Pfreimd
24.10.2024 - 13:54 Uhr
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So wird ein marodes Haus in der Pfreimder Altstadt zum Familienprojekt

Die feuchten Wände sind Vergangenheit. Ein heiteres Gelb lenkt den Blick auf den sanierten Altbau in der Brauhausgasse Nummer 7. Gerhard Igl ist stolz auf sein jüngstes Projekt in Pfreimd – und hat dafür einen ganz besonderen Grund.

Drei Jahre sind vergangen, seit Gerhard Igl vor dem maroden Haus in der Pfreimder Altstadt stand. Jetzt sperrt er die nagelneue Haustüre auf und gewährt Oberpfalz-Medien den Blick auf die frisch sanierten Räume mit den Eichen-Dielen, den heimeligen Balken und dem imposanten Anteil an der dicken Stadtmauer. Von diesen Stärken war nicht viel zu erkennen, als er im Januar 2022 mit der Sanierung des Hauses begann, das unter Ensembleschutz stand. "Die Trockenlegung war das größte Problem", erinnert sich der Bauherr, der zum dritten Mal ein Objekt in der Altstadt vor dem Verfall retten wollte – bezirzt durch den Blick über unverbaubare Wiesen, den vorbeifließenden Schleifmühlbach und die Schrebergärten gleich vis-à-vis.

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Pfreimd26.05.2021

Dem Chef der Firma Igl Umwelt- und Gebäudetechnik war klar, dass da eine Menge Arbeit auf ihn warten würde. "Ich lebe das", sagt der 60-Jährige heute, "jede Kleinigkeit, jedes Detail ist mir wichtig, vom Türstopper bis zum Schalter". Eigentlich hatte er sich hier, im Flur, der einst Stall und Wohnraum trennte, eine Küche vorgestellt. Doch dann ließ er sich eines Besseren belehren, weil man in Pfreimd nun mal so gebaut hat und dieser Stil erhalten bleiben sollte. Also darf jetzt der Raum mit der einzügigen Treppe weiter wahlweise in den ersten Stock und in den kleinen Garten führen, auf Wegen, wo früher Vieh und Futter unterwegs waren.

Mit Eiche von nebenan

Die Treppe mit den weiß lackierten Sprossen und Stufen aus Eichenholz ist eines der Elemente, auf die der Hausherr besonders stolz ist. "Das Holz dafür ist in Pfreimd gewachsen, der Baum stand mal beim Mühlrad", freut er sich über das Material aus der unmittelbaren Umgebung. Gleich daneben führt eine Tür in den früheren Stall, der jetzt ein modernes Bad beherbergt. Eine Tür weiter geht es in die Räume für Hauswirtschaft und Technik, wo die Wärmepumpe für die Heizung steht. "Man kann auch alte Räume mit moderner Technik ausstatten", sagt er und deutet auf den Beweis.

Freilich nicht mehr sichtbar sind die Schlitze für die Wandheizung, die garantiert, dass die 1,40 Meter dicke Mauer im Süden trocken bleibt und der Putz nicht bröckelt. Sie ist Teil der alten Stadtmauer, über die einst auch ein Wehrgang führte. Eigentlich wollte der Bauherr die marode Deckenkonstruktion durch Beton ersetzen. Dann ließ er sich doch als Tribut an die Geschichte des Hauses darauf ein, die Fehlböden zu sanieren. "Mit einer Sandschüttung wie vor 100 Jahren, so bleibt der Charakter erhalten", erzählt der Unternehmer.

Ein unverhoffter Mieter

Die weißen Holzfenster waren schon bestellt, als sich unerwartet ein Mieter meldete, mit dem Gerhard Igl zu Baubeginn überhaupt nicht gerechnet hatte: Sohn Andreas zeigte Interesse, mit seiner Partnerin hier einzuziehen. Den Vater stellte das vor neue Herausforderungen. "Das hat mich motiviert, Gas zu geben", gesteht er. Allerdings sah er sich da mit dem Problem konfrontiert, passable Raumhöhen für den immerhin zwei Meter großen Mieter zu schaffen. "Wir brauchen jeden Zentimeter", war fortan klar. 1,20 Meter tief wurden Morast und Schlamm ausgegraben, die Wände mit Fundament unterfangen. Die Böden auf Glasschaumschotter liegen nun zehn Zentimeter unter dem vorherigen Niveau.

Weil riesige Fenster nun mal nicht zum Oberpfälzer Baustil passen, wurden einzelne Elemente zurückgebaut. Dafür war auch mal eine Terrassentür drin. Drei Dachgaben bringen Licht ins große Schlafzimmer mit den historischen Balken, das über den zwei geräumigen Kinderzimmern im ersten Stock liegt. "Die Balken wurden für die Sanierung alle durchnummeriert", erzählt der Hausherr. Neue Holznägel verraten, wie die frisch mit Öl eingelassenen Balken in alter Tradition verankert wurden.

Von hier hat man die beste Position für den unverbaubaren Ausblick auf die Stadtweiherwiesen, auf eine große alte Weide, malerische Schrebergärten und die kleine, von Mauern und einem Hanikel-Zaun umgebene Grünfläche mit Anbau und überdachter Terrasse. Eigentlich ist alles da, womit ein Neubau punkten könnte. "Die Steine für die Mauer haben wir auch hier ausgebuddelt", berichtet Gerhard Igl, der die ganze Familie in sein Projekt eingebunden hat: Tochter Johanna als Bauingenieurin, ihre Schwester Theresia für die Heizung- und Elektroplanung und Sohn Andreas bei praktischen Arbeiten mit dem Bagger.

Die Bauleitung blieb beim Vater, der nun bald ganz bewusst Abschied nehmen will von dem liebgewonnenen Objekt. "Der nächste Schaden kommt, aber das muss mir dann egal sein", weiß er um den unvermeidbaren Tribut an die Zeit. Hat sich das Projekt auch finanziell gelohnt? "Es ist immer noch günstiger als ein Neubau", sagt der Fachmann und schränkt ein: "Wenn man für den Kauf eines Altbaus viel Geld ausgeben muss, kommt man allerdings kaum auf einen grünen Zweig."

Was bleibt, ist auf jeden Fall die Freude an einem gelungen Werk, das von außen kaum schließen lässt auf ein mit 240 Quadratmetern Wohnfläche doch recht großzügiges Domizil. "Alles was ich mir an Wissen angeeignet habe, habe ich hier reingesteckt ", sagt der stolze Hausbesitzer. Dass nun Sohn Andreas hier einzieht ist, ist die letzte Bestätigung dafür, dass er es geschafft hat, "allen drei Kindern das Familienprojekt in der Altstadt schmackhaft zu machen". Aufs Familienoberhaupt wartet unterdessen schon das nächste Sanierungsprojekt: Gerhard Igl hat das Gebäude der Bäckerei Geiger in der Freyung 17 erworben und will dort Wohnungen für Senioren schaffen.

Hintergrund:

Sanierungsobjekt Brauhausgasse 7

  • Größe: Altbau (Reihenhaus) mit 240 Quadratmeter Wohnfläche; Grundstück 300 Quadratmeter, dazu Schrebergarten mit 50 Quadratmetern.
  • Investition: rund 500.000 Euro
  • Fördermittel: 180.000 Euro (Städtebau und Energetische Sanierung) beantragt; Sonderabschreibung auf 12 Jahre möglich
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