rückenwind“. Unter diesem Motto steuerte die Pflegebeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Heike Baehrens (Stuttgart), am Mittwoch vier Stationen in den Landkreisen Cham und Schwandorf an. Bundestagskollegin Marianne Schieder hatte den „Pflege-Gipfel“ organisiert.

Bürgermeister Richard Tischler erwartete die Delegation vor dem denkmalgeschützten Gebäude „in der Freyung 38“, in dem bis 1963 das Bürgerspital untergebracht war. Die Stadt kaufte das nebenstehende Haus „Hammerhof 2“ dazu und sucht für das Ensemble nun eine Nutzung. „Es ist der erklärte Wille des Stadtrates, dort eine Einrichtung für betreutes Wohnen entstehen zu lassen“, so die Information des Bürgermeisters.

Die Stadt reagiert damit auf die demographische Entwicklung. „Bis zum Jahre 2037 wird sich die Zahl der über 75-jährigen in Pfreimd verdoppelt haben“, entnimmt Richard Tischler der statistischen Prognose. Mit der Einrichtung von betreuten Wohneinheiten an historischer Stelle werde die Kommune jenen Senioren ein Angebot machen, „die noch selbständig wohnen wollen, aber Hilfestellung brauchen“, so der Bürgermeister. Er ist sich aber bewusst: „Wir stehen erst am Anfang und haben keinerlei Erfahrung“.

MdB Heike Baehrens macht der Kommune Mut und stellt fest: „Bei der Nähe zum Pflegeheim ist hier der Standort für betreutes Wohnen ideal“. Das sieht auch Hans Müller so. Der stellvertretende Verwalter der Spitalstiftung Pfreimd erhofft sich eine Stärkung des St. Johannes-Stifts, das mit 57 Plätzen „gerade so über die Runden kommt“. Das Seniorenheim könne die Dienstleistungen der Küche und der Wäscherei den „betreuten Bewohnern“ anbieten. Der Vertreter des Trägers hat für die Nutzung des Ensembles eigene Vorstellungen. „Wir könnten eines der Gebäude zum Wohnen und das andere als Tagespflegestation nutzen“, so Müllers Vorschlag. Das stationäre Wohnheim habe nämlich keinen Platz für Kurzzeitpflege.

Auch der Pflegeberater der AOK-Gesundheitskasse, Michael Falkenstein, erkennt die Synergien und findet die Pläne der Stadt und der Stiftung gut, „weil das Angebot nicht auf der grünen Wiese, sondern in der Ortsmitte entsteht“. Er appelliert an die Wohnheimträger, mehr Tagespflegeplätze zur Entlastung der Angehörigen zu schaffen, und stellt dafür eine erhöhte Förderung und die Anpassung des Personalschlüssels in Aussicht. Stellvertretender Stiftungsverwalter Hans Müller sieht die Altenheime in Konkurrenz zu den Krankenhäusern, die neuerdings „eine bis zu zehntägige Kurzzeitpflege im Nachgang zum Klinikaufenthalt“ anbieten. Das sieht Heike Baehrens nicht so eng, denn: „In der Pflege darf es kein Konkurrenzdenken geben“.

Bürgermeister Richard Tischler hat mittlerweile einen Architekten mit der Prüfung der Gebäude beauftragt, will Möglichkeiten der Förderung abklopfen und vor allem die Fragen klären, wer Sanierungsträger und Betreiber des betreuten Wohnens werden soll. MdB Marianne Schieder will die Stadt dabei unterstützen und ist überzeugt: „Die Kommunen müssen stärker über Angebote des betreuten Wohnens nachdenken“. Die SPD-Politikerin hat eine Vision: „Jede Gemeinde sollte einen Ansprechpartner für Pflege beschäftigen“.

Die SPD-Delegation besuchte am Mittwoch auch die BRK-Tagespflege- und WG-Einrichtung in Willmering (Landkreis Cham) und die Caritas-Sozialstation in Neunburg vorm Wald. Den Abschluss bildete am Abend eine Diskussionsveranstaltung in Teublitz unter dem Motto „Pflege solidarisch gestalten“.

OnetzPlus
Pfreimd14.06.2021

„Bei der Nähe zum Pflegeheim ist der Standort für betreutes Wohnen hier ideal“.

Heike Baehrens, Pflegebeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion.

Heike Baehrens, Pflegebeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion.

 
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