Pfreimd
29.06.2018 - 19:30 Uhr

Teuer, aber wieder sicher

Die Odyssee Kellerweg geht viele Jahre zurück. Doch nun ist es (fast) vollbracht: An rund 200 Stellen werden vier Meter lange Gewindestangen ins Mauerwerk getrieben und mit Beton verpresst. Die Arbeiten gehen schneller voran als gedacht.

Stützmauer im Kellerweg: Die lärmintensiven Arbeiten konnten diese Woche abgeschlossen werden. exb
Stützmauer im Kellerweg: Die lärmintensiven Arbeiten konnten diese Woche abgeschlossen werden.

Die unendliche Geschichte wird zur endlichen Geschichte: Die Stützmauer im Kellerweg ist mit einem Korsett stabilisiert. Die Schwerpunktarbeiten sind erledigt. Was jetzt bis September noch gemacht werden muss, ist der leichtere Part.

Das Thema begleitete nicht nur das jetzige Stadtratsgremium. Bereits im Jahr 2006 wurde die Mauer von der Bahn als gefährlich eingestuft und musste mit einem Stahlnetz gesichert werden. Doch wer ist überhaupt zuständig? Es ging vor Gericht. Letztendlich konnte sich die Bahn auf ein Dokument aus dem 19. Jahrhundert berufen, wonach der Kellerweg der Stadt "gehört".

Diese Zuständigkeit war geklärt, eine zweite nicht: Wenn die Stadt die Stützmauer saniert, muss im Gleisbett gearbeitet werden. Das geht nur in den Zugfahrpausen. Um das auf die Reihe zu bekommen, begann ein "Buchbinder-Wanninger-Schriftverkehr" mit der Bahn, bis endlich die "Baudurchführungsgenehmigung" vorlag. Das Ingenieurbüro König begann Ende letzten Jahres mit der Planung: Wandvernagelung zur Stabilisierung der Stützmauer. Der Auftrag wurde von der Stadt ausgeschrieben, doch keiner wollte ihn haben. Es ging nicht ein einziges Angebot ein.

Daraufhin wurden die Arbeiten in Lose unterteilt. Für die Stabilisierung fand sich nur eine Firma: Die Spesa (Spezialbau- und Sanierung) aus Schrobenhausen mit einer Niederlassung in Roßwein bei Dresden. Der Straßenbau muss bis 2019 warten. Am 18. Juni begann die Baustelleneinrichtung, eine Woche später ging es dann in die Vollen. Der Spesa kam zugute, dass die Bahn vom 25. Juni bis 2. Juli die gesamte Fahrstrecke für Gleisbauarbeiten sperrte. Somit konnte nicht nur in der Nachtfahrpause, sondern rund um die Uhr in zwei Schichten gearbeitet werden. Die befürchtete Lärmbelästigung hielt sich in Grenzen. Bauleiter Silvio Stadach unterteilt die 120 Meter lange Baustelle in fünf Sanierungsbereiche.

Priorität hatten erst mal diejenigen Abschnitte, in denen "Gewi"-Bohrungen erforderlich waren. Vier Meter müssen in Mauer und Fels gebohrt werden. Die Gewindestangen werden eingebracht, zentriert, mit Zement verpresst, ausgehärtet und mit einer Ankerplatte gesichert. Ursprünglich ging Silvio Stadach von 1500 Bohrmetern und 300 Ankern aus. Die Stadt hat parallel das Gelände ausgelichtet. Dabei zeigte sich, dass ein zugewachsenes Stück aus Fels besteht, der nicht verankert werden muss. Folglich konnte der Umfang auf 800 Bohrmeter und 200 Nägel reduziert werden. Der zweite Arbeitsabschnitt bezieht sich auf die Mauerfugen. Das brüchige Material wird entfernt, neu aufgemauert. Es wird wohl einen Nachtrag geben. Die Firma wird noch die Kopfbalken für die Gemeindeverbindungsstraße setzen.

Bis jetzt konnte dank der komfortablen Vollsperrung im Gleisbett in zwei Schichten rund um die Uhr gearbeitet werden, erzählt Silvio Stadach. Künftig kann man dann nur die Zugfahrpausen von 23 bis 4 Uhr nutzen. Anfang September wird die Stützmauer fertig sein. Die Maßnahme kostet laut Verwaltungsleiter Bernhard Baumer rund 700 000 Euro, den Nachtrag noch nicht einberechnet. Für die Straßensanierung sind 550 000 Euro fällig. Es gibt knapp 60 Prozent Förderung.

Mit Stahlstangen wird das Mauerwerk gesichert Völkl
Mit Stahlstangen wird das Mauerwerk gesichert
Ein überdimensionaler Schlagbohrer frisst sich vier Meter in Mauer und Fels. Vier Meter lange Gewindestangen sorgen für Halt. Völkl
Ein überdimensionaler Schlagbohrer frisst sich vier Meter in Mauer und Fels. Vier Meter lange Gewindestangen sorgen für Halt.
Diese massiven Stahlstangen sichern die marode Stützmauer. Völkl
Diese massiven Stahlstangen sichern die marode Stützmauer.
 
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