23.04.2021 - 16:30 Uhr
PfreimdOberpfalz

Mit Wanderschuh und Gummihammer: Wegewarte sorgen für perfekte Pfade

Grober Schotter, fader Ausblick und dann noch kein Zeichen weit und breit: Da wählen Wanderer lieber prämierte Pfade. Sie in Schuss zu halten, erfordert ein Heer von Helfern. Der OWV Pfreimd baut auf Profis mit Blick für Schwachstellen.

Ein Baum liegt quer über dem Weg Richtung Weihern. Die Wanderwarte Robert Reil und Renate Hüther überlegen, wo man die Motorsäge ansetzen könnte, um den Weg wieder frei zu machen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Pinsel und Farbe, das war gestern. Wenn sich die Wegewarte vom Oberpfälzer Waldverein (OWV) Pfreimd auf Kontrolltour begeben, haben sie vorgefertigte Schilder im Gepäck, einen Silikonkleber oder baumschonende Aluschrauben, dazu einen Gummihammer. Bei Bedarf ist auch eine Motorsäge in Reichweite. Am Start, dort wo ein verwitterter Granitstein mit einem roten horizontalen Balken und einem roten Schrägkreuz die Abzweigung markiert, sind Renate Hüther und Robert Reil schon mitten in einer Diskussion darüber, was noch zeitgemäß ist auf den Wanderwegen, die zunehmend auch Qualitätsstandards genügen sollen.

In wenigen Wochen ist die neue Wanderkarte fertig, auf der dann die beiden sich zum Teil überlagernden Wege eingezeichnet sind: Der mit dem Querbalken führt vom Wanderparkplatz in Pfreimd nach Wernberg, der andere entlang des Eichelbachs nach Weihern. "Und bald auch als Rundweg über Öd zurück nach Pfreimd", berichten die beiden Wegewarte. Die farbige Markierung mit Lack und Pinsel am ersten Baum auf der Strecke geht noch auf das Konto des benachbarten Zweigvereins. Die Pfreimder setzen auf witterungsbeständige Schilder zum Aufkleben. Doch auch die halten an der bröckelnden Rinde von Kiefern und Fichten nicht ewig. "Da vorne muss irgendwo eines sein, das abgefallen ist", weiß Renate Hüther von einem früheren Kontrollgang.

Die Abstände, in denen Markierungen angebracht werden, sind keineswegs willkürlich. "Beruhigungszeichen" nennen die Profis die Symbole, die nur bestätigen, dass es geradeaus geht. "Wiederholungzeichen" sind dann angesagt, wenn eine Gabelung Zweifel aufwirft. Bei 77 Kilometern allein in dem vom OWV Pfreimd betreuten Gebiet kommt da einiges zusammen. "Allein rund um den Eixlberg sind es 13 Kilometer", berichtet Reil, der mit Johannes Eckl noch einen weiteren Helfer für die Pflege der Wanderwege an seiner Seite weiß. "Mittlerweils sind wir hier in Pfreimd auf einem guten Stand", ist der 64-Jährige überzeugt.

Doch mit Schildern allein ist es nicht getan. Die Wanderwarte haben sich angewöhnt, bei ihrer Begehung auch gleich Stolpersteine und Äste wegzukicken. Schon jetzt, im Frühjahr, machen sie sich mental Notizen von zarten Grashalmen, die schon bald über Wanderstiefel hinausragen könnten oder von gierigen Brombeerranken, die den Pfad für sich in Beschlag nehmen könnten. "Da brauchen wir dann einen Freischneider", seufzt Renate Hüther. Vorerst dürfte eine Zwicke ausreichen. An diesem Tag wartet aber noch ein größeres Hindernis: Quer über dem Weg liegt ein dicker, entwurzelter Stamm, dem Pilze schon ganz schön zugesetzt haben. Ein kleiner, etwas unwegsamer Trampelpfad führt seitlich vorbei. "Manchmal müssen wir gar nichts unternehmen, weil die Jäger oder Waldbesitzer schon mit der Säge da waren", erzählen die beiden Wanderwarte. Sicherheitshalber planen sie schon mal, wo genau das Werkzeug ansetzen sollte, damit der reguläre Durchgang möglich ist. "Für solche Arbeiten ist man dann schon auf männliche Unterstützung angewiesen", räumt die Wegewartin ein.

Die Natur sorgt dafür, dass den wegewarten die Arbeit nie ausgeht. Immer wieder bröckelt irgendetwas, Bänke sind zu installieren oder zu streichen, und bei den Premium-Wanderwegen wie dem Goldsteig nehmen es die "Pfleger" ganz besonders genau. In Pfreimd ist es Friedhelm Eckert, der den Goldsteig-Zubringer Nummer 8a von Untersteinbach nach Trausnitz als Wegepate betreut. Der Glanz solcher Qualitätswege hängt viel davon ab, wie konstant dort patrouilliert wird. "Diese Wege werden in der Regel in vier Kilometer lange Abschnitt eingeteilt und alle drei Jahre nachzertifiziert", verdeutlicht Reil, der als qualifizierter Wanderführer auch für den Hauptverein aktiv ist.

Als Lohn für ihre Mühe um die Wege erhalten die Ehrenamtlichen des OWV immerhin einen kleinen Obolus. Mehr aber freuen sie sich, wenn andere ihre Begeisterung über leuchtend grüne Moosflecken, ein mäanderndes Bächlein oder ein Areal voller Buschwindröschen teilen. Und was die Natur betrifft, gibt es nebenbei auch immer etwas zu lernen, beispielsweise, wie man Tannen und Fichten voneinander unterscheiden kann. Robert Reil hat einen ganz einfachen Merksatz parat: "Die Fichte sticht, die Tanne nicht."

Auch dieser Wanderweg hat dank OWV viel zu bieten

Pfreimd
Mit Silikonkleber und Gummihammer sorgen die Wegewarte des OWV für eine baumschonende Beschilderung.
Ohne diesen Hinweis würde mancher Wanderer die Felsenquelle sicher übersehen.
Grünes Moos und frisches Wasser: Die Helfer vom OWV kennen die schönsten Stellen und teilen sie gern mit anderen.
Hintergrund:

Oberpfälzer Waldverein sucht Wegepaten

  • Kontakt: Wer beim OWV Wegepate werden will, muss nicht unbedingt Mitglied sein. Wer Interesse daran hat, bei der Pflege der Wanderwege mitzuhelfen, kann sich unter der E-Mail-Adresse robert.reil@web de melden.
  • Struktur: Der OWV ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Weiden, der 1916 gegründet wurde. Sein Arbeitsgebiet umfasst die mittlere und nördliche Oberpfalz; im Westen bis in den Oberpfälzer Jura und im Osten bis an die Grenze zu Tschechien, im Norden bis zur berühmten Wallfahrtskirche Kappel nördlich von Waldsassen und im Süden bis auf die Linie Schwandorf - Rötz - Waldmünchen. Über 50 Zweigvereine mit vielen Idealisten kümmern sich darum, das Wissen und Bewusstsein um die Oberpfälzer Heimat zu fördern und zur Verschönerung der Landschaft und der Orte beizutragen.
  • Angebot: ein gut markiertes Wanderwegenetz, geführte Wanderungen, Vortragsprogramm, kulturelle Veranstaltungen, Infos in der Zeitschrift "Die Arnika" und in der "Oberpfälzer Heimat".
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